Stammheim, Holzbronn sowie Altburg bekommen – statt festen – mobile Sirenen. (Symbolbild) Foto: © PATARA - stock.adobe.com

Sechs neue, fest installierte Sirenen gibt es in Calw. Drei Feuerwehrabteilungen waren bei der Vergabe leer ausgegangen. Die Stadt rüstet mit mobilen Sirenen nach – Stammheim und Holzbronn müssen sich jedoch eine teilen.

Inzwischen verfügt die Stadt Calw über sechs fest installierte Sirenen, mittels der die Bevölkerung in Katastrophenfall gewarnt – oder per Durchsagen schnellstmöglich informiert – werden kann. Diese befinden sich in Ernstmühl, Hirsau Kreisverkehr, ZOB, Calw Feuerwehr, Landratsamt und ganz neu auf dem Hohen Fels. Die Anschaffung war kostspielig: 175 000 Euro im Detail, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe übernahm über Fördermittel 78 100 Euro.

 

Mobile Sirenen zur Ergänzung

Zusätzlich Die Förderung, die inzwischen ausgeschöpft sei, reichte jedoch nicht aus, um auch die Feuerwehrabteilungen Stammheim, Holzbronn sowie Altburg mit Sirenen auszustatten. Darum, so erklärte Oberbürgermeister (OB) Florian Kling bei der jüngsten Bauausschusssitzung, habe die Feuerwehr vorgeschlagen, für diese drei Abteilungen mobile Sirenen anzuschaffen – Kostenpunkt circa 17 000 Euro.

Gremienmitglied Thomas Zizmann (Freie Wähler) erkundigte sich sogleich, welche Fahrzeuge für den Einsatz der Sirenen geeignet seien, etwa „ein MTW (Mannschaftstransportwagen)?“ Tatsächlich könne man die mobilen Alarmanlage mit „jedem Fahrzeug“ nutzen, so Kling. Evelin Menges (SPD) wollte wissen, wie die Geräte bezahlt würden. Diese können aus dem Haushalt finanziert werden, erwiderte Kling.

Aus drei mach eins – mach zwei

Eins, zwei, drei Stadtrat Markus Blaich (Freie Wähler) meldete sich mit einem Gegenvorschlag zu Wort. Reichte nicht eine mobile Sirene für alle drei Ortsteile? Immerhin seien sie nicht so weit voneinander entfernt. Die Stadträtin Siegrid Bantel (Freie Wähler) empfahl zumindest zwei mobile Sirenen einzusetzen. Thomas Zizmann stimmte zu und ergänzte: „Eine für Ost und eine für West.“ Dem stimmte das Gros der Anwesenden, darunter auch der OB, zu. Er freute sich über die Einsparung, immerhin koste die neue Lösung den städtischen Geldbeutel nur knapp 12 000 Euro.

Im Gespräch mit unserer Redaktion, erklärt der Rathauschef, warum zwei Sirenen ausreichend seien – und warum Stammheim, Holzbronn sowie Altburg bei der Platzierung der sechs festen Alarmanlagen keine Priorität hatten. Die Sirenen wurden, so der OB, bewusst im Nagoldtal platziert, da es dort schon häufig zu Hochwassern gekommen ist. In einem solchen Fall seien die höher gelegenen Ortsteile weniger betroffen. Gleichzeitig bekomme man etwa bei Hochwasser eben auch „keine Rettungsmittel auf die andere Talseite“. Daher sei es wichtig, zumindest je eine mobile Sirene östlich und westlich des Tals zur Verfügung zu haben. So erhält Altburg im Westen die eine Sirene. Holzbronn und Stammheim auf der Ostseite sind nur fünf Kilometer voneinander entfernt und arbeiteten ohnehin eng zusammen, so der OB weiter. Daher werden sich die beiden Feuerwehrabteilungen die andere Sirene teilen.

Katastrophenschutz immer im Blick

Vorbereitet Krisenvorbereitung – dieses Thema liegt dem OB schon lange am Herzen. Sein „Sicherheitsdenken“, wie Kling bereits früher gegenüber unserer Redaktion erklärt hatte, sei wohl ein Überbleibsel seiner Bundeswehrlaufbahn. „Die Kommunen müssen vorbereitet sein“, sagt er heute auf Nachfrage. Schon vor der Coronapandemie setzte er sich dafür ein, die Stadt Calw für etwaige Katastrophen zu wappnen. Damals hatte Kling den Plan gefasst, Calw zur „Modellstadt Krisenresilienz und Katastrophenschutz“ zu machen und beantragte dieses Projekt beim Land. Die Pandemie stoppte die Pläne jedoch.

Getreu dem Motto: „Dann kümmern wir uns selbst darum“ hat die Stadt bereits einiges bewegt. Zuletzt konnten die Sirenen angeschafft werden, die übrigens 14 Tage ohne externe Stromversorgung auskommen können. Darüber hinaus wurden die Feuerwehren mit Satelliten-Telefonen ausgestattet. Diese funktionieren auch, wenn das Telefonnetz ausfalle, so Kling. Damit solle verhindert werden, dass die Kommunikation zwischen den Rettungskräften und Polizei ausfalle, wie es beim Hochwasser im Ahrtal geschehen sei. Die Einsatzkräfte hätten dort hauptsächlich über BOS-Funk (Funkanwendungen der Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben) kommunizieren können. Nach wenigen Tagen war der Akku der Funkanlagen aber leer. Um die Kommunikation in Krisenzeiten zu gewährleisten, wird die Feuerwehr aktuell außerdem ans Glasfaser-Netz angebunden.

Stadt kann „von überall“ agieren

Digital Darüber hinaus habe die „papierlose Verwaltung“ in Calw einen großen Vorteil. Die Stadtverwaltung könne so „von überall“ agieren. Für die Zukunft sind weitere Vorhaben geplant. So soll etwa auch das Internet im Notfall für die Feuerwehren über Satellit nutzbar gemacht werden. Neben der Hochwassergefahrenkarte laufe aktuell auch eine Kartierung für das Starkregenrisiko. „Wir machen viel“, sagt der Rathauschef – auch im Rathaus. In dieses soll in der Zukunft Notstrom eingespeist werden können. Außerdem plane man vor Ort eine Notfallübung umzusetzen.