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Nagold Reporter übt sich im Schwertkampf

Von
Gnadenloser Krieger: Zumindest für das Pressefoto kann der Autor Alexander Kauffmann (rechts) so tun, als ob er es mit allen aufnehmen könnte. Foto: Fritsch

Nagold - Die Schwertkämpfer des VfL wissen: Anfänger müssen erst mal einstecken und noch mehr üben. Die Klingen sind aus dickem Nylonmaterial und an den Seiten stumpf – trotzdem: Wenn ihre Spitze direkt vor der Nase stoppt, wird es aufregend.

Sie sind furchteinflösende 1,28 Meter lang und 1280 Gramm schwer. Mit ihnen können die Profis hauen, stechen und schneiden. Die Ränder sind sicherheitshalber stumpf. Wie die Teilnehmer der Übungsstunde berichten, verursachen sie "nur blaue Flecken, vor allem an den Fingern". Kein Wunder, dass die Schwerter wie eine Bedrohung aussehen. Gruppenleiter Marc Ritter meint: "Das Verletzungsrisiko ist gering" – aber ich rechne mit dem Schlimmsten.

Beim Fechten startet jeder Kampf mit einer Ausgangsposition, von denen es drei gibt: Beim "Ochs" zeigt die Klingenspitze von oben auf den Gegner, beim "Pflug" von unten und bei der Stellung "Vom Tag" wieder von oben.

Mit Luftübungen ohne echten Gegner sollen Abläufe verfeinert und einstudiert werden. "Der Schlag muss aus der Bewegung heraus kommen", "das Schwert einfach ausschwingen lassen, nicht stoppen" oder "beim Vom Tag am besten ein Schritt nach vorne machen", erklärt Ritter.

Er weiß: "Wenn man als Anfänger auf die Hände achtet, machen die Füße was sie wollen und umgekehrt." Auch ich mache diese Erfahrung. "Wie soll das werden, wenn wir kämpfen?", frage ich. Ritter gibt sich vorsichtig optimistisch: Nach drei bis sechs Monaten könne ich auch gegen ihn kämpfen – ohne jeden Kampf zu verlieren.

Das Fechten, so viel steht fest, ist eine Disziplin, bei der Anfänger erst einmal einstecken müssen. Ritter sagt nicht umsonst, dass es darauf ankomme, "wo die Frustrationsgrenze von jemandem liegt". Nicht nur deshalb hat diese Sportart viel mit der inneren Einstellung zu tun. Ritter betont, wie wichtig "gegenseitiger Respekt" ist. "Wer einfach nur um sich schlagen will wie ein Rambo, ist bei uns falsch", stellt er klar. Das Fechten habe nichts mit Actionfilmen zu tun, in denen sich die Ritter prügeln – und das sagt ausgerechnet jemand mit dem Nachnamen Ritter. "Unsere Kämpfe sind meistens schon nach drei Runden entschieden", beschreibt er den Unterschied. Außerdem gehe es um Taktik und Technik, nicht ums Draufschlagen. Übrigens sei das Fechten ein typisch deutscher Sport. Wenn es etwa um die Ausgangsstellungen geht, nutzen auch ausländische Schulen die deutschen Begriffe. Mönche im Mittelalter haben aufgeschrieben, wie die Technik funktioniert. "Das Problem ist, dass das Pergament knapp war und es wenige Zeichnungen gibt", erklärt Ritter.

Die Bewegungen richten sich nach den Anweisungen, die schon vor hunderten Jahren umgesetzt worden sind. Was in der Vergangenheit zum Kampf auf Leben und Tod werden konnte, ist heute ein sportliches Kräftemessen.

"Hab dich gewinnen lassen"

Der Kampf beginnt. Ironisch meint Ritter: "Ich fühle mich bedroht." Sekunden später hat er die erste Runde für sich entschieden. Auf ein Neues. Ich schlage zu, mein Gegner bewegt sich kurz zur Seite und versetzt mir einen Schnitt. Anfängern würde es helfen, sich wie im Theater Bewegungen vorher zu überlegen, um sie während des Kampfes umzusetzen. Ich starte meinen Angriff mit "Vom Tag", wechsle in den "Ochs" und richte die Spitze der stumpfen Klinge gegen die Nase meines Gegners. Gewonnen. Gelangweilt wendet er ein: "Hab dich gewinnen lassen."

Der Meister erkennt zwei Hauptfehler. "Du musst das Schwert weiter vom Körper weg halten. So nah führt man es nur, wenn im Kampf wenig Platz zum Gegner ist." Und: "Du hälst das Schwert zu hoch. Alles unterhalb des Kopfes ist nicht mehr gedeckt." Um mich auch noch selbst zu kritisieren: Meine Bewegungen müssen noch schneller werden, ich habe meinem Gegner zu viel Zeit gelassen. Ich hätte öfter gewinnen können. Doch solch schnellen Bewegungen steht meine verkümmerte Hand-Fuß-Koordination entgegen.

Von blauen Flecken kann jedoch nicht die Rede sein. Dies liegt vielleicht daran, dass mich die VfL-Kämpfer bewusst geschont haben. Zurück in der Umkleidekabine sagt nämlich jemand: "Normalerweise ist unser Training noch viel anstrengender." Kann ich mir vorstellen: Hat man nämlich nur einen Kampf gewonnen, will man den nächsten wieder gewinnen. Das motiviert, selbst wenn man manchmal einstecken muss.

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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