Für fleischfreie Alternativen müssen Verbraucher oft tiefer in die Tasche greifen als für Nackensteak und Co. Der Discounter Lidl will das nun ändern – und trifft dabei einen Nerv, wie unser Autor Jonas Schöll kommentiert.
Wer sich fleischfrei ernähren möchte, stößt in Supermärkten auf volle Kühlregale – doch auch auf Kunden, die kopfschüttelnd davor stehen. Der Grund: Im Vergleich zum Fleisch sind die Ersatzprodukte häufig teils deutlich teurer als Nackensteaks und Co. aus dem Schlachthof. Der Discounter Lidl will das nun ändern und passt die Preise der veganen Alternativen an die Originalprodukte an. Ein mutiger Schritt, denn dies stellt einen beispiellosen Eingriff in die Preisfindung dar, noch dazu im umkämpften Discount. Lidl trifft einen Nerv, und das nicht mehr nur bei Veganern und Vegetariern, sondern bei immer mehr Menschen, die auf bewusste Ernährung setzen.
Wo sich die Katze in den Schwanz beißt
Das preisliche Ungleichgewicht ist eine Ohrfeige für jeden, der dadurch einen Beitrag zu mehr Tierwohl und Klimaschutz leisten will. Damit Fleisch so günstig sein kann, muss massenhaft Vieh gehalten und müssen Futtermittel wie Soja etwa aus Südamerika importiert werden. Das heizt das Klima an und zerstört wertvolle Lebensräume.
Hohe Stückzahlen wirken sich auf die Kosten und damit auf den Preis aus, das liegt auf der Hand. Klar, es gehen weiterhin mehr klassische Salamipizzen als vegane über die Ladenkasse – doch hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn je günstiger die Ersatzprodukte, desto größer sind auch die Verkaufsmengen – was wiederum den Preis senkt. Und genau auf dieses Kalkül setzt Lidl.
Politik sollte Steuern für Veganes senken
Gesundheit, Tierwohl, Klima- und Umweltschutz: Es gibt etliche gute Gründe für die Politik, vegane Produkte für Kunden zu einer echten Alternative zu machen und an der Steuerschraube zu drehen. Es wird höchste Zeit, den Mehrwertsteuersatz für vegane Lebensmittel von derzeit 19 auf sieben Prozent zu senken – so wie es bei Fleisch und Wurst schon der Fall ist.