Nicht nur die großen Lichtelemente bekamen Tritte ab: Die meisten der transparenten dekorativen Ballons des Handels wurden entweder zerstört oder geklaut. Foto: Eva-Maria Huber

Die Lichternacht des Gewerbeverbandes Oberzentrum war bezaubernd. Weniger berauschend: Fast alle dekorativen Ballons des Handels wurden entweder zerstört oder geklaut.

Die Stadt ist voll, das Gedränge groß, überall Passanten, die bei spätsommerlichen Temperaturen durch die illuminierte Villinger Innenstadt schlendern.

 

Für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen wieder große Pylonen und zum ersten Mal auch transparente Luftballons mit Lichterketten, die auch entlang der Oberen Straße im Abständen von fünf bis zehn Metern aufgereiht sind und wie riesige Seifenblasen wirken.

„Schon wieder, das gibt es doch nicht“, ruft ein sichtlich erboster Rainer Böck, Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands Oberzentrum (GVO) und verantwortlich für die Sparte Handel und Gewerbe Villingen, in die Menge hinein. Solche Szenen beobachtet Böck seit dem frühen Abend: Ein etwa fünfjähriges Kind tritt immer wieder mit den Füßen gegen die Ballons, die Großmutter schaut seelenruhig zu. „Und sagt nichts“, ärgert sich Böck, und dies eben nicht zum ersten Mal an diesem Tag.

Eltern reagieren gereizt

Immer wieder erleben Böck, einst Ideengeber für das Lichterfest, und andere Mitstreiter in der Oberen Straße Szenen wie diese: Bei Kindern flamme eben der Spieltrieb auf, wenn sie Ballons sehen. „Doch muss man die gleich kaputt machen und die Eltern oder Großeltern stehen daneben?“ Zum großen Verdruss, erzählen Böck und eine andere Einzelhandelsvertreterin, werden „wir dann noch beschimpft, wenn wir das ansprechen und die Eltern darum bitten, den Kindern doch hier Grenzen zu setzen“.

Seit 10 Uhr habe das Team an die 60 Ballons aufgepumpt, Knoten gemacht, geschmückt und in der Oberen Straße und Brunnenstraße mit Panzertapeband am Boden befestigt. „Es war das erste Mal, ein Pilotprojekt“, berichten Böck und sein Vorstandskollege Stefan Kleyling (Uhren Grießhaber).

Versuch einmalige Sache?

„Ein Versuch“, wie es Böck bezeichnet, mit einer durchwachsenen Bilanz. Zum einen wirkten die dekorativen Ballons wie Magnete und waren auch ein beliebtes Fotomotiv, andererseits sah es Stunden später an den Ballonreihen aus, „als ob eine Horde Wildschweine unterwegs gewesen wäre“.

Auch Tage nach dem Lichterfest ist Böck der Ärger über die „Respektlosigkeit“ mancher Leute anzumerken. Nicht nur für ihn war das Ergebnis kurz vor Ende des Festes frustrierend: Von rund 60 Ballons waren noch vier übrig, der Rest „kaputt gemacht oder gleich geklaut“. Umso ärgerlicher, weil „da viel Arbeit und auch Geld hineingesteckt wurde“. Ob das Ballon-Projekt damit begraben wird, vermag Böck noch nicht zu sagen. „Vielleicht befestigen wir die Ballons nächstes Jahr ja an den Laternen“, ergänzt Kleyling.

Ballons und Dellen

Stefan Kleyling wundert das eher ernüchternde Ballon-Ergebnis nicht. Zwar hat auch er damit gerechnet, dass ein paar Ballons zerstört oder geklaut werden, „aber nicht so viele. Das hätte ich nicht gedacht.“ Ähnliches beobachtete er bei den großen farbenfrohen Lichtelementen, die ebenfalls wieder zum Hingucker wurden, aber auch einige Schläge abbekamen: „Und auch hier stehen die Eltern neben dran und unternehmen nichts“, so der Geschäftsmann aus der Rietstraße.

Für Böck wie Kollege Kleyling steckt hinter den zerstörten und gestohlenen Ballons eine andere Geschichte: „Dies spiegelt doch die große Respektlosigkeit und Gleichgültigkeit wider in Bezug auf das Eigentum anderer.“ Das beste Beispiel bei ihm ums Eck seien die Fallrohre der Dachrinnen: „Was denken Sie, wie oft ich sie schon ausgetauscht habe, weil sich ein paar Leute daran austoben“. Und Rohre mit vielen Dellen, ergänzt er, sehe man überall in der Stadt.

Schaufensterpuppe im Riet

Von Zerstörungswut ist Patrick Broghammers Geschäft zwar bislang größtenteils verschont geblieben, abgesehen von ein paar wenigen Betrunkenen, die sich an seine Sonnenschirme gehängt haben. Dafür ist der Ladendiebstahl ein immer größeres Problem für ihn. „Es wird unglaublich viel geklaut“, erzählt er. Erst kürzlich sei eine Puppe gestohlen worden, die an einem Rollständer befestigt war. „Im Riet ist sie dann wieder aufgetaucht“, erzählt der Geschäftsführer aus der Niederen Straße.

Ladendiebstahl, Zerstörungswut, auch in Schwenningen können Händler nicht nur ein Lied davon singen, wie Gunter Welzer (Welzer Raumlösungen) bestätigt. Die Erfahrungen des GVO-Vorstandsmitglieds und Sprechers der Sparte Handel und Gewerbe in Schwenningen decken sich generell mit denen der Villinger Kollegen: Der Umgang mit dem Eigentum anderer lasse sehr zu wünschen übrig.