Die vergangenen Jahre wurde in Loßburgs Wäldern mehr Holz eingeschlagen, als geplant. Grund dafür waren Borkenkäfer, Dürren und starke Stürme. Das bereitet Förster Martin Schmalz große Sorgen.
Wenn Förster Martin Schmalz im Gemeinderat über die Wälder im Raum Loßburg spricht, erhält er immer die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Denn Schmalz genießt im Gremium und in der Verwaltung hohes Ansehen, seine Arbeit gilt als nachhaltig und stellt das Wohlergehen des Waldes stets über die kommerziellen Erfolge.
Sein Haushaltsplan für den Wald erhielt Zustimmung. Schmalz wurde von Björn Uerpmann, dem Leiter der Außenstelle Horb des Kreisforstamts, und Michael Hamm, zuständig für die Holzverkaufsstelle (HVS), begleitet.
Im vergangenen Jahr konnten knapp 6000 Festmeter Holz eingeschlagen werden, das waren 130 Prozent der geplanten Nutzung. Allerdings, und das bereitet Schmalz Sorgen: „Davon waren 76 Prozent zufällige Nutzungen, also Borkenkäfer, Dürreschäden und Sturmholz.“ Seit fünf Jahren nehme diese ungeplante Nutzung immer mehr zu, sie lag in keinem dieser Jahre unter 50 Prozent.
Ursprünglich hoher Fichtenbestand
Der Durchschnittserlös lag bei 68 Euro je Festmeter und damit deutlich unter den 81 Euro des Vorjahres. „Unterm Strich verbleibt ein Überschuss von rund 54 000 Euro“, bilanzierte Schmalz. Er und sein Team bauen schon seit Jahren den Wald mit seinem ursprünglich hohen Fichtenbestand behutsam in einen Mischwald um. Im vergangenen Jahr wurden dazu 4500 Laubbäume wie Bergahorn, Kirsche, Ulme, Buche, Douglasie, Walnuss und Esskastanie auf 2,7 Hektar Fläche gepflanzt. Schmalz räumt mit den Vorurteilen gegenüber Fichten auf: „Wenn wir gute, gesunde Fichten finden, dann werden die nicht gefällt. Wir brauchen auch einen gesunden Tannen- und Fichtenbestand im Wald.“
Die jüngeren Tannen und Fichten würden dazu „erzogen“, tiefer zu wurzeln und sich damit besser gegen Trockenheit zu wappnen. Schmalz erzählte, dass zu Beginn seiner Arbeit als Revierförster die Quote an Laubbäumen bei etwa acht Prozent lag, „inzwischen sind wir bei 25 Prozent, also dreimal so viel“. Laubbäume würden nur an kahlen Stellen gepflanzt, es müssten dafür keine Nadelbäume weichen.
Spitzenpreise bis zu 500 Euro je Festmeter
„Was wir hier machen, ist nichts Neues“, so Schmalz. Früher seien diese Wälder mit etwa 35 Prozent Laubbäumen besetzt gewesen. Die Fichtenkultur sei der Not der 40er- und 50er-Jahre geschuldet gewesen. „Wir brauchen wieder einen gesunden Mischwald“, gibt Schmalz die Marschrichtung vor.
Michael Hamm betonte, dass kreisweit mehr als 70 Prozent des Holzeinschlags aus zufälliger Nutzung stammen, die HVS versuche auch Schadholz gut zu verkaufen. Der Schömberger Wald sei ein guter Standort mit einer hohen Holzqualität, aus dem Stiftungswald ließen sich Spitzenpreise bis zu 500 Euro je Festmeter erzielen. „Das verdanken wir der Umsicht und der Arbeit unserer Vorfahren“, so Hamm.
Rückblick, Inventur und Planung
Björn Uerpmann berichtete, dass ab April 2023 alle Lieferverträge aus Zufallsholz erfüllt wurden. Nach seiner Erfahrung seien die hohen Quoten der Zufallsnutzung dem Klimawandel zuzuschreiben. „Alles über 25 Prozent ist darauf zurückzuführen“, verdeutlichte er. Eine große Hilfe seien die 25 000 Hektar Nasslagerfläche im Kreis. Damit könne auf Marktveränderungen flexibel reagiert werden, die Loßburger Hölzer würden häufig auf dem Nasslager im Glatttal gelagert. Noch liege viel Holz im Wald, es fehle zum Teil an den Rückekapazitäten.
In diesem Jahr stehe die Forsteinrichtung in den kommunalen Wäldern an, eine periodische Betriebsplanung mit einem Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, einer Inventur und einer Planung der kommenden zehn Jahre in Abstimmung mit der Gemeinde.