Das Kleinspielfeld hinter der Heuberghalle ist inzwischen sanierungsbedürftig. Auch das wird am Freitag Thema sein im Gemeinderat.Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

Sportstättenentwicklungskonzept: Seit Jahrzehnten dauert die Diskussion um eine große Lösung an

Wenn der Gemeinderat Meßstetten am Freitagabend einen Grundsatzbeschluss zum Sportstättenentwicklungskonzept fasst, ein Konzept und den Sanierungsumfang festlegt, dann endet eine unendliche – und spannende – Geschichte.

Meßstetten. Bürgermeister Frank Schroft war noch nicht einmal ein Gedanke im Kopf seiner Eltern, als die Meßstetter begonnen haben, über Sportstättenentwicklung in ihrer Stadt zu diskutieren – ein Thema, das den 35-jährigen Bürgermeister seit seinem Amtsantritt im Dezember 2015 begleitet.

Am Freitag steht der Punkt "Sportstättenentwicklung für die Gesamtstadt Meßstetten – Grundsatzbeschluss und Festlegung der Konzeption und des Sanierungsumfangs" auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung ganz oben. Laut Sitzungsvorlage geht es um die große Lösung mit Kunstrasenplatz, Leichtathletikanlagen und Werferfeld auf dem Geißbühl, dem ehemaligen Bundeswehrgelände.

Sportstätten sind seit Jahrzehnten ein Dauerthema in der Heubergmetropole. Thema Hallenbäder: Am 13. Mai 1969 titelte die Stuttgarter Zeitung: "›Nasser Krieg‹ auf dem Heuberg". Im Bericht geht es um Meßstetten und Stetten am kalten Markt mit ihrer "beträchtlichen Anzahl von Soldaten", die sich "nach sportlicher Betätigung in kühlen Fluten sehnen, da sie ohnehin die Widrigkeiten eines Einödstandorts in Kauf nehmen müssen". Der Autor des Berichts scheint sich zuvor kein Bild von Meßstetten gemacht zu haben.

Die Meßstetter jedenfalls wollten – anders als die Stettener – kein bundeswehreigenes Hallenbad, sei die Stadt doch "Schulzentrum im Entwicklungsstadium" und damit interessiert an einer Schwimmhalle, die auch für das Schulschwimmen genutzt werden könne. Erwin Gomeringer, Meßstetter Bürgermeister und Landtagsabgeordneter, hatte sich für ein Teilen der Bundesfinanzhilfe eingesetzt – Stetten war nicht einverstanden. Meßstetten hat letztlich kein Hallenbad bekommen und betreibt heute nur das Lehrschwimmbecken in der Schule.

Um ein "Sport- und Freizeitzentrum" geht es in einem Zeitungsinterview mit Gomeringer, der seinen Antrag auf Baustart 1978 im Gemeinderat nicht durchgebracht hatte und deshalb Einspruch gegen den Beschluss des Gemeinderats erheben wollte. Ihm war eine Kombination aus Hallenbad, Sporthalle und Freizeiteinrichtungen wichtig nachdem in Sachen Abwasser, Schulen, Kindergärten und Straßenbau "alle Probleme gelöst" und binnen "drei, vier Jahren in den Ortsteilen 22 Millionen Mark investiert" worden seien – Gomeringer sah Nachholbedarf für Meßstetten.

Ging es damals noch um ein Sportgelände "Am Rauhen Bühl" und beschloss der Gemeinderat mit hauchdünner Mehrheit 1977, neben dem Progymnasium – heute Gymnasium – eine Sporthalle zu bauen und die Sportplatzfrage zurückzustellen, ging es ein Jahrzehnt später, 1989 um die Planung eines Sport- und Freitzeitgeländes "Wildenstein/Lautlinger Weg" – das Ganze sollte der "erste Teilabschnitt der Gesamtsportstättenplanung" sein, wie aus einem Gemeinderatsprotokoll vom 7. Juli 1989 hervorgeht. Bürgermeister war Willi Fischer.

Aus dem großen Planist letztlichdoch nichts geworden

An einem Planungswettbewerb hatten sich fünf Architekten beteiligt, ein Architekt Becsei ihn gewonnen und ein Modell erarbeitet. Becsei plante großzügig: Eine Kampfbahn, ein Übungsfeld, eine Festwiese und ein Parkplatz waren vorgesehen, allerdings war eine ökologische und gestalterische Verträglichkeitsuntersuchung dafür notwendig. Ob sie es letztlich war, die dazu geführt hatte, dass diese große Lösung nie umgesetzt wurde, geht aus den Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, nicht hervor.

Fest steht hingegen, dass die Nähe zur Schule und zur Wohnbebauungs schon damals Punkte waren, die in die Entscheidung hineinspielten.

Nahe beim Schulzentrum – Gymnasium und Realschule Meßstetten sowie die Heuberghalle als große Sporthalle mit benachbartem Kleinspielfeld liegen nebeneinander – liegt das Areal, das die Stadtverwaltung nun ins Visier nimmt, freilich nicht.

Der Geißbühl bietet dafür Platz für ein Feld für Leichtathleten, das bisher in dieser Größe fehlt, und einen Kunstrasenplatz sowie eine Laufbahn und Sprunganlagen.

Am Freitag wird der Gemeinderat die Vorschläge der Stadtverwaltung diskutieren – und möglicherweise eine unendliche Geschichte beenden, die begonnen hat, lange bevor der jetzige Bürgermeister überhaupt geboren war.

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