Das Jahreskonzert des Akkordeon-Spielrings unter der Leitung von Ferdinand Schneidt ist ein Riesenerfolg. Foto: Hella Schimkat

Ihor und Denys Pankiv studieren nach ihrer Flucht aus der Ukraine an der Musikhochschule Trossingen. Beim Jahreskonzerts der Spielgemeinschaft Akkordeon-Spielring Unterkirnach waren sie zu hören.

„Also sprach Zarathustra – Sonnenaufgang“ – schon die Eröffnung des Jahreskonzerts der Spielgemeinschaft Akkordeon-Spielring Unterkirnach und des Akkordeonvereins Blau-Weiß Villingen-Schwenningen unter der Leitung von Ferdinand Schneidt ließ die Besucher in der Schlossberghalle aufhorchen: „Das wird ein tolles Konzert“.

 

Genauso war es, man konnte hören, dass die Musiker ausgiebig geprobt hatten, da saß jeder Ton. Die Zuhörer in der gut besuchten Schlossberghalle ließen sich musikalisch nach Spanien, Memphis und auf den Balkan entführen.

Der schwungvolle Barbier von Sevilla wurde gefolgt von „A Klezmer Karnival“ von Philip Sparke. Dieser hatte drei unterschiedliche Klezmermelodien wie den Hochzeitstanz, einen Rundtanz und einen Scherentanz verarbeitet, fröhlich und melancholisch – ein stimmungsvolles Konzertwerk, dass die Akkordeonspieler bestens zu Gehör brachten.

Reise führt nach Memphis zu Elvis

Nach dem Spanischen Marsch aus der Suite „Frohes Wochenend“ ging die Reise nach Memphis zu dem immer noch präsenten Elvis, mit den Songs „Surrender“ und unter anderem „Don’t be cruel“ kam rockige Stimmung auf, bevor es konzentriert zum Tango „El Choclo“ überging. Nach dem „Balkanfieber“ durften die Musiker noch nicht die Bühne verlassen, da wurden noch Zugaben gefordert, die gerne gegeben wurden. Luitgard Straub, Vorsitzende des Akkordeon-Spielrings, begrüßte die vielen Besucher und meinte, Ferdinand Schneidt habe bei den Proben oft geschwitzt, sie alle aber toll in die Spur gebracht.

Karin Pfeffer und Ulrike Böhlefeld (von links) werden vom Harmonikaverband mit der Verdienstnadel in Silber ausgezeichnet, Luitgard Straub, mit der Ehrennadel in Gold geehrt. Foto: Hella Schimkat

Ganz besonders freute sie sich, dass sie die Pankiv-Brüder Ihor und Denys aus der Ukraine, die an der Musikhochschule Trossingen studieren, im zweiten Teil des Abends für einen Auftritt gewinnen konnte.

Über Unterkirnach nach Trossingen geflohen

Die Brüder, die nach dem Einmarsch von Russland aus der Ukraine über Unterkirnach nach Trossingen geflohen waren, haben schon im Alter von fünf und sechs Jahren mit dem Akkordeonspiel begonnen, im Alter von neun und zehn Jahren nahmen sie an Konzerten teil. Jeden Tag spielen sie fünf bis sechs Stunden, was für sie selbst ein Vergnügen ist.

Ihre Eltern, der Vater ist Leiter der Musikschule Lemberg, die Mutter Sängerin, sind in Lemberg zurückgeblieben. Beide spielen das Knopfgriff-Akkordeon, bei dem nicht nur der Bass, sondern auch der Diskant mit Knöpfen gespielt wird. Beim Finale der Ouvertüre zu Wilhelm Tell, dem Walzer-Potpourri, dem Libertango oder dem Czárdás glitten ihre Finger in atemberaubendem Tempo über die Knöpfe, Noten benötigten sie nicht. Nach dem Radzky-Marsch honorierten die Besucher das perfekte Spiel der Ukrainer mit stehenden Ovationen und blieben so lange katschend stehen, bis die Brüder Zugaben spielten – das war ein super Abschluss eines hervorragenden Jahreskonzerts.

Ehrungen

Gold
Luitgard Straub wurde vom Deutschen Harmonikaverband mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet. Seit 30 Jahren ist sie Orchesterspielerin, zuerst beim Harmonikaverein Wälderbuebe Linach und nach einer Unterbrechung durch ihr Studium stieg sie bei Karl Werf und dem Akkordeonspielring Unterkirnach ein, den sie seit mehreren Jahren als Vorsitzende leitet.

Silber
Karin Pfeffer und Ulrike Böhlefeld wurden vom Deutschen Harmonikaverband mit der Verdienstnadel in Silber geehrt. Seit 40 Jahren spielen sie in Unterkirnach Akkordeon, zuerst im Jugendorchester, anschließend im Hauptorchester. Beide sind aus dem Orchester nicht wegzudenken, Ulrike Böhlefeld kümmert sich seit 2015 auch noch um die Finanzen des Akkordeon-Spielrings.