Der Klimawandel wirkt sich aus – Starkregen, Hochwasserschutz, nachlassende Quellen; wie man im Kreis VS mit den Folgen des Klimawandels umgeht.
Ausgetrocknete Flussbetten einerseits, überflutete Keller und Straßen andererseits. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis bekommt man seit mehreren Jahren Wetterextreme zu spüren.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst nicht mehr nur ein Problem in den südlichen Breiten, sondern auch in der hiesigen Region Realität geworden.
Neue Herausforderungen
Für das Amt für Umwelt, Wasser und Bodenschutz des Schwarzwald-Baar-Kreises ergeben sich dadurch ganz neue Herausforderungen; zumal des Kreisgebiet reich an Quellen und Gewässern ist. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist eine Region im Einzugsgebiet von Donau, Neckar, Hochrhein und Oberrhein mit circa 1000 Kilometern oberirdischen Gewässern. Neben Donau und Neckar haben hier auch Elz, Gutach und Schiltach sowie weitere Flüsse ihren Ursprung.
Gewässer gefährdet
„Bäche, Flüsse und Seen werden aufgrund des Klimawandels zunehmend durch länger anhaltende Phasen von Trockenheit und großer Hitze gefährdet“, ist der „Leistungsbilanz Kreispolitik 2019 – 2024“ zu entnehmen. „Unsere Gewässer und die darin lebenden Tiere müssen zukünftig vor zu starker Erwärmung und der damit verbundenen Verschlechterung der (Über-)Lebensbedingungen durch Sauerstoffmangel, starkes Algenwachstum oder Überschreitung der für bestimmte Fische überlebbaren Höchsttemperaturen geschützt werden.“
Maßnahmen zum Schutz
Dazu wurden in den vergangenen Jahren zum Beispiel immer mal wieder Wasserentnahmeverbote erlassen. „Weiterhin werden Projekte zur Revitalisierung vorangetrieben“, heißt es. „Intakte Gewässer werden mit den Folgen des Klimawandels deutlich besser zurechtkommen“, heißt es.
Ein Großprojekt vergangener Jahre war die naturnahe Umgestaltung des Donauzusammenflusses in Donaueschingen. „Weitere Revitalisierungsmaßnahmen wurden unter anderem an der Stillen Musel in Bad Dürrheim, der Kötach in Unterbaldingen und dem Lachengraben in Döggingen umgesetzt“, so die „Leistungsbilanz Kreispolitik“.
Umgang mit Starkregen
Um in Zukunft mit Starkregen besser zurechtzukommen, sind Kommunen angehalten, sogenannte Starkregenrisikomanagementkonzepte zu entwickeln. Hier steht laut „Leistungsbilanz Kreispolitik“ das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz beratend zur Seite. „Von zwei Kommunen wurden bereits Starkregenrisikomanagementkonzepte erstellt, und bei sieben Kommunen sind sie noch in Bearbeitung.“ Bei der Bewertung der hierfür erforderlichen Simulation von Regenereignissen „kann auf die Expertise der im Jahr 2020 neu geschaffenen Fachstelle Hydraulik zurückgegriffen werden. Diese ist im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit für die Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar-Kreis tätig“, so die „Leistungsbilanz Kreispolitik“.
Hochwasser-Gefahren
Beim Hochwasserschutz an den Flüssen und Bächen erfolge kontinuierlich eine Anpassung an neue Erkenntnisse. „So wurden die Hochwassergefahrenkarten für die Brigach, die Breg und die obere Donau mit aktualisierten Daten überarbeitet. Vorhandene Anlagen für den Hochwasserschutz müssen regelmäßig überprüft und bei Bedarf ertüchtigt werden. So wurden beispielsweise die Planungen und Bauarbeiten der Stadt Villingen-Schwenningen für die Sanierung der Hochwasserrückhaltebecken Krebsgraben und Ziegelgraben durch das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz begleitet.“
Wenn Trinkwasser versiegt
Zum Schutz des Trinkwassers gibt es im Kreis VS nach Angaben des Landratsamts 123 Wasserschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von circa 200 Quadratkilometern. Das entspreche 20 Prozent der Landkreisfläche. Besonders bei den Schwarzwaldquellen stellte man laut „Leistungsbilanz Kreispolitik“ in den vergangenen Jahren fest, „dass sich die Prognosen hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels bestätigten und es zu echten Wassermangelsituationen kommen kann. Dann müsste die Wasserversorgung durch Wasserfahrzeuge mit Tankwagen sichergestellt werden.“
Den Ernstfall geprobt
Was ein Wassermangel logistisch bedeuten könnte, wurde im Herbst 2022 bei einer großen Katastrophenschutzübung im Linachtal bei Vöhrenbach deutlich, bei der unter anderem angenommen wurde, dass die Bauernhöfe dort nicht mehr genügend Wasser haben, um ihre Tiere versorgen zu können. Laut Kreisverwaltung wurden inzwischen einige Maßnahmen umgesetzt, um die Versorgungssicherheit auch bei länger anhaltender Trockenheit oder unvorhergesehenen Ereignissen gewährleisten zu können. „Hierzu zählen der Ersatzwasserbrunnen Ruckhalde der Stadt Donaueschingen, die Verbundleitung Niedereschach-Dauchingen-Deißlingen, die Verbundleitung Furtwangen-Vöhrenbach und der Neubau des Wasserwerks für Bad Dürrheim und Brigachtal inklusive neuer Verbundleitung. Darüber hinaus wird in Zukunft der Förderung der Grundwasserneubildung eine besondere Bedeutung zukommen. Der Umgang mit unseren Böden spielt dabei eine elementare Rolle“, so die Kreisverwaltung.
Die Investitionen
Laut Kreisverwaltung wurden durch die qualifizierte Beratung und Begleitung der Kommunen im Landkreis durch das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz im Zeitraum von 2018 bis 2022 im Schwarzwald-Baar-Kreis circa 13,5 Millionen Euro an Fördermitteln bewilligt. Zu den Maßnahmen zählten Hochwasserschutz, Gewässerentwicklung, der Umgang mit Abwasser, Wasserversorgung und Altlasten. „Die Zuschüsse lösten aufgrund dieser Anteilsförderung circa 23 Millionen Euro an Investitionen in den Kommunen im Landkreis in diesen Bereichen aus“, heißt es in der „Leistungsbilanz Kreispolitik 2019 – 2024“.