Die Top-Musiker von „German Brass“ bei ihrem Auftritt in der Schiltacher Stadtkirche. Foto: Anton

Am 12. Mai musizierten sie noch in der Elbphilharmonie – jetzt in Schiltach. Die Rede ist vom „Weltmarktführer in Sachen Blechbläsermusik“, dem Ensemble „German Brass“. Es trat im Rahmen des Schwarzwald-Musikfestivals auf.

Im Gespräch mit dem Tubisten Stefan Ambrosius und dem Posaunisten Fritz Winter erfuhren die Interessierten vor dem Konzert manche Details. In diesem Jahr feiert das berühmte Ensemble sein 50-jähriges Bestehen.

 

Bürgermeister Thomas Haas bezeichnete es in der voll besetzten Stadtkirche als „echten Hammer“, das vielleicht weltbeste Blechbläserensemble in Schiltach zu haben.

Eröffnet wurde das Konzert mit den wuchtigen Klängen der Feuerwerksmusik , die den ganzen Kirchenraum erfüllten. Neben der mehrfachen Echowirkung und der barocken Verzierungskunst schuf die Piccolo-Trompete markante Akzente. Im zweiten schnellen Satz beeindruckten die schmetternden Trompeten und rasanten Posaunen, die ein echtes Frage- und Antwortspiel veranstalteten. Es folgte eine dreiteilige Suite, zusammengestellt aus zwei Bach-Suiten. Fein ziseliert erschien das erste Thema.

Bei dem flüssigen Spiel agierten die einzelnen Klangregister teils getrennt, teils zusammen. Die Instrumente wechselten immer wieder. Bei der lieblichen „Air“ wurde die Melodie im Wechsel von hohen und tiefen Instrumenten vorgetragen.

Halbtöne und gestopfte Blasinstrumente

Mit orientalisch anmutendem Flair, hervorgebracht durch Halbtöne und gestopfte Blasinstrumente, erschuf das Ensemble beim betont langsamen arabischen Tanz „Le Café“ aus der Nussknacker-Suite von Tschaikowsky die Vorstellung eines türkischen Straßencafés . Der Tenor lag auf den Klangfarben, die die Musiker der Komposition verliehen. Dass sie auch über ihre eigenen Arrangements lachen können, bewies die humorvolle Moderation.

Imposanter Schwung

Umgekehrt verliehen die flexiblen Musiker der Tarantella „Napoletana“ von Jacquino Rossini einen imposanten Schwung. Die Motive jagten sich und wurden im Ensemble durchgereicht. Der Rhythmus steigerte sich bis zum rasanten Galopp.

Von New York nach Bayern

Die Geschichte der beiden sich bekämpfenden Banden der „Westside Story“ verlegte Moderator Wallendorf im Arrangement aus „Somewhere & America“ souverän von New York ins bayerische Hinterland. Nach den schönen Echoklängen im Vorspiel ertönte das lupenreine Solo von Fritz Winter. Zum ersten Mal war das Schlagzeug (Herbert Wachter) im Einsatz. Strahlend erschien der Triumphmarsch aus „Aida“ von G. Verdi in einem interessanten Arrangement., das Finale mit knatternder Tuba. Auf der Bühne entfesselten die vielseitigen Musiker eine dramatische Opernszene

Glissandi und Flatterzunge.

Nach der Pause sprang der musikalische Funke vom Ensemble auf das Publikum sofort über mit der Selection aus der Oper „Porgy & Bess“. Beim Song „Summertime“ wechselten die Soli wie beim Jazz. Die exzellenten Musiker verwendeten Glissandi und Flatterzunge. Das Schlagzeug trat mit einem mitreißenden Solo auf. Die improvisierende Solotrompete entfachte ein Feuerwerk der Gefühle.

Effektvoll über die Tonleiter

Aus allen Rohren schossen die Blasmusiker beim „Carribean“-Arrangement. Effektvoll ging es die Leitern rauf und runter. Vor den inneren Augen der Zuhörer entstand mit alarmierenden Klängen und dröhnenden Bässen ein perfektes Schauspiel.

Nach Südamerika wechselte die Szenerie beim folgenden Bossa nova. Hier gaben die Posaunen um Fritz Winter den dröhnenden Ton an.

Fantastische Rhythmen

Beinahe in Ekstase gerieten die Trompeten beim Preislied auf den Whisky. Der Solist improvisierte aus vollem Herzen. Die Posaunen gaben sich in bester Musizierlaune. Überraschend verließen die Blasmusiker die Bühne. Endlich hatte der Schlagzeuger Gelegenheit, dem Publikum sein faszinierendes Können mit fantastischen Rhythmen und atemlosem Tempo zu präsentieren. Hände und Füße waren in Dauerbewegung.

Umgekehrt wollten auch die Hände der Zuhörer beim Applaus nicht ruhen. Der Moderator krönte seine Ansage noch mit einem Rap mit akrobatischem Mundwerk.

Die bewegten Konzertbesucher traten den Nachhauseweg an mit dem Gefühl, Zeuge eines unvergesslichen Konzerts von höchstem Niveau geworden zu sein.