Es gibt Neues von Kinderbuchautor Paul Maar (links). Sein neues Werk „Die Tochter der Zauberin“ hat sein Enkel Hannes illustriert. Foto: Oetinger/Anne Maar

Paul Maar wollte nicht noch ein Sams-Buch schreiben und hat sich das Mädchen Fizzi ausgedacht. Von der bösen Mutter weggehext, kämpft „Die Tochter der Zauberin“ für das Gute.

Es ist Fasching. Das neue Buch von Paul Maar hat sich als Märchen verkleidet: „Es war einmal . . .“ hebt die Erzählung an. Doch der große Geschichtenerfinder, dem Kinder aus zwei Generationen treue Wegbegleiter verdanken wie das Sams und Herrn Bello, lässt schon im nächsten Halbsatz durchblitzen, dass er alles anders machen wird. Eine böse Zauberin, die Frau Schmitt heißt? Die schlimme Dinge wie Schlangen vor die Supermarktkasse oder einen Dachstuhlbrand in die Schule ihrer Tochter hext? Auch Waldbrände und Wirbelstürme hat sie drauf.

 

Das klingt nach einem modernen Märchen. Und das liefert Paul Maar auch, selbst wenn seine Geschichte an einem fabulösen Ort namens Zwischenreich spielt und den alten Kampf zwischen Gut und Böse in eine neue Runde schickt. „Die Tochter der Zauberin“ ist zudem eine Coming-of-Age-Story, in der sich die elfjährige, dem Guten verpflichtete Malefizia vom bösen Wirken ihrer Mutter emanzipiert. Im gestörten Mutter-Tochter-Verhältnis klingen aktuelle Konflikte an.

Ab ins Zwischenreich! Foto: Oetinger/Hannes Maar

Auch als Verbeugung des inzwischen 86-Jährigen vor dem Werk großer Kollegen lässt sich sein Buch lesen. Den Wettstreit zwischen guten und bösen Zauberkräften kennt man aus Otfried Preußlers „Kleiner Hexe“. Die Zwischenwelt, in welche die aufmüpfige Tochter von der zaubernden Mutter strafversetzt wird, und ihre Kreaturen erinnern an Erfindungen von Michael Ende oder Antoine de Saint-Exupéry.

Erwachende Zauberkräfte

„Der kleine Prinz“ und „Momo“ lassen grüßen. Da ist zum Beispiel der freundliche, lebenskluge Fuchs, der Malefizia durch die Gefahren der Zwischenwelt manövriert und vor bissigen Trollen, Laubschlangen und Sägenagern warnt. „Du kannst viel mehr, als du meinst“, macht der Fuchs Malefizia Mut, auf die in ihr erwachenden Zauberkräfte zu setzen. Und da ist die weise Schildkröte Frau Mahme und ihre noch weisere Großmutter, mit deren Hilfe Malefizia Großes gelingt.

Vor allem ist „Die Tochter der Zauberin“ aber ein typischer Maar, prall gefüllt mit humorvollen Sprachspielereien, witzigen Wendungen und einem kindlichen Blick auf die Welt der Erwachsenen, der manches Verhalten doch recht absurd erscheinen lässt. Schöne Bilder findet Maar für das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern, wenn Malefizia den von seiner Ehefrau in einen Koffer verzauberten Vater mit durchs Zwischenreich schleppt. Dass er seine Situation in Reimen und singend kommentiert, sorgt beim Lesen für Heiterkeit – als Running Gag bei den Betroffenen irgendwann für Verzweiflung. „Papa, kannst du nicht einmal deinen Mund halten!“, ruft irgendwann die verzweifelte Tochter. „Musst du immer dazwischen plappern!“ Zum Halten brauche man die Hand, singt der Koffer zurück, dazu sei er außerstand.

Cover (Detail) Foto: Oetinger/Hannes Maar

Mit Zauberkraft und tierischem Beistand schafft’s das seltsame Tochter-Koffer-Vater-Trio zum Happy End und Malefizia, die nun endgültig das Böse abgewehrt hat und wieder Fizzi heißt, noch rechtzeitig zur Klassenfahrt. Schön illustriert hat ihr Abenteuer übrigens Hannes Maar, ein Enkel des Autors, der klar zu erkennen gibt, bei wem er in die Schule ging. „Weil ich nicht schon wieder ein Sams-Buch schreiben wollte, aber Lust hatte, einen neuen Text zu verfassen“, sagt Paul Maar zur Neuerscheinung, „kam ich auf die Idee mit der bürgerlichen, etwas spießigen, aber erzbösen Zauberin und ihrer grundguten Tochter.“ Das Sams hätte für Fizzi bestimmt einen Wunschpunkt geopfert.

Paul Maar: Die Tochter der Zauberin. Mit Illustrationen von Hannes Maar. Oetinger-Verlag. 93 S., 15 Euro. Ab 8 Jahren.

Info

Buch
Paul Maar: „Die Tochter der Zauberin“. Mit Illustrationen von Hannes Maar. Oetinger-Verlag. 93 Seiten. 15 Euro. Ab 8 Jahre