Der Verband der Baufirmen im Land sieht die E-Auto-Prämie als Vorbild – und spricht sich für ein Prinzip des Umstiegs aus, um die Erderwärmung zu stoppen.
Stuttgart - Die Baupreise für Wohnimmobilien dürften angesichts des anhaltenden Baubooms und der Knappheit an Materialien auch in den kommenden Monaten kräftig anziehen. Das geht aus einer Befragung des Ifo-Instituts im Auftrag der L-Bank hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Fast vier von fünf Firmen rechnen in den kommenden drei Monaten mit steigenden Preisen, dabei haben die Baupreise 2021 bereits angezogen. Grund dafür sind die knappen Baumaterialien. Etwa die Hälfte der Wohnungsbauunternehmen berichtet aber von Problemen bei der Ausführung ihrer Bauaufträge. Dabei ist die Materialknappheit nach wie vor Hauptauslöser für Baubehinderungen.
Um dennoch Kosten für den Klimaschutz wie etwa die im Land geplante Solarpflicht auf Wohngebäuden zu stemmen, spricht sich der Verband der Bauwirtschaft für eine Anschubfinanzierung für Wohngebäude aus. „Wir brauchen eine Art Klimabauprämie“, sagte Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg e. V., unserer Zeitung. Es brauche das Prinzip des Umstiegs aus der Autoindustrie auch im Gebäudesektor. „Wenn wir die Erderwärmung stoppen wollen, muss der Gebäudesektor mitgedacht werden.“
Langlebiger als E-Autos
Die Logik sei einfach, sagt Möller: Bei Gebäuden gehe das Ziel weit über den Einzelnen hinaus. Der Effekt überlebe in der Regel den Empfänger. „Es muss die Möglichkeit einer Anschubfinanzierung geben.“
Förderprogramme – etwa der L-Bank – bezuschussen energieeffizientes Bauen mit günstigen Kredite oder Tilgungszuschüssen. Angesichts des starken Preisanstiegs hält Möller das für nicht ausreichend. „Wir hoffen, dass die Baupreise sich etwas beruhigen“, sagte er. „Es wird aber nicht so sein, dass die Preise auf das Niveau von vor zwei oder fünf Jahren sinken. Neue energetische Auflagen werden aber sicher zu höheren Preisen beitragen.“ Dennoch ist er für eine Solarpflicht. Ziel müsse sein, fossile Energien zu ersetzen, nicht zu reduzieren. „Es ist wichtig, dass wir nicht nur vornehmlich über Dämmung sprechen.“ Stattdessen brauche es andere Ideen der Energiegewinnung. „Wir sollten die Möglichkeiten, die die Dächer bieten, auch nutzen.“
Sind Kosten für Solarpflicht ein Problem für ältere Hausbesitzer?
Der Landesverband Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen sieht den Plan der Landesregierung kritisch: „Die Festlegung auf eine bestimmte Technologie hemmt die Entwicklung anderer zukunftsträchtiger Lösungsansätze zur CO2-Reduzierung in der Immobilienwirtschaft“, heißt es in der Stellungnahme zum Entwurf des Klimaschutzgesetzes, das die Pflicht beinhaltet. Der Verband warnt vor den Kosten etwa bei Dachsanierungen, die manchen älteren Eigentümer finanziell überfordern könnten.
Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen hält noch ein Vorhaben der Landesregierung bei Mehrfamilienhäusern für falsch. Im Koalitionsvertrag heißt es, man strebe an, dass beim Wohnraumförderprogramm ab 2025 der KfW-40-Standard gelten soll, der noch strengere Anforderungen an die Energieeffizienz des Gebäudes vorgibt als bisher. „Die Effizienzsteigerung erreicht hier einen Grenznutzen“, sagt Verbandsdirektorin Iris Beuerle. Denn der höhere Standard beruhe vor allem auf mehr Technik. „Die Kosten für den technischen Mehraufwand betreffen nicht nur den Einbau dieser Anlage, sondern auch die Nebenkosten.“ Das verteuere bei Mehrfamilienhäusern das Bauen und damit das Mieten.
Auch hier sieht Möller die Politik in der Pflicht: „Das kann und darf nicht für den Mieter teurer werden.“ Grundsätzlich müsse aber anders an Gebäude rangegangen werden, so Möller. Viele sähen darin nur eine Investition für eine Generation. Diese Denkweise müsse sich ändern: „Das Ziel geht weit über den Einzelnen hinaus.“