Bei der Flutkatastrophe waren Helfer aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz. Das DRK fordert, dass alle Beteiligten sich künftig besser auf solche Szenarien vorbereiten müssen. Foto: dpa/Boris Roessler

Das Deutsche Rote Kreuz fordert massive Verbesserungen beim Bevölkerungsschutz. Teil davon soll ein neues Notfallzentrum sein. Es könnte nach Kirchheim/Teck kommen.

Stuttgart - Corona-Pandemie, Flutkatastrophe, Lage im Rettungsdienst – die Hauptthemen sind klar, wenn sich an diesem Samstag rund 600 Delegierte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und ihre Gäste treffen. Der Landesverband Baden-Württemberg hat zur Landesversammlung nach Fellbach geladen. Dabei steht ein Punkt im Zentrum, der lange in Vergessenheit geraten war: der Bevölkerungsschutz.

 

„Nach dem Ende des Kalten Krieges hat das Bewusstsein dafür, dass wir auf Krisen vorbereitet sein müssen, abgenommen“, sagt Präsidentin Barbara Bosch. Das vergangene Jahr mit Pandemie und der Katastrophe vor allem im Ahrtal habe deutlich gezeigt, dass die Mahnungen des DRK in dieser Hinsicht berechtigt gewesen seien. Helfer aus dem ganzen Bundesgebiet seien an allen Fronten im Einsatz gewesen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Dinge wieder passieren können. Die Zukunft des Landes hängt davon ab, wie wir alle gemeinsam solche Krisen bewerkstelligen“, so Bosch.

Spendengelder für staatliche Aufgaben

Nach Meinung des DRK ist aber auch Baden-Württemberg bisher nicht genug darauf vorbereitet. „Im Bevölkerungsschutz sind wir seit Jahren unterfinanziert“, kritisiert die Präsidentin. Es könne nicht sein, dass zum Beispiel Fahrzeuge völlig veraltet seien und noch nicht einmal Unterstellmöglichkeiten hätten. „Organisationen wie die unsere können doch nicht ständig Spendengelder für diese eigentlich staatliche Aufgabe verwenden“, so Bosch.

Beim DRK fordert man deshalb dreierlei: die Stärkung der vorhandenen Strukturen, neue Vorkehrungen sowie eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligter. „Wir müssen untereinander diskutieren, was wir aus der Flutkatastrophe lernen können“, sagt der Landesgeschäftsführer Marc Groß. Dazu gehöre auch, die Abläufe in Extremwettersituationen viel stärker zu trainieren: „Wir müssen üben, üben, üben.“

Notfallzentrum in Kirchheim/Teck?

Ein erster Schritt soll ein Pilotprojekt des Bundes sein. Dabei sollen bundesweit zehn regionale Notfallzentren aufgebaut werden. Sie sollen im Katastrophenfall schnell und längerfristig jeweils 5000 Menschen mit Unterkunft und allem anderen Lebenswichtigen versorgen können. Beim DRK will man sich dafür stark machen, dass ein solches Zentrum auch nach Baden-Württemberg kommt – möglicherweise durch einen Ausbau des bereits vorhandenen Logistikzentrums in Kirchheim/Teck. Außerdem erforscht das DRK an Standorten in Stuttgart, Nürtingen und Ulm, wie man Rettungswachen, Pflegeheime und Kitas besser auf Krisen wie Hitze, Überflutung oder Stromausfall vorbereiten kann.

Allein komme man aber nicht weit, betont Barbara Bosch: „Wir erwarten, dass auch die Politik die Konsequenzen zieht.“