Der Campingplatz Horb. CDU-Spitzenkandidat Klaus Mack sitzt vor dem Wohnmobil. Ehefrau Michaela trocknet sich gerade die Haare, das Töchterchen ist nebenan auf dem Spielplatz. Die Sonne scheint, der offizielle Wahlkampfstart der CDU war am Vormittag. Wie entspannt kann ein Direktkandidat sein?
Horb - Sollen wir über Politik reden? Die Chancen von Mack, die Mitbewerber? Oder über Camping – ein Virus, das immer mehr Deutsche befällt?
Campingplatzbesitzer Reinhold Kuch bringt drei Bier an diesem Samstagabend. Okay, reden wir über Camping.
Ehefrau hatte Wohnmobil-Idee
Mack wirkt in seinem hellblauen Hemd entspannt vor seinem "Challenger"-Wohnmobil. Sagt: "Als Bürgermeister von Bad Wildbad ist natürlich auch Tourismus mein Thema. Als meine Frau die Idee hatte, ein Wohnmobil zu mieten, habe ich gesagt: Okay. Dann lerne ich auch mal die Campingplätze kennen."
Ehefrau Michaela (arbeitet bei der Touristik Freudenstadt): "Das war schon immer mein Traum – mit dem Wohnmobil nach Norwegen zu fahren. Da hab ich mir gedacht – wir probieren das mal in Klein aus."
Klaus Mack: "Das ging schon gut los: Als wir im März ein Wohnmobil mieten wollten, war der Markt fast leer gefegt. Nur ein Anbieter in Karlsruhe hatte noch drei. Das habe ich kurz mit meiner Frau besprochen – und als ich es dann gebucht hatte, war nur noch eins da."
Campingplatzbesitzer Reinhold Kuch: "Wohnmobile sind der Mega-Trend. Und was Familie Mack macht, nämlich Wohnmobil-Urlaub in der Region, ist bei uns auf dem Platz dieses Jahr voll der Trend."
Was meint Kuch damit? Der Campingplatzbesitzer: "Früher hatten wir jede Menge Wohnmobilgäste aus dem Ausland. Inzwischen kommen die meisten aus der Region – aus Böblingen, Sindelfingen, Tübingen und verbleiben länger als früher – so um die fünf Tage. Da hat Corona offenbar etwas verändert."
Familie Mack und der erste Wohnmobil-Urlaub in der Region. Sechs Nächte – und immer woanders. Erst Bad Rippoldsau, dann Horb, dann weiter. Ehefrau Michaela: "Wir wollten die letzte Nacht in der Natur übernachten. Dürfen wir das überhaupt oder müssen wir nach Hause, ausräumen und dann nach Karlsruhe?"
Campingprofi Kuch (hat in diesem Jahr zum ersten Mal selbst WoMo-Urlaub im Marco Polo (VW Bulli von Mercedes) gemacht: "Kein Problem. Sie dürfen auf jedem Parkplatz – falls nicht für Camper verboten – zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit übernachten."
Okay. Jetzt erst mal die wichtigsten und heikelsten WoMo-Fragen: Gemeinschaftsdusche und Klo oder die Nasszelle im Challenger? Wie war die erste Nacht? Mack lacht: "Ich bin da ein Adiletten-Typ. Jeder duzt Dich auf dem Campingplatz, es ist einfach familiär. Das Klo im Wohnmobil haben wir nur einmal benutzt, als die Kleine nachts noch mal musste." Von der Rutsche neben dem Wohnmobil ist das Töchterchen zu hören: "Papa, ich bin nicht die Kleine!" Ehefrau Michaela lacht: "Da hatte ich gleich Gelegenheit, die Anlage zur Reinigung der Chemietoilette hier zu testen. Perfekt, bequem sauber." Campingplatzbesitzer Kuch: "Wir haben auch ein Privatbad zum mieten." Michaela und Klaus schütteln den Kopf: "Das brauchen wir nicht."
Erste Übernachtung in Bad Rippoldsau
Ganz wichtig. Das Schlafen. Wie war’s? Klaus Mack lacht: "Die erste Nacht haben wir in Bad Rippoldsau Schapbach gemacht. Dort habe ich Kurt Bonath, den Landesvorsitzenden des Verbands der Campingunternehmer getroffen. Um über die Lage der Branche zu reden. Aus diesem Gespräch habe ich unter anderem die Erkenntnis gezogen, dass die Energiekosten für die Campingplatzbesitzer ein Kostentreiber sind."
Kuch: "Bei mir kostet die Strompauschale für die Camper 3,50 Euro pro Tag. Das ist aber nicht so der Kostentreiber, sondern die Energiekosten für die Anlagen und das Schwimmbad. Das musste ich aber jetzt öffnen, sonst hätte ich ein Problem mit den Gästezahlen gehabt. Dazu kommt: In Deutschland liegt der Durchschnittspreis für das Camping mit Strom bei 27 Euro die Nacht. Im europäischen Ausland liegt der meist höher. Die Frage ist, wie lange wir in Deutschland dieses Preisniveau noch halten können."
Also doch ein bisschen Wirtschaftspolitik. Klaus Mack: "Meine Frau und meine Tochter (aha, Papa ist lernfähig) haben das Schwimmbad hier sehr genossen."
Die Schlaf-Frage ist aber noch ungeklärt. Mack lacht: "Der Campingplatzbesitzer hat es gut gemeint und uns direkt neben den Bach platziert. Morgens zum Frühstück war das herrlich – aber die Nacht haben wir uns schon gefragt: Kann man das Bachrauschen nicht abstellen?"
Spitzenkandidat wird einfach geduzt
Gab's auch WoMo-Pannen? Klaus Mack lacht: "Klar. Katrin Schindele hat mir gestern Abend ein paar frische Eier vom Bauernhof mitgegeben. Als wir die heute Morgen kochen wollten, haben wir gemerkt: Keine Eierbecher dabei. Also hab ich – nachdem ich mit Michael Laschinger in Bildechingen den Haustürwahlkampf gemacht habe, noch im Marktkauf Eierbecher gekauft."
Kuch: "Das ist der Klassiker, wenn man sich ein Wohnmobil mietet. Man muss vorher schon alles genau planen, was man mitnimmt. Meistens wird dann doch was vergessen."
Die letzte Frage: Wahlkampf. Im wahrsten Sinne des Wortes bei den aktuellen Umfrage-Ergebnissen. Kann man sich da auf seiner Wohnmobil-Premiere entspannen? Mack: "Ehrlich gesagt: So richtig nicht. Innerlich bin ich immer unter Strom."
Trotzdem bleibt der Eindruck: Familie Mack fühlt sich wohl. Andere Umgebung, anderes Reisen – und der Spitzenkandidat wird einfach geduzt. Ein Gefühl, das alle Camper teilen.