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Nationalpark Schwarzwald Gegner mit Naturschutzprojekt nicht versöhnt

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Gegendemonstranten in der Hochphase der Bewegung vor dem Landtag ist Stuttgart. Bis heute sind viele von ihnen nicht mit dem Nationalpark versöhnt. (Symbolfoto) Foto: dpa

Baiersbronn/ Ruhestein - Das Nationalparkzentrum Ruhestein wird am Freitag feierlich übergeben, allerdings ohne Publikum vor Ort. Für die Öffentlichkeit wird die Übergabe per Live-Stream übertragen.

Wolfgang Tzschupke war und ist einer der größten Gegner des Nationalparks Schwarzwald und übt auch heute noch Kritik an dem Projekt. Als Forstwissenschaftler hat sich Tzschupke mit mehreren Gutachten gegen das Projekt des Landes Baden-Württemberg zur Einrichtung eines Nationalparks Schwarzwald gewandt. Nun, kurz vor der Eröffnung des neuen Nationalparkzentrums, beantwortet er einige Fragen zum Thema.

Sie waren einer der größten Gegner und Sprachrohr gegen den Nationalpark. Wie sieht es nun mit dem Widerstand kurz vor der Eröffnung des Zentrums aus und was ist Ihre persönliche Meinung?

Im Gegensatz etwa zu den Stuttgart-21-Gegnern haben wir Nationalpark-Gegner akzeptiert, dass es bei den gegebenen politischen Bedingungen keinen Sinn macht, weiter auf die Straße zu gehen. Als Demokrat akzeptiere ich, dass der Landtag den Nationalpark mit Mehrheit beschlossen hat, auch wenn ich weiterhin der Auffassung bin, dass es für einen solchen Nationalpark keine überzeugenden wissenschaftliche Gründe gab und gibt. Ein häufiges Argument des damaligen Ministers Bonde war, dass der Nationalpark ein Beitrag gegen das weltweite Artensterben sei. Fragen Sie sich bitte selbst: Welche Art in der weiten Welt wurde oder wird durch den Nationalpark geschützt? Auch der als Sympathieträger für den Nationalpark verwendete Sperlingskauz war und ist im Schwarzwald in seinem Bestand nicht gefährdet. Der als Argument für den Nationalpark oft bemühte Dreizehenspecht – eine Charakterart des Fichtenwaldes oberhalb 1000 Meter – ist zwar selten und stark gefährdet; aber er konnte im Schwarzwald seit 1989 – also lange vor Errichtung des Nationalparks – wieder als Brutvogel nachgewiesen werden. Für das Vorkommen und Überleben von Luchs und Wolf spielt ein Nationalpark ohnehin keine Rolle.

Gibt es noch viele Gegner oder haben diese nun Frieden mit dem Projekt geschlossen?

Zahlenmäßig kann ich Ihnen diese Frage nicht beantworten. Aus zahlreichen Kontakten kann ich aber schließen, dass nur wenige der Gegner mit dem Nationalpark "Frieden geschlossen" haben. Resignation angesichts der politischen Lage dürfte eher eine treffende Charakterisierung sein. Im Übrigen gibt es nicht wenige Gesprächspartner, die mir bestätigen, dass wir mit unseren Warnungen vor den zu erwartenden Folgen (Borkenkäferkalamität, Wegesperrungen, Betretungsverbote) Recht hatten.

Was sehen Sie für Schwierigkeiten mit der Eröffnung des neuen Nationalparkzentrums?

Das neue Nationalparkzentrum dürfte durchaus ein beliebtes Ausflugsziel werden; ob es deshalb zu mehr Übernachtungsgästen in unserer Region kommt, bleibt abzuwarten. Bisher jedenfalls hat sich der Nationalpark nicht als touristisch förderlich erwiesen, wenn man von einer zunehmenden Zahl an motorisierten Tagesausflüglern absieht. Nicht ohne Grund hat auch der Freudenstädter OB schon öffentlich festgestellt, dass uns der Nationalpark touristisch nichts gebracht habe. Noch eine Anmerkung zu den Besucherzahlen: Bereits jetzt konzentrieren sich die sogenannten Nationalparkbesucher an wenigen Hotspots am Rande des Nationalparks (Lotharpfad, Schliffkopf, Allerheiligen), im Nationalpark selbst gibt es deutlich weniger Besucher. Sie sind dort einerseits nicht erwünscht und andererseits ist der Zugang in vielen Teilen durch aufgelassene und gesperrte Wege erschwert oder verboten.

Befürchten Sie Nachteile für die Region? Gibt es auch Vorteile?

Wie bereits ausgeführt, gehe ich davon aus, dass das Nationalparkzentrum zahlreiche Besucher anziehen wird. Es bleibt zu hoffen, dass diese dann auch in der hiesigen Gastronomie und beim hiesigen Einzelhandel zu höheren Umsätzen führen werden. Dass der Nationalpark touristisch keinen besonderen Schub gebracht hat und wohl auch nicht bringen wird, zeigt im Übrigen ein Vergleich der aktuellen Übernachtungszahlen mit dem Südschwarzwald.

Werden Sie persönlich das Zentrum besuchen?

D as weiß ich heute noch nicht. Zu den ersten Besuchern werde ich eher nicht gehören.  

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