Schauspieler des Rottweiler Zimmertheaters brillieren bei der Premiere von „Baby du hast den Fallschirm vergessen…“ vor ausverkauftem Haus. Das Stück aus der Feder von Peter Staatsmann begeistert das Publikum.
Die große Liebe, Irrungen und Wirrungen, Klimawandel, Cyberkrieg und Apokalypse, verpackt in eine spannende Story, gewürzt mit der jeweils passenden Prise Humor, Klamauk, Erotik und Dramatik, dargeboten von einer genialen Schauspieltruppe: „Baby, Du hast den Fallschirm vergessen, sagte Gaia als ich durch die Lücke zwischen Sprache und Welt fiel“ – das neue Stück des Zimmertheaters, das am Freitagabend vor ausverkauftem Haus Premiere feierte, lässt keine Wünsche offen und sorgt für einen heiteren und doch zum Nachdenken anregenden Abend.
In seinem Text hat Peter Staatsmann diesmal alle Register gezogen. Das Publikum staunt, welche Themenvielfalt sich in nur einem Theaterstück vereinen lässt, und lernt: Selbst Stoff, aus dem die Katastrophen sind, kann unterhaltsam „verpackt“ werden. Das Publikum durchlebt bei der Aufführung wahre Gefühlswechselbäder. Vom Lachanfall bis zur Gänsehaut ist alles dabei.
Ein Film über den Klimawandel soll gedreht werden, doch plötzlich fehlt die Kamera. Das Filmteam sitzt quasi auf dem Trockenen. Und so weiten sich kleine und größere Beziehungsstreitigkeiten aus. Hauptdarstellerin und Sängerin Joy Theresa Elke Müller, genial verkörpert von Mailin Klinger, verguckt sich sogleich in Danny (Lukas Kientzler), Rechtsanwalt und Ehemann von Miranda, einer Professorin für Sprache. Valentina Sadiku ist die Rolle der Miranda wie auf den Leib geschrieben.
Meisterin der Sprache
Auf der einen Seite ist Miranda als Wissenschaftlerin die Meisterin der Sprache und doch versagt sie in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter tragischerweise gerade durch die Sprache, mit der sie weder bei ihrer Tochter Samantha noch bei Danny durchdringt. Joy ist mit den Plänen der Filmregisseurin Simone (Hannah-Maria Humpert) so gar nicht zufrieden und überlegt, wie sie die Liebesgeschichte, in der ähnlich wie in dem Kultfilm „Casablanca“ die Liebe zu einem anderen Menschen verleugnet wird, noch beeinflussen und am Ende die Apokalypse vielleicht doch noch abwenden kann.
Inmitten dieser Gemengelage hat es die junge Samantha schwer, hervorragend gespielt von Ina-Sarah Rother, Regieassistentin und Tochter von Miranda und Danny, mit ihrer Sprache durchzudringen. Sie scheitert und verzweifelt, da sie sich unverstanden fühlt.
Und immer mehr wird deutlich, dass offenbar die Sprache an sich ermüdet ist, mit der man die Entwicklungen auf der Erde beschreiben und kommunizieren kann. Sprache muss also geändert werden. Doch kann dies gelingen? Finden wir die richtigen Worte für das, was da um uns herum passiert? Und auch für das Zwischenmenschliche?
Die Ohnmacht
Das Stück zeigt immer wieder die Ohnmacht in diesen Bereichen auf. Und auch die Verzweiflung darüber, die drohenden Katastrophen kaum abwenden zu können.
Ganz wunderbar sind übrigens auch die Gesangseinlagen von Mailin Klinger und die Musik von Dorin Grama. Zweieinhalb Stunden Theatererlebnis der Extraklasse.
„Baby“ wird noch bis Ende Juni aufgeführt. Weitere Informationen und Karten gibt es unter www.zimmertheater-rottweil.de