So, wie es geplant war, wird es nicht kommen – das Bürk-Areal. Doch einen Alternativvorschlag gab es bislang auch noch keinen. Jetzt wandten sich Stadtführer mit einem Fragenkatalog über die Zukunft der Schwenninger Museumslandschaft an den Oberbürgermeister – währenddessen preschten die Fraktion der Grünen und Freien Wähler mit einem Antrag vor.
Die Entscheidung über die Zukunft des Bürk-Areals sollte wohl für viele Kulturfreunde in der Doppelstadt ein herber Schlag gewesen sein.
Ende Januar einigten sich die Stadträte auf das Ende der Pläne für das Museumsquartier in Schwenningen – die Kosten von 20 Millionen Euro waren der ausschlaggebende Punkt. Stattdessen wurde ein Kompromissvorschlag beschlossen, der die Stadt höchstens zehn Millionen Euro kosten soll.
Doch wie dieser Kompromiss im Detail aussehen könnte – darüber wurden bislang noch keine großen Worte verloren. Wo überhaupt könnte ein neues „Bürk“ entstehen?
Wurde das „Bürk“ außer Acht gelassen?
Dass das Uhrenindustriemuseum aufgrund der historischen Örtlichkeit auf keinen Fall umziehen dürfe, darüber sind sich zumindest die Kultur-Vereine der Doppelstadt einig. Diese haben sich im Vorfeld der Haushalts-Entscheidung für das „Bürk“ stark gemacht.
Eine Museumslandschaft, wie Villingen sie mit dem Franziskaner habe, gebe es in Schwenningen nicht, „hier tut sich nichts, ganz faktisch gesprochen“, äußerten sich Holger Westendorf und Eberhard Hummel vom Freundeskreis Kultur in einem vergangenen Gespräch mit der Redaktion.
Und auch der Heimatverein schlug in die gleiche Kerbe und sagte: „Seit es die Doppelstadt gibt, wurde das Bürk außer Acht gelassen.“
Fragen nach der Zukunft des Areals
Jetzt musste sich Oberbürgermeister Jürgen Roth sowie der Gemeinderat einigen Fragen der Stadtführer stellen. Hier wurde unter anderem gefragt: „Ist es richtig, dass der Haushalt der Stadt bei der Finanzierung des Bürk-Areals durch die Wohnbaugesellschaft (Wbg) lediglich mit dem Mietzins von rund einer Millionen Euro pro Jahr belastet worden wäre und somit keine Baukosten für den Haushalt angefallen wären?“
Außerdem fragten die Stadtführer nach Zuschüssen für das „Bürk“ – welche beantragt und welche genehmigt worden seien. „Anscheinend gab es niemand, der die Fördergelder des Bundes an Land ziehen konnte“, vermutete die Heimatvereins-Vorsitzende Annemarie Conradt-Mach bereits im Gespräch mit der Redaktion.
„Viele Stunden Arbeit für das Projekt“
Weitere Fragen der Stadtführer, die vor Ort von Stadtführer Dieter Mauch und Gunther Schwarz präsentiert wurden, betrafen eventuelle Einsparmöglichkeiten beim Bürk-Areal, wie viel Geld bereits für Planung, Konzeption und Maßnahmen ausgegeben worden sei, ob es bereits einen Fahrplan für die Neukonzeption der Museumslandschaft gibt und ob überhaupt geplant sei, alle drei Standorte (Heimatmuseum, Uhrenindustriemuseum und die Städtische Galerie, Anm. d. Red), in nächster Zukunft noch zu bespielen, wie viel Geld in die Erhaltungsmaßnahmen der Einrichtungen investiert werden müsse und außerdem, was mit dem Millionenprojekt „10+1“ gemeint sei.
Viele Stunden Arbeit hätten die Stadtführer bereits in das Projekt gesteckt, bekräftigte Schwarz in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend. Das Projekt habe eine „Strahlkraft weit über das Oberzentrum Villingen-Schwenningen hinaus“, das „Bürk“ sei gar ein „Leuchtturmprojekt“.
Schlechte Zeichen für Spezialfonds
Oberbürgermeister Jürgen Roth versuchte Antworten zu geben. Knapp zehn Millionen Euro umfassen die Zuschüsse aus dem Landessanierungsprogramm, bisher seien 2,6 Millionen Euro bewilligt worden. Dazu sei ein Spezialfonds beantragt gewesen, von allen Abgeordneten aus der Region sei dieser flankiert worden, doch „die Zeichen dafür waren nicht da“, so Roth im Gemeinderat.
„Eine Absage kriegt man da nicht, nur eine Zusage“, konkretisierte es der Oberbürgermeister. Auch sei über Einsparmöglichkeiten gesprochen worden, die „Wbg sei prädestiniert dafür, alles wird optimiert und nachgeschliffen“, doch mit den 20 Millionen Euro bewegte man sich „in einer realistischen Preisspanne“.
Die Frage, nach einem Fahrplan für die Zukunft der Museums-Landschaft, blieb auch an diesem Abend noch weitgehend unbeantwortet: Eine „politische Entscheidung“ sei mit dem Haushaltsentschluss getroffen worden, momentan müssten die Einrichtungen fortgeführt werden, „wie wir sie gerade leider betreiben müssen“, so OB Roth. Es gebe einen „klaren Auftrag“ mit Verabschiedung des Haushaltsplan, für eine Alternative müsse jetzt die Suche gestartet werden. Ein anderer Standort müsse gefunden werden, zumindest für die Städtische Galerie und das Heimatmuseum, inwieweit das Uhrenindustriemuseum davon tangiert sei, sei fraglich, das sei mit dem „10+1 Millionenprojekt“ an einem anderen Standort gemeint.
Grüne und Freie Wähler preschen mit Antrag vor
Während der Fragerunde schalteten sich dann noch die Fraktion der Grünen und die Fraktion der Freien Wähler mit einem Antrag ein: „Auf dem Gelände des Uhrenindustriemuseums soll eine Alternative für die ehemals geplante Museumslandschaft in Form einer modularen Holzbauweise, eine sogenannte ‚Black Box‘, erstellt werden. Auf dem Gelände soll das Uhrenindustriemuseum, die Galerie und das Heimatmuseum untergebracht werden.“
Das Konzept entspreche der Idee, welche Andreas Flöß (Freie Wähler) bereits vor einiger Zeit vorgeschlagen habe. So sei es möglich, die Museumslandschaft in Schwenningen zu bündeln ohne den gesetzten Kostenrahmen zu überschreiten, die Wohneinheiten der Wbg würden dafür nicht benötigt werden. „Die Fläche des Uhrenindustriemuseums ist nach wie vor der beste Ort um Galerie, Heimatmuseum und das Uhrenindustriemuseum zusammen zu bringen. An diesem Ort befindet sich die DNA Schwenningens. Das Uhrenindustriemuseum kann an keinen anderen Ort umziehen“, schreiben die Fraktionen dazu in ihrem Antrag.
Workshop zur Museums-Zukunft
Und auch eine weitere Fraktion schaltet sich wieder in die Diskussion ein – die CDU will am 26. März einen Workshop zur Zukunft der Museumslandschaft veranstalten. Hier sollen Fragen und Ideen der Bürger erarbeitet und gesammelt und diese Ideensammlung der Stadtverwaltung übergeben werden. Die Zukunft des Museumsareals dürfte also spannend bleiben.