Die Württembergische Uhrenfabrik steht im Fokus der Diskussion um das Bürk-Areal. Foto: Sabine Streck

Die ursprüngliche Idee, am Standort Württembergische Uhrenfabrik die drei Schwenninger Museen miteinander zu vereinen, ist Geschichte. Damit nicht zufrieden geben wollen sich die Stadtführer, die die Verwaltung in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit kritischen Fragen konfrontierten. Sind die Antworten zufriedenstellend?

So wollte man in der Bürgerfragestunde der Gemeinderatssitzung mit unbequemen Fragen gezielt auf die Punkte eingehen, die wohl weniger der Verwaltung als mehr den Gemeinderäten das Unverständnis über das besiegelte Aus vor Augen führen sollten. „Einige Fakten waren dem einen oder anderen bisher offenkundig nicht klar“, sagt Stadtführer Hans-Martin Weber rückblickend im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Die Finanzierung: Eigentlich ein geniales Mietmodell

Da ist vor allem die Finanzierung, die bisher nie transparent kommuniziert worden war: ein Mietmodell hätte sie sein sollen, weil die Wohnungsbaugesellschaft VS (wbg) als Eigentümerin das Stadtmuseum finanziert und die Stadt einen Mietzins gezahlt hätte – im Übrigen ein, so wie es an unsere Redaktion herangetragen wird, deutschlandweit einzigartiges und innovatives Modell. Für die rund 20 Millionen Euro, die an Baukosten zuletzt berechnet worden waren – und gegen die man sich bei den Haushaltsberatungen letztendlich entschieden hatte – „...(hätte) die Stadt einen Eigenanteil zwischen 4,5 Millionen Euro und sechs Millionen Euro tragen müssen“, heißt es vonseiten der Verwaltung.

Die Fördermaßnahmen: Nicht bekommen, aber auch nicht genutzt

In diesem Zusammenhang gehen die Ehrenamtlichen in ihrem Fragenkatalog auch auf die von der Stadt beantragten Fördermaßnahmen für das Bürk-Areal ein. Während der Antrag zur Aufnahme in das Bundes-Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen vor Kurzem abgelehnt worden sei, so die Verwaltung, wäre das Museumsquartier als Sanierungsmaßnahme des Sanierungsgebiets „Südliche Innenstadt Schwenningen“ mit 1,6 Millionen Euro bewilligter Finanzhilfe – verteilt auf drei Haushaltsjahre – bezuschusst worden.

Durch den Stopp des Bürk-Areals in den Haushaltsberatungen und eine Beschränkung der Umsetzung auf maximal zehn Millionen Euro plus eine Million Euro für die Planungskosten sei ein Haushaltsansatz 2024/2025 nicht vorhanden. „Ein Standort ist bisher nicht festgelegt, damit ist die Maßnahme – zumindest gegenwärtig – nicht mehr Gegenstand der Sanierungsmaßnahme Südliche Innenstadt Schwenningen, heißt es weiter.

Die bisherigen Kosten: Viel Geld in den Sand gesetzt 

Dann ist die Frage nach den bisher investierten Planungskosten, reichen die ersten Überlegungen für die Erneuerung der Schwenninger Museumslandschaft doch schon viele Jahre zurück, wurde doch schon viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt: Rund 600 000 Euro, sagt die Verwaltung, habe die wbg bisher an Planung und Ausgleich der fehlenden Mieteinnahmen investiert. Wie unsere Redaktion erfahren hat, sind elf Planungsbüros von der wbg beauftragt gewesen, so dass auch der Zeitplan gut hätte eingehalten werden. Die Stadt mit Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau sowie Kulturamt – im Übrigen unter anderem für aufwendige 3 D-Visualisierungen – habe bisher rund 44 000 Euro in die Planungen gesteckt.

Schließlich blicken die Ehrenamtlichen mit ihren Fragen in Richtung Zukunft – ohne Bürk, aber mit drei bestehenden Museen im Stadtbezirk. Auch hier wird nach der Höhe der Erhaltungsmaßnahmen gefragt: In die Städtische Galerie müssten – Stand 2023 – geschätzt rund 3,4 Millionen Euro, in das Heimatmuseum etwa 3,6 Millionen Euro investiert werden, so die Verwaltung. Beim Uhrenindustriemuseum seien keine wesentlichen Maßnahmen erforderlich.

Die Zukunft: Noch kein „Fahrplan“ für eine Neukonzeption 

„Hat die Stadt schon einen Fahrplan für die Neukonzeption der künftigen Museumslandschaft?“, wollen die Ehrenamtlichen zuletzt wissen. „Eine Neukonzeption für eine künftige Museumslandschaft und damit natürlich auch der Fahrplan, zu einer solchen zu kommen, wird seine Zeit brauchen.“ Davon wenig überrascht zeigt sich Hans-Martin Weber. Grundsätzlich ist er zufrieden mit der Fragestunde. „Gut, dass wir es durchgezogen haben.“ Dennoch kann er immer noch nicht ganz nachvollziehen, wieso sich der Gemeinderat nach all den guten Voraussetzungen gegen das Museumsquartier entschieden hatte. „Die Fraktionsspitze hat es wohl für sich entschieden, die übrigen Mitglieder sind nachgezogen“, meint er.

Stadtführer Hans-Martin Weber zeigt sich zufrieden mit dem Nutzen der Bürgerfragestunde in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Foto: Birgit Heinig

Gespannt blickt Weber nun auf den von der CDU-Fraktion angestoßenen Workshop zur Museumslandschaft am Dienstagabend. Der Stadtführer hofft, dass dabei neue Ideen entwickelt werden können, die zukunftsweisend sind. Überrascht sei er im Übrigen vom Vorstoß der Freien Wähler- sowie Grünen-Fraktionen in der vergangenen Woche gewesen. Dass die Fraktionen so schnell damit nach vorne preschen konnten, sei aber klar: Denn die Idee, die Museen auf dem Gelände des Uhrenindustriemuseums in einer „Black Box“ zu vereinen, hatte Freie Wähler-Vorsitzender und Architekt Andreas Flöß bereits im Jahr 2020, dieser stand damals bereits zum Entscheid.

Der neue Antrag: Eine Idee wird wieder aufgewärmt 

Doch offenkundig wurde der Vorschlag seitens der Stadt als unbrauchbar befunden und ein Jahr später daher abgelehnt. Allen voran, weil der Neubau eine Nutzungsänderung des Wohnareals zur Mischnutzung aus aus Wohnen und Museum mit sich gezogen hätte – an diesem Standort sei dies, so die Verwaltung damals, mit vielen Risiken und Problemen verbunden, unter anderem durch eine hohe Anzahl nachzuweisender Parkplätze oder dem nicht gegebenen erforderlichen Mindestabstand zum danebenstehenden Wohngebäude.

So hieß es damals abschließend, dass eine einfach gehaltene Planung mit geringem baulichem Aufwand aufgrund der vielfältigen Anforderungen „Parkierung“, „Ausstellungen“, „Veranstaltungen“ und nicht zuletzt „Anpassung an den (denkmalgeschützten) Bestand“ nicht absehbar sei. Eine weitere Verkleinerung des Neubaus würde zu Nutzungseinschränkungen führen, mit denen das Projekt bereits in der Vorplanungsphase nicht mehr zeitgemäß wäre, geschweige denn zukunftsfähig.

In diesem Zusammenhang unterstreicht Hans-Martin Weber die notwendige Authentizität des Uhrenindustriemuseums als Fabrikgebäude, die es auf jeden Fall zu erhalten gelte. Zudem habe er ein Problem damit, das Heimatmuseum in einen Kubus zu packen. „Wir müssen jetzt einfach schauen, was machbar ist“, sagt der Stadtführer abschließend.