Die U19 und die U17 der Stuttgarter Kickers kämpfen am 18. Mai um den WFV-Pokal-Sieg. Norbert Stippel, der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), spricht über die Chancen und die Bedeutung des Unterbaus für die Blauen.
Die erste Mannschaft der Stuttgarter Kickers kann am 3. Juni (16.15 Uhr/Gazi-Stadion) im Endspiel gegen die TSG Balingen ihren Titel im Pokalwettbewerb des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) verteidigen. Auch die U17 und die U19 der Blauen stehen jeweils im Finale um den WFV-Pokal: An diesem Donnerstag (Christi Himmelfahrt) gehen beide Endspiele im Stadion im Eybacher Tal in Geislingen über die Bühne. Um 13 Uhr spielen die B-Junioren gegen den VfB Stuttgart, um 16 Uhr die A-Junioren gegen den 1. FC Heidenheim. Norbert Stippel (63), der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) der Kickers, schätzt die Lage ein.
Herr Stippel, wissen Sie, wann den Kickers das letzte Mal ein Triple im WFV-Pokal gelang?
Ich bin seit 2020 bei den Blauen, in dieser Zeit jedenfalls nicht. Aber Sie werden mir es bestimmt verraten.
2005 war das. Die Erste gewann dabei im Finale in Eislingen gegen den Vorgängerclub des 1. FC Heidenheim, den Heidenheimer SB.
Und die Heidenheimer klopfen jetzt an das Tor zur Bundesliga, über den VfB Stuttgart müssen wir ohnehin nicht reden. Mit den Nachwuchsteams dieser Vereine messen wir uns in den beiden Pokalendspielen. Das ist der Hammer und freut uns natürlich ungemein.
Wie stehen denn die Chancen in den Endspielen?
Außenseiter sind wir in beiden Spielen, das ist keine Frage. Die U17 des VfB ist schon eine ganz besondere Nummer, in der Bundesligarunde mussten wir in Cannstatt eine heftige 0:12-Klatsche hinnehmen. Daheim haben wir unglücklich mit 0:2 verloren.
Und der Abstieg der U17 aus der Bundesliga war nicht zu vermeiden?
Die Konkurrenz mit den Teams aus den Nachwuchsleistungszentren der Erst- und Zweitligisten ist riesig, dort steckt eine ganz andere Manpower dahinter. Aber unsere Mannschaft muss sich nicht verstecken. Erst am vergangenen Samstag gewann sie in der Sonderspielrunde bei Hertha BSC mit 2:1. Das Team wird in Geislingen alles geben, um ihrem Trainer Lukas Kling ein Abschiedsgeschenk zu machen.
„Julian Leist ist sehr wertvoll“
Wie sieht das U-17-Trainerteam kommende Saison aus?
Klings Nachfolger steht in Albert Lennerth schon länger fest. Co-Trainer wird Marcel Brandstetter bleiben. Mit Julian Leist sind wir in guten Gesprächen über eine Tätigkeit als weiterer Assistenzcoach. Julian ist ja auch in der Fußballschule und in der Talentförderung tätig. Mit seiner Erfahrung als Profi, seinem Fachwissen und nicht zuletzt seinem Auftreten ist er für die Kickers sehr wertvoll.
Wie stehen die Chancen bei der U19 gegen den 1. FC Heidenheim?
Die FCH-A-Junioren sind in der Bundesliga Sechster geworden, noch vor dem VfB. Wir haben als Oberliga-Dritter leider den Aufstieg verpasst. Daher ist die Favoritenrolle eindeutig geklärt, andererseits ist bekanntlich in einem Spiel alles möglich. Das hat unsere U19 im Viertelfinale beim 3:2 gegen den VfB eindrucksvoll gezeigt.
Bei einem Triumph im WFV-Pokal wäre die DFB-Qualifikation geschafft?
Ja, bei den A-Junioren ist das genauso wie bei der ersten Mannschaft. Nur bei den B-Junioren gibt es diesen Wettbewerb nicht.
Ist mit der U19 in der neuen Saison der Bundesliga-Aufstieg das Ziel?
Schön wäre es natürlich, wenn er gelingen würde. Und ich traue unserem Trainer Yannick Dreyer mit seinem Team alles zu. Aber man darf nicht vergessen, dass in der kommenden Saison auch Bundesliga-Absteiger SC Freiburg mit seiner A-Jugend in der Oberliga am Ball sein wird.
Da weder die U17 noch die U19 in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen wird, musste die erste Mannschaft mit ihrem Regionalliga-Aufstieg den NLZ-Status retten. Gab’s schon ein Dankeschön?
Das war der klare Auftrag an Mustafa Ünal (lacht). Über Jahre hinweg hat der Nachwuchs den NLZ-Status gerettet. Jetzt war mal die Erste dran.
Vom NLZ-Status mal abgesehen: Wie wichtig ist der Regionalliga-Aufstieg für den Unterbau?
Der ist selbstverständlich alles andere als ein Nachteil. Der größte Vorteil allerdings ist, dass die Nachwuchsspieler oben auch regelmäßig eingesetzt werden. Dieses Signal ist für uns enorm wichtig, das ist unser größtes Pfund, mit dem wir wuchern können. Denn, wie sich jeder denken kann: Finanziell können wir mit der Konkurrenz aus der ersten und zweiten Liga bei Weitem nicht mithalten.
Zur Person
Karriere
Norbert Stippel wurde am 29. April 1960 geboren. Er spielte aktiv beim TSGV Waldstetten und beim VfR Aalen. Seine Trainerstationen waren zwischen 1990 und 2017: SV Hussenhofen, FC Spraitbach, 1. FC Normannia Gmünd, VfR Aalen, FC Donzdorf, SV Bonlanden, VfL Kirchheim, SF Dorfmerkingen, GSV Dürnau, 1. Göppinger SV und TSV Essingen. Seit 2020 ist der DFB-Fußball-Lehrer Sportlicher Leiter des NLZ der Kickers.
Persönliches
Stippel wohnt mit seiner Frau Andrea in Waldstetten. Das Paar hat zwei Töchter. Sein Hobby ist Ausdauersport.