Die Gemeinde Starzach möchte dem Zweckverband KBB beitreten. Symbolbild: © Werner – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Die Gemeinde Starzach möchte Zweckverband KBB beitreten / Für Wachendorf soll es eine andere Lösung geben

Starzach. Der Gemeinderat von Starzach traf sich trotz Pandemie, Ausgangsverbot nach 20 Uhr und erneutem Kälteeinbruch am Montagabend zu seiner ersten öffentlichen Präsenzsitzung im neuen Jahr. Die Wachendorfer Mehrzweckhalle war für diesen Zweck mit ausreichendem Abstand bestuhlt worden und die Sitzung wurde per Livestream in die Wohnzimmer der Bevölkerung übertragen. Zu sehen sind auf diesem Mitschnitt, der eine Woche im Netz abrufbar ist, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes jedoch nur die Verwaltungsmitarbeiter Christiane Krieger (Hauptamtsleiterin), Tobias Wannenmacher (Amtsleiter) und Bürgermeister Thomas Noé.

Noé betonte, dass diese Sitzung aus wichtigen Gründen, insbesondere die Einbringung des Haushaltes 2021 sowie unumgänglichen Beschlussfassungen notwendig wurde, da man sich das letzte Mal in dieser Runde am 21. Dezember 2020 traf. In Anbetracht der prall gefüllten Tagesordnung und der Witterungsverhältnisse versprach der Schultes, dass er sich in seinen Ausführungen kurzhalten wird und bat auch das Gremium um Sitzungsökonomie. Ein Vorsatz, der, je später der Abend wurde, in völlige Vergessenheit geriet.

Beim Tagesordnungspunkt 3, bei dem es um die Entscheidung über den Beitritt zum Zweckverband Klärschlammverwertung Böblingen (KBB) ging, funktionierte der Wunsch nach einem gestrafften Zeitplan jedoch noch recht gut. Das Gremium verzichtete auf einen ausführlichen Sachvortrag. Scheinbar hatten die meisten der Gemeinderatsmitglieder das zehnseitige Papier der Tischvorlage gelesen, in dem alle rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte zu diesem Thema aufgeführt waren.

Seit dem 3. Oktober 2017 gilt die Neuordnung der Klärschlammverordnung. Mit dieser Neufassung verbietet der Gesetzgeber aus Vorsorgegründen die bodenbezogene Verwertung von Klärschlamm. Beispielsweise als Dünger. Auf diese Weise soll die Einbringung von giftigen und/oder belastenden Stoffen wie Nitraten aber auch Mikroplastik in die Böden und damit in die Nahrungskette nachhaltig vermieden werden. Mit dem Wegfall der Möglichkeit zur Ausbringung des Klärschlamms und der Verpflichtung zur Phosphorrückgewinnung geht eine Verringerung der Entsorgungswege einher und für die Starzacher Gemeindeverwaltung stellt sich über kurz oder lang die Frage: "wohin mit dem Klärschlamm aus den Kläranlagen?"

In seiner Stellungnahme schreibt Bürgermeister Thomas Noé: "Grundsätzlich befürwortet die Verwaltung einen Beitritt zum Zweckverband KBB, da hierdurch vor allem eine langfristige Kontinuität mit entsprechender Entsorgungssicherheit gewährleistet werden kann. Die anfallenden Kosten schätzt die Verwaltung in Abstimmung mit dem Ingenieurbüro ISW als angemessen und im Vergleich mit der bisherigen Entsorgungsvariante als wirtschaftlich vertretbar ein."

Da jedoch von Seiten der Verwaltung und dem Gemeinderat die Absicht besteht, die Kläranlage Wachendorf mittelfristig stillzulegen und die Abwasserentsorgung des Teilortes Wachendorf anderweitig zu organisieren, wird für diese Kläranlage kein Beitritt vorgeschlagen. Da der Betrieb der Verbrennungsanlage erst im Jahr 2027 startet, wäre der Nutzen für die Gemeinde, vor dem Hintergrund einer mittelfristigen Stilllegung der Kläranlage Wachendorf, sehr begrenzt und hinsichtlich eines Wiederaustrittes aus dem Zweckverband mit Risiken und unangemessen hohem Verwaltungsaufwand verbunden. Deshalb wird von Verwaltungsseite vorgeschlagen, weiterhin eine Bearbeitung und einen Abtransport des Klärschlamms aus Wachendorf über die Firma MSE vornehmen zu lassen. Damit war auch die Frage von Gemeinderat Hans-Peter Ruckgaber geklärt, der anregte, dass man doch auch die Wachendorfer Kläranlage an den Verband anschließt.

Für den Abwasserzweckverband Börstingen sieht die Sache ganz anders aus. Hier würde sich aus oben genannten Gründen ein Beitritt lohnen, ist sich die Gemeindeverwaltung sicher. Deshalb wird zeitnah eine Verbandsversammlung des Abwasserzweckverbandes Börstingen terminiert, um eine entsprechende Entscheidung herbeizuführen. "Wichtig ist, dass wir mit der großen Kläranlage angebunden sind" das Fazit von Bürgermeister Thomas Noé.

Vom Gemeinderat gab es zu dieser Vorgehensweise jeweils ein einstimmiges, positives Votum.

Gemeinderat Harald Buczilowski (Unabhängige Liste Starzach), der die modernen Medien nutzte und die Sitzung per Livestream verfolgte, gab später per Mail bekannt: "Ich unterstütze den Antrag der Verwaltung. Insbesondere freut mich, dass die Kläranlage Wachendorf nicht dem Zweckverband zur Verwertung des Klärschlamms beitreten soll". Er erklärte auch warum: "Seit vielen Jahren bemühe ich mich darum, dass die kleine Kläranlage in Wachendorf aufgegeben und an die im Tal liegende Kläranlage in Bietenhausen angeschlossen wird. Die Verwaltung war da lange Zeit sehr zurückhaltend. Jetzt scheint sich aber die Ansicht durchzusetzen, dass es vielleicht doch eine gute Idee ist."

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: