Cornelia Radinovich-Lempart kämpft schon seit Monaten dafür, dass ihr Sohn Liam endlich eine Integrationskraft bekommt und im Dornhaner Kindergarten spielen darf. Foto: © Marco Martins – stock.adobe.com

Für ihren dreijährigen Sohn wünscht sich Cornelia Radinovich-Lempart einen Kindergartenplatz. Und als wäre das aufgrund des Mangels an Erziehern nicht schon schwer genug, beißt sich die Mutter des Autisten nun an der Bürokratie die Zähne aus.

Kreis Rottweil - Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die bereits in frühen Kinderjahren in Erscheinung tritt. So auch bei Liam Radinovich. Der Sohn von Cornelia Radinovich-Lempart wird im Oktober vier. Ein Alter, in dem ein Kind Sozialkontakte braucht – am besten zu Gleichaltrigen. Das wünscht sich auch Radinovich-Lempart für ihren kleinen Sohn. Wäre da nicht die Bürokratie, die das bislang verhinderte.

 

Mutter wird von einer Stelle zur nächsten geschickt

Am 4. April diagnostizierte ein spezialisierter Arzt in Kehl Autismus bei Liam. Das ist nun zwei Monate her. Vermutet, dass ihr Kind an einer Entwicklungsstörung leidet, hat Radinovich-Lempart aber schon lange. Der Weg von der Vermutung bis zum jetzigen Zeitpunkt war beschwerlich. "Keiner sagt einem, an wen man sich wenden kann oder was einem zusteht." Sie erzählt, erst aus einer Facebook-Gruppe habe sie erfahren, dass sie beispielsweise ab dem dritten Lebensjahr ein Rezept über Windeln für Liam erhalten kann. Eine nicht ganz unwichtige Information, wenn man bedenkt, wie viel Windeln kosten. "Vom Amt sagt mir keiner etwas", bemängelt sie. Das Zusammensuchen von Infos mache mürbe. Sie werde von einer Stelle zur nächsten geschickt – und immer nur vertröstet.

"Es war schon schwer, überhaupt einen Arzt zu finden, der Autismus diagnostizieren kann." Die Luisenklinik in Bad Dürrheim nehme solch kleine Kinder nicht an. "In Tübingen und Freiburg gibt es einen Aufnahmestopp – und zudem gehören wir scheinbar nicht zum Einzugsgebiet", sagt sie. "Ich habe mich durchtelefoniert bis nach Hamburg." Sie klingt erschöpft.

Arzt diagnostiziert Entwicklungsstörung

Dann habe sie vom Autismuszentrum Mittelbaden gehört. Der Verein hat einen Standort in Freudenstadt. Erst durch dessen Hilfe sei Radinovich-Lempart auf den Arzt in Kehl aufmerksam geworden. Nach vier Terminen kann ihr dieser bestätigen: Liam leidet unter einer Autismus-Spektrum-Störung.

Der Junge wurde nun in Pflegegrad drei eingestuft. Der Behindertenausweis ist beantragt. Doch – und das macht Cornelia Radinovich-Lempart zutiefst traurig – Liam wartet noch immer darauf, regelmäßig in den Dornhaner Kindergarten zu gehen. Hierfür braucht es nämlich eine speziell geschulte Person, die den Jungen dorthin begleitet und sich einzig und allein um ihn kümmert: eine Integrationskraft (I-Kraft).

Monate vergehen ohne eine Rückmeldung

Ende November letzten Jahres hatte Liams Mutter bereits den entsprechenden Antrag bei der Ökumenischen Kinder- und Jugendförderung (ÖKJ) gestellt. "Damals war ja schon sicher, dass eine Entwicklungsstörung vorliegt." Sie habe zugesagt bekommen, dass dem evangelischen Kindergarten schnellstmöglich der Bericht zugeht. Dieser werde nämlich benötigt, damit der Kindergarten weiß, dass die Kosten übernommen und wie viele Stunden bewilligt werden.

Wochen, ja sogar Monate vergingen, doch der Bericht kam nicht. Radinovich-Lempart hakte im April noch einmal nach. "Da wurde mir gesagt, dass man meinen Antrag aufgrund von Umstrukturierungen verbummelt hat." Ein erneuter Rückschlag. Liam muss in Folge dessen also noch länger warten, bis er mit den anderen Kindern im Dornhaner Kindergarten spielen kann.

Bescheid bis heute nicht angekommen

Für den 29. April bekam Radinovich-Lempart dann kurzfristig einen Termin beim Jugendamt. "Da wurde mir versichert, dass der Antrag durch sei und dem Kindergarten Bescheid gegeben wird." Schön und gut, doch beim Kindergarten sei bis heute nichts schriftlich angekommen. Wo es jetzt wieder hängt? Cornelia Radinovich-Lempart weiß es nicht.

Für den kleinen Liam sei es extrem wichtig, dass es so schnell wie möglich vorwärts geht. "Gerade wegen seiner Diagnose braucht er Sozialkontakte." Er müsse sehen, wie sich andere Kinder verhalten. Deshalb kämpft sich Liams Mutter weiter durch den Bürokratie-Dschungel und gibt nicht auf.

Warteliste für Integrativen Kindergarten ist lang

Ida Klingele, Leitung des evangelischen Kindergartens Dornhan, ist das Problem schmerzlich bekannt. Gerne würde sie etwas an der Situation ändern, doch das liege nicht in ihrer Macht. Sie sagt: "Es gibt natürlich auch integrative Kindergarten", doch für diese sei die Warteliste sehr lang. Der nächste sei ihres Wissens nach in Oberndorf.

"Es mangelt ja generell an Integrationskräften, an Heilpädagogen, an sonstigem Personal", schildert sie die Zustände in den Kindergärten. Zudem habe sie den Eindruck, dass der Bedarf mittlerweile einfach enorm hoch sei. Dass also immer mehr Kinder eine I-Kraft benötigen. Nun könne man philosophieren, woran das liegt.