Auch der ehemalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch steht im Zentrum der Kritik. Foto: dpa/Patrick Seeger

Ein Jahr nach dem Missbrauchsbericht im Erzbistum Freiburg folgt der nächste Schritt auf dem Weg der Aufarbeitung. Eine Kommission hat nun elf Handlungsfelder aufgezeigt, in denen die Kirche aktiv werden soll.

Vor rund einem Jahr hat ein Bericht über Missbrauch und Vertuschung in der Katholischen Kirche im Erzbistum Freiburg bundesweit für Aufruhr gesorgt. In dem Bericht wurde den ehemaligen Erzbischöfen Oskar Saier und Robert Zollitsch die aktive Beteiligung an der Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der Kirche nachgewiesen.

 

Der amtierende Erzbischof Stephan Burger zeigte daraufhin seinen Amtsvorgänger Zollitsch beim Papst in Rom zwar an, doch der Vatikan schweigt bis heute zu dem Thema. Nicht geschwiegen haben hingegen die fünf Experten in der von Burger im Herbst 2021 eingesetzten „GE-Kommission“, deren Aufgabe es war, basierend auf dem Bericht aus dem vergangenen April Handlungsempfehlungen zu erstellen, die aus der Kirche im Bistum einen sicheren Ort machen sollen, in dem sexueller Missbrauch nicht mehr vertuscht und künftig auch effektiver als in der Vergangenheit vermieden werden kann: In einem 38 Seiten langen Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, haben die Mitglieder der Kommission nun elf Handlungsfelder aufgezeigt, in denen die Kirche aktiv werden soll, um gegen Missbrauchstäter und Missbrauch vorzugehen.

Kommission fordert einen „Kulturwandel“

Unter anderem fordert die Kommission unter dem Vorsitz des Freiburger Fundamentaltheologen Magnus Striet einen „Kulturwandel“ in der katholischen Kirche: Jeder müsse Verantwortung übernehmen, damit Missbrauch nicht geschieht oder vertuscht wird. Dazu müsse innerhalb der Leitungsstrukturen der Kirche Kritik von Missständen frei und ohne Furcht vor Druck von oben ermöglicht werden. Die Bearbeitung von Missbrauchsfällen müsse von unabhängigen, außerkirchlichen Stellen begleitet werden. Die Frage, warum es „eine Kultur des Schweigens“ in der Kirche zum Thema Missbrauch geben könne, müsse beantwortet werden.

Angehende Priester sollten nicht mehr isoliert im Priesterseminar leben müssen, um sich auf ihr Amt vorzubereiten. Priesterkandidaten sollten zudem älter sein als bisher, wenn sie sich für eine zölibatäre Lebensweise entscheiden. Homosexualität müsse in der Diözese enttabuisiert werden. Durch „abklärende Gespräche“ auch mit externen Experten solle Priesterkandidaten die Gelegenheit gegeben werden, ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse zu reflektieren.