Mijo Tunjic gelang auch im Heimspiel gegen den SSV Reutlingen nicht sein erster Saisontreffer. Foto: Baumann

Die Mannschaft und er selbst kommen bisher nicht richtig in Fahrt, doch Mijo Tunjic ist guter Dinge, dass in seinem 150. Punktspiel für die Stuttgarter Kickers der Knoten platzt. Im Interview sagt er, warum.

Stuttgart - Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers tritt an diesem Samstag (14 Uhr) bei Spitzenreiter TSG Backnang an. Kapitän Mijo Tunjic (33) spricht über die aktuelle Lage.

 

Herr Tunjic, Sie wissen, dass Sie vor einem kleinen Jubiläum stehen?

Ja, es hat sich zu mir herumgesprochen, dass ich vor meinem 150. Punktspiel für die erste Mannschaft der Blauen stehe.

Wissen Sie auch wie viele Tore Sie dabei erzielt haben?

Nein.

86 sagt die Statistik.

Okay, das ist keine schlechte Quote. Jetzt wird es nur Zeit, dass so schnell wie möglich weitere dazukommen.

Derzeit haben Sie Ladehemmung.

Ja, und es ärgert mich selbst natürlich am meisten, dass ich in den bisherigen drei Saisonspielen noch nicht getroffen habe und wir auch dadurch erst vier Punkte auf dem Konto haben.

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Woran liegt’s?

Ich persönliche spüre noch die Nachwirkungen meiner langen Verletzungspause. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber ich fühle mich von Mal zu Mal fitter. Wenn jetzt noch ein Erfolgserlebnis hinzukommt, gibt das noch letzten Pusch.

Warum spielt die Mannschaft nicht immer so dominant wie zwischen der 45. und 70. Minute gegen den SSV Reutlingen?

Das haben wir uns bei der Videoanalyse auch gefragt. Aber auf diese zweite Halbzeit können wir aufbauen. Da waren wir aktiv, haben mit viel Tempo viele Chancen herausgespielt, nur eben das Tor nicht gemacht. Es ist zwar ein schwacher Trost: Aber anderen vermeintlichen Favoriten geht das genauso.

Sie spielen auf den SGV Freiberg an?

Ja, sie tun sich noch schwerer, als wir und haben erst zwei Punkte auf dem Konto.

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Die Kickers haben aber auch erst ein Tor in drei Spielen erzielt. Ist die Mannschaft vorne schwächer geworden?

Nein, wir sind von den Namen her eigentlich stärker.

Aber mit Cristian Giles verließ der zweitbeste Torjäger nach Ihnen den Verein.

Dafür haben wir aber mit Kevin Dicklhuber einen Mann mit eingebauter Toregarantie bekommen, der in den vergangenen vier, fünf Jahren immer um die 20 Treffer pro Saison erzielt hat. Mit ihm sind wir deutlich stärker.

Wie sind Sie mit Ihrem Sturmpartner Mohamed Baroudi zufrieden?

Mo macht seine Sache sehr gut. Er läuft sehr viel, arbeitet gut nach hinten, das ist auch für mich wichtig, da ich noch nicht die ganz weiten Wege gehen kann. Jetzt braucht er als junger Spieler noch mehr Übersicht, damit er sich beim Torabschluss noch belohnt.

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Wie sehr sind Sie derzeit als Kapitän gefordert?

Wenn man selbst nicht bei 100 Prozent ist und mit seiner Leistung nicht zufrieden ist, dann ist es nicht so einfach, vorne weg zu gehen und den Mund aufzumachen. Aber ich merke in der täglichen Arbeit, dass ich aufgrund meiner Konstanz in den vergangenen Jahren ein gutes Standing in der Mannschaft habe.

Welches System ist für die Mannschaft besser: Dreier- oder Viererkette mit einer Raute im Mittelfeld?

Gegen Reutlingen hat es mit der Viererkette nach der Pause deutlich besser funktioniert. Da war die Aufteilung nach vorne besser, es kamen mehr Durchbrüche über die Außenbahnen und Flanken. Aber grundsätzlich ist nicht das System entscheidend, sondern wie die Spieler auf dem Platz die Vorgaben umsetzen.

Auffallend war bisher auch, dass es oft spielerisch haperte und viel mit Langholz agiert wurde, was eigentlich gar nicht der Philosophie des Trainers entspricht.

Das war eigentlich in erster Linie nur in Freiberg so – und da war das eine bewusste Entscheidung. Freiberg ist ein Team, das vorne sofort alles zustellt und nur wartet, dass wir im Zentrum den Ball verlieren. Da wollten wir kein Risiko eingehen. Im weiteren Saisonverlauf müssen wir einen gesunden Mix finden aus einer gepflegter Spieleröffnung und eben auch mal langen Bällen nach vorne.

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Wie geht Chefcoach Ramon Gehrmann und sein Trainerteam mit der aktuellen Situation um?

Wie immer sehr sachlich. Es wird der konstruktive Ansatz gewählt und erklärt, was es besser zu machen gilt.

Und für die rauen Töne...

... wird schon auch gesorgt, keine Angst. Wichtig ist einfach, dass wir uns ehrlich unsere Fehler aufgezeigt werden und wir uns verbessern.

Jetzt geht es Samstag zum Spitzenreiter TSG Backnang. Da heißt es verlieren verboten!

Für die Kickers ist in dieser Liga siegen immer Pflicht. Und wenn wir gewinnen, ist alles super, verlieren wir, ist alles schlecht. Bei den Kickers ist diese emotionale Achterbahn besonders extrem. Doch wir wissen, dass uns in Backnang auf einem kleinen Platz ein schwieriges Spiel erwartet, aber vielleicht brauchen wir mit dieser Mannschaft genau solche Rahmenbedingungen wie schon in Freiberg. Im Vorjahr lagen wir in Backnang zweimal hinten, führten dann 3:2 und bekommen noch den 3:3-Ausgleich. Das wollen wir diesmal besser machen.

Ihr Tipp in Ihrem Jubiläumsspiel?

Wir gewinnen 2:0.