Die neue Heimat von Julian Schieber ist das Etzwiesenstadion in Backnang. Bei der TSG arbeitet der 32-Jährige als Co-Trainer des Oberligateams. Foto: imago/Herbert Rudel

Der Ex-Bundesligaprofi Julian Schieber geht in seiner Rolle bei Oberliga-Spitzenreiter TSG Backnang auf und freut sich auf das Duell mit den Stuttgarter Kickers. Warum entschied er sich für diesen Schritt?

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Backnang - Julian Schieber muss das Gespräch kurz unterbrechen. Ein Jugendteam muss noch vom Trainingsplatz der Oberligamannschaft beordert werden, dann gilt es noch eine Frage zum Aufbau der Absperrungen für den Schlager gegen die Stuttgarter Kickers an diesem Samstag (14 Uhr) zu klären. „So ist das im Amateurbereich, aber ich wusste ja, auf was ich mich einlasse“, sagt der 32-Jährige mit einem Lächeln. Zwölf Jahre lang stürmte er in der Bundesliga. Für den 1. FC Nürnberg, den VfB Stuttgart, Dortmund, Hertha BSC, zuletzt für den FC Augsburg.

Heimatverbunden und bodenständig

Nach vielen Verletzungen fasste er im vergangenen Frühjahr den Entschluss, seine Profikarriere zu beenden. Es war eine Entscheidung für die Gesundheit. Dass er das Angebot als Co-Trainer der TSG Backnang annahm, war eine Entscheidung für die Familie, für seine Frau, die drei Kinder und für die Heimat. Wenn einer als Tattoo die Kirche seines Heimatortes Unterweissach trägt, ein Café in Backnang sein Eigentum nennt, dann zeigt das schon die Verbundenheit zur Region. „Julian ist ein Backnanger Junge, er hat bei uns in der Jugend gespielt, und er hat seine Bodenständigkeit nie verloren“, sagt Marc Erdmann, der Sportvorstand der TSG.

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Er hatte die Idee, dem neuen Spielertrainer Mario Marinic (36) einen profierfahrenen Assistenten zur Seite zu stellen. Schieber konnte sich dafür begeistern: „Ein starker Co-Trainer zu sein, ist ein guter Einstieg für mich, um im Geschäft zu bleiben und um ab Frühjahr 2022 die DFB-Elite-Jugendlizenz zu erwerben.“ Von all seinen Trainern habe er etwas mitgenommen. Am meisten von Dieter Hecking, Bruno Labbadia, Pal Dardai – und vor allem Jürgen Klopp. „Er ist ein Phänomen, weil er so viele unterschiedliche Facetten in sich vereint“, sagt Schieber.

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Mit Klopp verbindet der 167-fache Bundesligaspieler (27 Tore) auch zwei seiner Höhepunkte als Spieler: Seinen Toredoppelpack 2012 zum legendären 4:4 des VfB erzielte er gegen Klopp. Prompt holte der Schieber zum BVB, und ein Jahr später bereitete der Angreifer in der Nachspielzeit das entscheidende 3:2 im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gegen den FC Malaga vor. „Unvergessen sind solche Momente“, schwärmt Schieber und nennt sein 2:1-Jokersiegtor 2016 für Hertha gegen den SC Freiburg nach 13-monatiger Verletzungspause als drittes Erlebnis, das sich in seinem Gedächtnis eingebrannt hat. Weshalb er sich ganz und gar nicht als „der Unvollendete“ sieht, als der er manchmal bezeichnet wird.

Gegenpol zu Chefcoach Marinic

Schieber ist ohnehin ein Mensch, der lieber nach vorne blickt. Auf seine Arbeit bei der TSG. Am Anfang sei das Team noch etwas zurückhaltend gewesen. Kommt da etwa ein abgehobener Profi, der denkt, er weiß alles besser? Die Bedenken waren schnell weggewischt: „Ich bin ein Typ, der sich in jedes Rudel problemlos einfügt“, sagt Schieber selbst. „Julian ist kein Lautsprecher, er ergänzt sich optimal mit unserem eher temperamentvollen Chefcoach, und die Spieler schauen zu ihm auf“, weiß Sportvorstand Erdmann. Die Anziehungskraft des großen Namens ist besonders bei den Auswärtsspielen zu spüren. Die lokalen Zeitungen, die Stadionhefte sind voll mit Schieber-Berichten, zuletzt beim 3:1 beim SV Oberachern kam der Ex-Profi mit mehreren Fans der Gastgeber nett ins Gespräch. „Am Ende musste ich eine Runde ausgeben“, verrät der frühere Stürmer.

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Ob es ihn denn nicht doch mal juckt, selbst auf Torejagd zu gehen? „Den Oberligaspieler Schieber wird es nicht geben“, schließt er ein Comeback aus. Wenn er im Training mitmache, merke er, dass die Muskulatur fehlt: „Man ist nicht mehr so dynamisch, wie man es gewohnt war. Aber klar, wenn ich einen Rasen sehe, dann kribbelt es.“ Ganz besonders am Samstag, wenn er mit dem Überraschungsspitzenreiter (drei Spiele, neun Punkte) die Kickers (vier Punkte) empfängt: „In der Jugend und in der dritten Liga hatte ich viele Schlachten gegen die Blauen geschlagen.“ Auch diesmal erwartet er einen heißen Tanz vor 2000 Fans. Sein Tipp: „Wir haben eine breite Brust und siegen 2:1.“ Kommt es dazu, wäre sein Traumstart ins Trainerleben endgültig perfekt.

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