Stationär gibt es bereits neun barrierefreie Toiletten im Freiburg. Nun geht die Stadt einen Schritt weiter und stellt als bundesweit erste Kommune auch eine mobile Toilette für Behinderte zur Verfügung.
Der Stolz ist allen Beteiligten bei der Präsentation der neuen mobilen „Toilette für Alle“ in der Freiburger Messehalle ins Gesicht geschrieben. Auf diesen Schritt haben alle Beteiligten mehrere Jahre hingearbeitet.
Neun „Toiletten für alle“ gibt es im Freiburger Stadtgebiet bereits. Diese sind allesamt in Gebäuden wie der Berg- und Talstation der Schauinslandbahn, im Gastrobereich des Tiergeheges am Mundenhof oder im Rathaus zu finden und an deren Öffnungszeiten gekoppelt. Jetzt hat die Stadt Freiburg, als erste Kommune, auch einen mobilen, barrierefreien Toilettenwagen. Dieser steht nun Firmen, Vereinen und Verbänden für deren Veranstaltungen zur Verfügung.
250 Euro kostet der Einsatz der mobilen Toilette
„Der große Vorteil der neuen Toilette für Alle ist, dass er mit einem PKW gezogen werden kann und zudem an den Einsatzorten rund um die Uhr zugänglich sein wird“, verdeutlich Freiburgs Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach die Vorzüge. Der Stadt war es außerdem wichtig, dass die Ausleihe des Wagens so unkompliziert wie möglich vonstatten geht.
Verleih und Verwaltung des Wagens übernimmt die städtische „Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH“ (FWTM). Für 250 Euro fährt sie die mobile Toilette zum Veranstaltungsort, baut auf und stellt das Verbrauchsmaterial zur Verfügung. Auch der Rücktransport und die Reinigung wird von der FWTM übernommen. transportiert zurück und reinigt.
„Feiern ist Teilhabe“, sagt Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung. Der Anhänger soll es etwa Familien ermöglichen, dabeizubleiben, ohne sich sorgen zu müssen, ob die Windel hält. „Mit vollen Windeln kann man nicht teilhaben“, bekräftig Pagel-Steidl. Die Alternativen wäre zu Hause bleiben, hinterm Busch wickeln oder auf dem nackten Fußboden. „Das ist nicht menschenwürdig“, sagt Pagel-Steidl. Deshalb sei sie umso glücklicher, dass Freiburg es verstanden habe, warum man so etwas brauche. Bundesweit gebe es 95 stationäre „Toiletten für Alle“. Lediglich Reutlingen habe noch eine mobile Anlage, die aber mit einem LKW und einem Kran angeliefert werden müsse. Der Einsatz der Freiburger-Anlage ist da schon deutlich unkomplizierter
Anlage besteht den ersten Testlauf
Lukas Engler, Lehrer der Janusz-Korczak-Schule für geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche, schiebt den Rollstuhl eine leicht ansteigende Rampe hoch. Die beiden testen die neue Anlage. Er gurtet den 16-jährigen Blendi Malliqi an und hebt ihn mit dem Deckenlifter an. Er könnte den Jungen zur Liege hieven, um ihn dort zu wickeln oder auf die Kloschüssel. „Funktioniert, Test bestanden“, ist das Fazit des Lehrers, als er ihn wieder aus dem Wagen herausschiebt.
Der erste Einsatz des neuen Wagens ist der Freiburg-Marathon am ersten Aprilwochenende. Auch für den kommenden Weihnachtsmarkt ist die Anlage fest eingeplant, um in der Innenstadt rund um die Uhr eine barrierefreie Toilette zur Verfügung zu stellen. Diese ist dann mit dem Euroschlüssel rund um die Uhr zugänglich.