Thomas Waldenspuhl, der langjährige Leiter und Mitbegründer des Nationalparks Schwarzwald, geht an diesem Samstag in den Ruhestand. Das einst so heftig umstrittene Parkprojekt sieht er rückblickend als Glücksfall – für sich persönlich und für die Region
„Salut“, der für ihn typische Gruß, steht über dem Brief, den Waldenspuhl dieser Tage an Kollegen und Weggefährten zum Abschied gesendet hat. Es sei wichtig, der dienstlichen Zeitreise ein Ende zu setzen und die Jungen ans Ruder zu lassen, schreibt er darin.
„Es gibt die unerträgliche Weisheit alter Männer, die meinen, sie müssten die Welt von morgen steuern, dabei ist das gar nicht mehr ihre Welt“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Jungen müssten das Haus der Zukunft bauen und ihren eigenen Weg gehen. Den eigenen Weg gehen, das hat auch Waldenspuhl beruflich beherzigt. „Ich wollte nie zur Bourgeoisie gehören und die Füße hochlegen“, erzählt er.
Der Wald sei für ihn immer ein Stück Freiheit gewesen und die zeitliche Dimension von Baumbeständen, die mehrere hundert Jahre alt werden, beeindruckend. Durch den Klimawandel stünden die Förster heute jedoch mit dem Rücken zur Wand: „Wir können nicht mehr abschätzen, welcher Baum in 100 Jahren noch steht.“ Noch gravierender sei die Situation für Menschen, die vom Wald leben und um ihre Existenz bangen. „Du musst den Wald immer eine Idee besser übergeben, als du ihn übernommen hast“, laute der Nachhaltigkeitsgedanke im Forst – dies, meint Waldenspuhl, sei heute nicht mehr möglich.
Verständnis für Ängste
Die Ängste der Nationalparkgegner vor weiteren Waldschäden durch Borkenkäfer habe er deshalb auch verstanden. Doch auch ohne Nationalpark: „Den Fichtenwald, wie wir ihn heute kennen, wird es in einigen Jahren nicht mehr geben“, sagt er. Das Problem des Klimawandels sei seit 40 Jahren bekannt, doch viel zu lange habe die Politik nicht reagiert – das gelte auch für seine Partei, die CDU.
„Wir können nicht mehr nachholen, was versäumt wurde“, meint Waldenspuhl, jetzt müssten andere Lösungen her. Sein Vorschlag: eine negative Grundsteuer als Ausgleich für Umweltschutz. Waldbesitzer oder Landwirte müssten vom Staat für die wichtige Aufgabe der Landschaftspflege langfristig garantierte Zahlungen erhalten, das wäre eine Berufszukunftsperspektive für nachfolgende Generationen, glaubt Waldenspuhl.
Auch der Nationalpark, in dem die Natur sich selbst überlassen wird, könnte neue Ansätze für den Umgang mit dem Klimawandel liefern, meint der Forstexperte: „Ich bin mir sicher, dass wir da Lösungen finden“, man müsse nur beobachten, was die Natur von sich aus für Strategien entwickelt, und schauen, ob man davon lernen kann. Der Nationalpark sei für ihn auch in dieser Hinsicht das spannendste Projekt seiner beruflichen Laufbahn – und ein Glücksfall, weil der gern pragmatisch arbeitende Beamte zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um bei dem Projekt mitwirken zu können.
Keine Blaupause
„Beim Nationalpark gab es keine Blaupause“, da habe er die Spielräume nutzen können, die das Gesetz bot. Auch für die Region sieht Waldenspuhl den Park als Glücksfall: Mit 140 Arbeitsplätzen sei er lokale Wertschöpfungskomponente, er bringe Verbesserungen im Nahverkehr, Einnahmen für den Tourismus, Wissen durch nationale und internationale Partner, sorge für Erholung und interessante Veranstaltungen – ein Mehrwert, der mehr Wertschätzung verdient hätte.
Im Ruhestand freut er sich auf eine selbstbestimmte Zeit, zudem habe er als Workaholic noch einen Schuldenberg bei seiner Familie abzubauen, sagt er. Was die Kollegen im Nationalpark anbelangt, sieht er sich jetzt in der dienenden Funktion zu helfen, wenn es gewollt ist. Und so hört man im Park künftig vielleicht doch noch ab und zu ein freundliches „Salut“.