Die Konzertmuschel ist derzeit abgesperrt. Die Statik ist ein Problem. Foto: Nädele

Sie ist ein Lost Place mitten in Rottweil – die Konzertmuschel im Stadtgraben. Vor ein paar Jahren noch für den Abrissbagger freigegeben, soll sie nun erhalten werden. Die Frage lautet: Warum?

Totgesagte leben länger, sagt ein Sprichwort. Das gilt auch für den Musikpavillon im Stadtgraben. Drohte vor zwei Jahren wegen statischer Probleme noch der Abriss, hat der Rottweiler Gemeinderat jüngst die Erweiterung des Sanierungsgebiets Stadtmitte mit der Sanierung der Konzertmuschel verknüpft. Eine Kehrtwende, könnte man meinen.

 

Dass die Konzertmuschel durchaus erhaltenswert ist, betonte der Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung, Rudolf Mager, bei verschiedenen Veranstaltungen zur Landesgartenschauplanung immer wieder. Sie sei ein architektonischer Schlusspunkt am Ende des Stadtgrabens.

Auch nach einem Abriss hätte man dort einen Ersatzbau hinstellen wollen. Doch in Zeiten nachhaltigen Wirtschaftens wird auch bei der Stadt lieber saniert als neu gebaut. Zumindest bei der Konzertmuschel kehrte ein Umdenken ein. Was sicher auch daran liegt, dass der Pavillon unter Denkmalschutz steht.

Der Denkmalschutz

Die Muschel ist ein erhaltungswertes Gebäude innerhalb der denkmalgeschützten historischen Innenstadt. „Die Denkmaleigenschaft des Musikpavillons wurde im Stadtgraben nach Paragraf 2 Denkmalschutzgesetz (DSchG) wurde zuletzt 2021 durch das Landesamt für Denkmalpflege festgestellt“, weiß der städtische Pressesprecher Tobias Hermann, der einiges über die Geschichte des 50er-Jahre-Baus zusammengetragen hat.

Der Musikpavillon im Stadtgraben um 1954, kurz nach der Fertigstellung. Foto: Stadtarchiv Rottweil

Zwischen 1953 und 1954 entstand die Muschel im Stadtgraben. Die Baukosten von zunächst 15 000 Deutschen Mark stiegen damals auf 25 600 Mark. „Kostensteigerungen gab es also auch schon damals“, so Hermann. Einen Architekten gab es nicht, die Planung stamme wohl von einem der damals bei der Stadt angestellten Architekten oder Bausachverständigen. Genau wisse man das aber nicht.

Der Wunsch

Aber warum wurde der Pavillon gebaut? Eine regelmäßige Nutzung blieb – bis auf den Halt der jährlichen Fronleichnamsprozession – zumindest in der jüngeren Vergangenheit aus. „Der Wunsch nach einem Musikpavillon ist wohl schon vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Bemerkenswert ist, dass man sich bereits sehr bald nach Kriegsende, ab 1946, im Gemeinderat wieder mit der Idee eines Pavillons beschäftigte“, so Hermann. Platzkonzerte der Stadtkapelle seien damals sehr beliebt gewesen, und so waren die Verantwortlichen auf der Suche nach einem geeigneten Standort schließlich im Stadtgraben gelandet.

Allerdings habe das Vorhaben zunächst geschoben werden müssen. Die Not in der Bevölkerung war so kurz nach Kriegsende noch groß, Baumaterialien – vor allem Holz – waren knapp, andere dringende Vorhaben wie der Aufbau der beschädigten Häuser hatten Vorrang. Und so dauerte es noch sieben Jahre bis, in Abstimmung mit dem damaligen Musikdirektor Steinwandel, die Konzertmuschel wie man sie heute kennt umgesetzt wurde. Von der zunächst vorgesehen Holzkonstruktion war man abgerückt.

Die Zukunft

Auch heuer steht die Konzertmuschel wieder in der Warteschleife. Obgleich die Sanierung der Muschel beschlossene Sache ist, muss zuerst ein Nutzungskonzept her. „Daraus leiten sich dann alle weiteren Maßnahmen ab“, betont Hermann. Was die Betonsanierung anbelangt, liege aber bereits eine Voruntersuchung eines Ingenieurbüros vor, das erste Sanierungsvorschläge gemacht habe. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

Einen kleinen Startschuss gab der Gemeinderat am 24. Oktober mit der Ausweitung des Sanierungsgebiets Stadtmitte, das nun auch den Spielplatz im Stadtgraben, das Brunnengässle, Am Stadtgraben und den oberen Stadtgraben samt Konzertmuschel umfasst. Damit ist eine Finanzierung der Sanierung durch Fördermittel aus dem Sanierungsgebiet möglich, erläutert der städtische Sprecher.

Ein Start der Muschel-Sanierung ist laut Stadt aber frühestens 2026, also zwei Jahre vor der Landesgartenschau, realisierbar. So lange wird die Muschel noch ein Lost Place bleiben.

Bilder gesucht

Das Stadtarchiv Rottweil sucht Bilder, die eine Nutzung des Musikpavillons in den Jahren nach seinem Bau zeigen, etwa durch die Stadtkapelle Rottweil. Wer solche Bilder hat, kann sich gerne beim Stadtarchiv, Telefon 0741/49 43 30, melden.