Nicole Hoffmeister-Kraut hat den CDU-Vorsprung in ihrem Wahlkreis sogar ausgebaut. Foto: Maier

Privat ist Hoffmeister-Kraut eine passionierte Reiterin. Seit Sonntag, als sie bei der Landtagswahl im Wahlkreis Balingen den Sieg mit Vorsprung holte, sitzt sie auch politisch fester im Sattel. Ob’s erneut für eine führende Rolle in Stuttgart reicht?

Balingen - Mit 32,6 Prozent der Wählerstimmen verteidigte die CDU-Frau das Direktmandat im Wahlkreis Balingen, zu dem fast alle Städte und Gemeinden im Zollernalbkreis zählen. Entgegen dem Landestrend legte Nicole Hoffmeister-Kraut prozentual zu – während ihr schärfster Herausforderer, Erwin Feucht von den Grünen im Vergleich zum Urnengang vor fünf Jahren Stimmen verlor.

 

Bei der Landtagswahl 2016 lagen die politischen Kontrahenten nur etwas mehr als 300 Stimmen auseinander. Die Mehrheit für Hoffmeister-Kraut war hauchdünn. Das spiegelte sich damals auch in den Ergebnissen der Städte und Gemeinden wider: Feucht holte damals Siege nicht nur in den beiden größten Kommunen des Landkreises – Albstadt und Balingen –, sondern auch in Bisingen, Bitz, Dotternhausen und Grosselfingen. Der Vergleich zu den aktuellen Ergebnissen zeigt: Einzig Bisingen konnte Feucht verteidigen. In allen anderen Städten und Gemeinden lag die Wirtschaftsministerin vorn. Das ist ein klares Signal, dieses Ergebnis bedeutet einen enormen Rückhalt. Doch auch mit Blick auf die landesweiten Daten zeigt sich, wie fest Hoffmeister-Kraut nun politisch im Sattel sitzt.

Von den insgesamt 70 Wahlkreisen hatten jetzt die Grünen in 58 die Nase vorn. Die Christdemokraten holten nur zwölf Direktmandate. Nur wiederum drei davon sicherten sich Frauen: Neben Hoffmeister-Kraut und Nicole Razavi (Wahlkreis Geislingen/Steige) ist auch CDU-Vertreterin Katrin Schindele (Freudenstadt) im neuen Landtag vertreten.

Die Balingen dürfte wieder Chancen auf ein höheres Amt haben

Die Balingerin hat indes wiederholt, was sie bereits bei der Wahl 2016 geschafft hatte: Trotz des seinerzeit engen Ergebnisses errang sie unter den ebenfalls drei direkt gewählten CDU-Frauen mit 29,4 Prozent das beste Ergebnis vor Razavi (28,2) und Friedlinde Gurr-Hirsch (26,6, Eppingen).

Dieses Ergebnis ebnete der Balingerin den Weg ins Amt der Wirtschaftsministerin. Weitere Faktoren waren die persönliche Qualifikation sowie die Begeisterung des damaligen wie heutigen CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl. Dieser klang damals fast schon ein wenig, als wäre er in die Balingerin verschossen. Bei einer Wahlveranstaltung 2016 in Frommern hatte Strobl Hoffmeister-Kraut als "Rakete vor dem Start" bezeichnet, davon gesprochen, dass mehr Persönlichkeiten wie sie im Landesparlament vertreten sein sollten.

Sollte es zum neuerlichen Regierungsbündnis zwischen Grünen und CDU kommen, dann dürfte auch die Balingerin erneut Chancen auf ein höheres Amt haben. Wie hoch diese sind, lässt sich indes nur schwer abschätzen. Neben der Geschlechterfrage spielt dabei auch der Regionalproporz eine Rolle. Im Bezirksverband Württemberg-Hohenzollern, der elf Wahlkreise umfasst und dem im übrigen der hiesige CDU-Landtagsabgeordnete und Wirtschaftsstaatssekretär und Balinger Thomas Bareiß vorsitzt, haben bei der Wahl am Sonntag nur drei CDU-Vertreter Direktmandate geholt: Neben Hoffmeister-Kraut zwei Männer, Manuel Hagel (Ehingen) und Thomas Dörflinger (Biberach). 2016 hatten die Christdemokraten im Bezirk noch fünf Direktmandate geholt. Wie damals ist Hoffmeister-Kraut auch heute die einzige Frau im Bezirk, die die Wähler direkt überzeugen konnte. Mehr noch: Sie ist eine von fünf CDU-lern, die in ihrem Wahlkreis sogar noch mal zugelegt haben im Vergleich zur Wahl 2016.

Für ihre Chancen auf eine erneut verantwortungsvolle Position, sollte die CDU wieder an der Regierung beteiligt sein, spricht indes nicht nur der Umstand, dass sie eine Frau ist und direkt gewählt wurde. Als Tochter der Unternehmerfamilie Kraut (Bizerba) ist die 48-Jährige von Haus aus und zudem als promovierte Kauffrau wirtschaftsaffin. Mehrere Jahre hatte sie, bevor sie in die Heimat zurückkehrte, in London als Analystin für ein international tätiges Beratungsunternehmen gearbeitet.

Mitglied der CDU ist sie erst seit 2009. In dieser Zeit hatte die Ministerin auf kommunaler Ebene aber schon eindrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Bei den Kommunalwahlen in Balingen 2014 war sie Stimmenkönigin. Dieser vermeintlich fehlende "Stallgeruch" war indes 2016 kein Hindernis dafür, dass sie die Spitze des Wirtschaftsministeriums erklomm.

Der Expo-Stand für Dubai hat für ordentlich Kritik gesorgt

Heute spielt das keine Rolle mehr: Mittlerweile hat sich die Balingerin auf dem politischen Parkett eingetanzt. Vor fünf Jahren war es eine Überraschung, dass sie zur Ministerin avancierte. Heute wäre man verblüfft, wenn – sollte es zum erneuten Schwur zwischen Grünen und CDU kommen – sie es nicht mehr würde. Wo viel Licht ist, findet sich allerdings auch Schatten. So stand das Kabinettsmitglied nach dem Missmanagement bezüglich des Expo-Standes in Dubai schwer in der Kritik – musste sich sogar dem Untersuchungsausschuss stellen.

Hoffmeister-Kraut wollte solcherlei Personal- und Ministerinnen-Spekulationen in den vergangenen Tagen nicht kommentieren. Erst einmal stehe der Wahltag an, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung, dann sehe man weiter. Keinen Zweifel indes ließ sie immer daran, dass sie neben ihrer Tätigkeit als Abgeordnete viel Freude an ihren Aufgaben im Ministerium hat.