Der Kurpark bietet schöne Sichtachsen und ein abwechslungsreiches Gelände. Foto: Bernd Mutschler

Der Kurpark in Bad Wildbad ist eine der schönsten Park- und Gartenanlagen. Das liegt auch an der aufwendigen Pflege durch die Kurgärtnerei.

Der Königliche Kurpark in Bad Wildbad gehört zu den schönsten Park- und Gartenanlagen im Kreis Calw – und darüber hinaus.

 

Dabei fing alles klein an: 1699 wurde der Park nur für Adlige von Herzog Eberhard Ludwig gegründet. „Es fing klein an mit einer Hainbuchenallee“, erklärt Jochen Heuser, der Leiter der Kurgärtnerei. Er ist gemeinsam mit acht Mitarbeitern für die Pflege der großen Anlage zuständig und kennt den Park wie seine Westentasche. So erzählt er auch von der umfangreichen Erweiterung in den Jahren zwischen 1744 und 1795. In der Zeit entstand das erste historische Denkmal: Der Obelisk aus dem Jahr 1792 ist die älteste Struktur im Kurpark.

Höhepunkt in den 1980er-Jahren

Tourismus „Im 19. Jahrhundert hat dann der ‚Tourismus‘ angefangen“, so Heuser weiter. Gut betuchte Bürger, Künstler und weitere „Sommerfrischler“ verbrachten oftmals die Sommermonate in der Stadt. So wurde der Kurpark weiter ausgebaut – Wege und Plätze wurden angelegt, auch die Englische Kirche wurde gebaut. Der eigentliche Tourismus mit kurzen Urlauben etablierte sich nach dem Ersten Weltkrieg und erlebte seinen Höhepunkt in den 1980er-Jahren mit einer Million Übernachtungen, so Heuser. In den 1960er-Jahren wurde der Park nochmals verändert, um die Besucher besser lenken zu können.

Bäume Und was erwartet die Besucher des Kurparks heute? Zum einen gibt es insgesamt 1200 Exemplare von 110 verschiedenen Baumarten. „Viele Bäume sind sehr alt“, sagt Heuser. Dazu gehören die Mammutbäume aus der Wilhelma-Saat. Der Legende nach hat König Wilhelm ein Löt oder Lot (alte Maßeineinheit aus dem deutschsprachigen Raum) Samen der 1852 entdeckten Mammutbäume bestellt. Die Amerikaner hatten das mit „a lot“ übersetzt – und also „sehr viele“ geschickt. Statt etwa 15 Gramm kamen also etwa 470 Gramm an – etwa 100 000 Samen. Diese Samen wurden in der Wilhelma gezogen und die Bäume dann in ganz Württemberg verteilt – unter anderem zwei davon im Wildbader Kurpark bei der Englischen Kirche.

Ältester Baum ist 240 Jahre alt

Der älteste Baum ist eine 240 Jahre alte Winterlinde, die abseits beim Schweizer Häusle steht. Aber auch darüber hinaus gibt es viel zu entdecken, sehr alte Buchen zum Beispiel.

Die weitere Bepflanzung ist geprägt durch die 1960er-Jahre. Zum Beispiel kamen die großen Rhododendren, laut Heuser „vier Meter hoch und riesig breit“, aus dieser Zeit. Sehenswert ist auch der Rosengarten, der viele Jahre nur gegen Eintrittsgebühr zugänglich war. Das „Vogelhaus“ ist als Lesehalle 1901 entstanden. Sehenswert ist zudem der Bereich um den Maurischen Pavillon mit Reiterbrücke. Als Lieblingsplatz bezeichnet Heuser das Gebiet um die Englische Kirche und um den römischen Brunnen: „Das vereint alles, was den Kurpark ausmacht – große Bäume, die Enz, historische Gebäude und das Spiel von Licht und Schatten.“

35 Hektar Fläche

Der historische Teil reicht etwa bis zum „Schwanensee“, der Bereich dahinter ist im vergangenen Jahrhundert dazugekauft worden. Das gesamte Gelände steht unter Denkmalschutz. Der Park ist 35 Hektar groß, eine Fläche von etwa 50 Fußballfeldern.

Das Bild aus dem Jahr 2019 zeigt ein Beispiel für die besondere Bepflanzung. Foto: Bernd Mutschler

Wechselbepflanzung Eine große Aufgabe der Kurgärtnerei ist die Wechselflorbepflanzung bei der Ladenzeile, am Trinkhallenplatz und, fürs Staatsbad, bei der Vitaltherme. Diese Bepflanzung planen jedes Jahr Heuser und Dorothee Rath neu, sodass sie einheitlich, aber trotzdem abwechslungsreich ist. So wurden jetzt 5000 Blumenzwiebeln gepflanzt, Tulpen, Hyazinthen oder Narzissen. Bereits im Herbst wurden 6000 Hornveilchen gepflanzt. Die werden übrigens wieder bei der Verschenkaktion im Mai verteilt.

Aus Effizienzgründen hat man die Bepflanzung vor einigen Jahren reduziert, weil das sehr aufwendig ist, erläutert Heuser. Die Frühlingsbepflanzung bleibt bis Mitte Mai, danach folgt die Sommerbepflanzung mit 4500 Pflanzen. Hier gibt es die Besonderheit, dass man ein- und mehrjährige Büsche kombiniert, wie etwa Mandelröschen oder Korallenfuchsien, die dann im Gewächshaus überwintert werden. Zusätzlich gibt es 40 große Kübelpflanzen wir Palmen, Engelstrompeten, Oleander oder Zitronenbäume. Dabei ist eine Vorgabe wichtig: „Zu Rossini muss es schön sein“, sagt Stefanie Eisele, eine der Geschäftsführerinnen der Touristik Bad Wildbad GmbH. Auch wenn diese Prämisse gilt, sorgt die Kurgärtnerei aber mit großem Pflegeaufwand dafür, dass der Park das ganze Jahr über ein lohnendes Ausflugsziel ist.