Ein Messie löst in einer betreuten Wohnanlage in VS große Sorge aus, der Betreiber sieht keine Handhabe. Nun äußert sich ein Verantwortlicher des Wohnungseigentümers zur Situation.
Die Aufnahmen, die unserer Redaktion zugespielt werden, erschrecken: In der Wohnung stapelt sich der Müll, die Arbeitsflächen in der Küche sind aufgrund von Unrat genau so wenig nutzbar wie der Herd – und die Schubladen lassen sich nicht mehr schließen.
Völlig verdreckt geht es im Bad zu: Die weißen Fließen sind aufgrund des Drecks als solche fast nicht mehr zu erkennen – es scheint keinen sauberen Fleck zu geben. Neben der versifften Toilettenschüssel steht ein Kochtopf.
Die Bilder zeigen, so erklärt Peter Pavlásek als laut eigenen Angaben bevollmächtigter Vertreter der neuen Eigentümer, die Wohnung des Messies, der in einer betreuten Seniorenwohnanlage in Villingen-Schwenningen lebt. Nach der Berichterstattung unserer Redaktion hatte sich Pavlásek gemeldet, um einen Einblick in die verfahrene Situation zu geben.
Rechtlicher Betreuer beantragt
Klar ist: Die Situation in der Wohnanlage ist verfahren. Denn die Betreuer des Roten Kreuzes – so hatte es Sarah Schwarz als Bereichsleiterin der Sozialen Dienste des Kreisverbands VS erklärt – können den Bewohnern ihre Unterstützung lediglich anbieten.
Für ihre Lebens- und Wohnsituation seien sie selbst oder auch die Eigentümer verantwortlich. Ein rechtlicher Betreuer sei bereits beantragt worden, ansonsten sieht das DRK alle Möglichkeiten ausgeschöpft.
Situation hat sich drastisch verändert
Pavlásek skizziert den Fall des psychisch auffälligen Mannes, macht deutlich, welch menschliche Tragödie dahinter steckt. Der Immobilien-Makler habe dem betroffenen Mann die Wohnung im April 2016 vermietet, „zu diesem Zeitpunkt war er durchaus in der Lage, sich selbst zu versorgen und somit war die Wahl dieser Wohnform für ihn damals genau richtig“.
Diese Situation habe sich drastisch verändert. Persönliche und gesundheitliche Probleme würden dazu führen, dass sich Mitbewohner teilweise bedroht fühlen. Es gebe einen Wasserschaden, der Auswirkungen auf die darunterliegende Wohnung habe, es sei zu einem Brandeinsatz der Feuerwehr gekommen und die vier Wände seien von Ungeziefer befallen, die auch vor den Nachbarn keinen Halt machen würden.
Immobilienmakler kritisiert die Behörden
Pavlásek stellt klar: Eine neue Wohnform für den psychisch kranken Mann sei notwendig. Und hier setzt die Behörden-Kritik des Immobilienmaklers an. Seit über zwei Jahren würde man versuchen, über das Ordnungs- und Versorgungsamt Abhilfe zu schaffen, um die Situation für den Bewohner zu verbessern. Da diese aber keine Gefahr für die Allgemeinheit sehen, seien ihnen die Hände gebunden.
Pavlásek betont, dass sich auch die bisherigen Eigentümer aufgrund der schwierigen Situation für den Menschen beide Augen zugedrückt hätten – über ein Jahr sei von ihm keine Miete mehr eingezogen worden. Allerdings deutet sich in der Angelegenheit nun ein Schlussstrich an – denn die Wohnung sei verkauft worden.
Fristlose Kündigung und Räumungsklage
Wie der bevollmächtigte Vertreter des neuen Eigentümers erklärt, mahne dieser nun die Miete ab. Zudem habe er die fristlose Kündigung ausgesprochen und strebt eine Räumungsklage ein. Wie es dann für den Bewohner weiter geht, scheint unklar. Pavlásek: „Leider machen die Behörden nicht mit, um dem Menschen zu helfen.“