Der Marktplatz spielt eine Hauptrolle: Jürgen Wünsche (rechts) und Peter Rosenberger präsentieren das neue Konzept für die Turniere der Ritterspiele. Foto: Hopp

Veranstaltung soll noch deutlicher zum Martkführer in Baden-Württemberg werden. Mehr Ritter beteiligt

Horb - Die Ritterspiele kommen heim, kein Aprilscherz. Mit dem Ritterturnier auf dem Marktplatz wird das historische Spektakel seinem Namen endlich wieder gerecht! Rathaus und Veranstalter hoffen auf mehr Besucher.

Oberbürgermeister Peter Rosenberger und Jürgen Wünsche vom Veranstalter MPS sitzen mitten auf dem Marktplatz in der Sonne. Stolz zeigen sie eine Fotomontage: Zwei Ritter, Lanzen – im Hintergrund die Kulisse des Horber Bilderbuchs auf dem Rathaus. Wünsche: "Damit haben wir eine hohe Attraktivität, die viele Menschen begeistern wird und die Ritterspiele noch deutlicher zum Marktführer in Baden-Württemberg machen wird."

Wünsche vergleicht die Pläne mit dem Turnier in Siena/Italien. Der Palio in Siena ist das historische Pferderennen mit echter Mittelalter-Tradition, welches jährlich an zwei Termine knapp 70 .000 Menschen auf den Campo vor dem Rathaus lockt.

Rosenberger: "Schon die Fotomontage gibt ein tolles Bild. Ich bin überzeugt, dass die Ritterspiele auf dem Marktplatz dann im Juni hier in echt noch eine schönere Atmosphäre haben werden!" Der Überraschungscoup – im Nachhinein sieht er so einfach aus. Warum ist man nicht gleich auf die Idee gekommen, das Ritterturnier auf dem Marktplatz zu machen?

Rosenberger: "Letztendlich hat uns Wolfgang Enenkel von den Rittern auf die Idee gebracht. Wir hatten gar nicht daran gedacht, diese Option zu prüfen. Die Reiter, so war es uns noch von früher im Ohr, hatten eine gewisse Turnierplatzgröße gewollt, um Action-Reiterei überhaupt durchführen zu können."

Doch nach Enenkels Vorschlag hatten sich Rathaus und Wünsche zusammengesetzt. Das Ergebnis: Auf dem Marktplatz kann man eine 50 Meter lange Turnierbahn machen. Terratech-Spezialplatten, die auch beim German-Masters in der Schleyer-Halle eingesetzt werden, dämpfen den Boden. Darauf wird dann noch Sand geschüttet. Der Turnierplatz wird sich dann vom Gasthof Schiff bis zum Café Kipp ziehen. Eine Holztribüne wird sich auf dieser Seite entlang ziehen, dazu zwei Sitztribünen an den Stirnseiten.

Rosenbeger: "Wir haben das Konzept gleich von der Feuerwehr prüfen lassen. Einziges Verbot: Die abendliche Feuershow." Wünsche: "Das ist natürlich ein etwas höheres Risiko für uns – weil wir dort ein bisschen weniger Plätze als unten haben. Dafür machen wir an zwei Tagen insgesamt sechs Turniere hier auf dem Marktplatz – um 11 Uhr, 14.30 Uhr und 16 Uhr. Die Reiter von Haraldos werden ihr Programm entsprechend anpassen – aber klar, das Lanzenstechen bleibt. Auch die Eintrittspreise bleiben stabil."

Unten – auf der Turnierwiese – gab es 1500 Sitzpläzte und 1100 Stehplätze. Hier werden jetzt die oberschwäbischen Landsknechte mit 100 Zelten platziert – und jede Menge Action bieten. Drillübungen, Kanonenschießen. Auch der Horber Vertrag soll hier aufgeführt werden. Hinter den Landsknechten Richtung Egelstal werden dann die freien Gruppen lagern – Wünsche: "Laut den Anmeldungen wird es bis zur Fischerhütte gehen." Neben den Landsknechten, die sich bis zum Flößersteg ausbreiten, werden die Kinderitterspiele sein.

Die 200 Marktstände des Mittelaltermarktes werden sich auf dem Flößerwasen, Schillerstraße, Wilhelmstraße und Neckarstraße bis hin zum Ihlinger Tor ziehen. OB Rosenberger: "Toll, dass die Ritterspiele jetzt wieder in der historischen Altstadt angekommen sind. Wir werden nachts natürlich auch noch die Stadtkulisse beleuchten!" MPS hat auch "deutlich mehr Ritter" geordert, die überall auf den Ritterspielen auftauchen sollen: "Das ist einer der Walking Acts, die vor allem Kinder und ihre Eltern begeistern."

Wünsche: "Ich denke, mit diesem Konzept schaffen wir eine deutliche Attraktivitätssteigerung. Inzwischen sind wir umzingelt mit Rittermärkten. Mit diesen einmaligen Bildern und dem Ritterturnier mitten in der Altstadt rechne ich damit, das es einen extremen Zugewinn von Besuchern geben kann."

Auch das Rathaus ist mit an Bord. Rosenberger: "Wir haben gemeinsam mit dem Gemeinderat beschlossen, dass wir den Zuschuss an MPS für die Ritterspiele um 5000 Euro auf insgesamt 15. 000 Euro erhöhen. Dazu werden wir Rittermahle im Wert von 5800 Euro kaufen, um Gäste und uns wichtige Repräsentanten einzuladen." Diese Rittermahle sollen dann im Hof des Künstlerhauses sein – auch eine tolle, mittelalterliche Kulisse vor dem Kloster. Insgesamt gibt die Stadt damit knapp 21­.000 Euro Unterstützung für die Ritterspiele – angesichts eines Etats von 350 .000 Euro, den Wünsche nannte, offenbar vertretbar.

Auch das Sandproblem für den Turnierplatz übernimmt das Rathaus. Rosenberger: "Wir haben ausgerechnet, was der Bauhof jährlich an Sand verbraucht, um beispielsweise Fernwärmeleitungen zu verlegen. Wir werden diese Menge jetzt genau zu den Ritterspielen auf einmal bestellen und dann vor das Rathaus schütten."

Und genau das wird einer der Stressfaktoren für die Ritterspiel-Macher in diesem Jahr. Wünsche: "Der Donnerstag vor den Ritterspielen ist Fronleichnam. Weil dann bei den Prozessionen auf dem Marktplatz Blumen gestreut werden, können wir erst Donnerstagnachmittag mit dem Aufbau anfangen. Deshalb haben wir auch das Fun-Turnier am Horber Abend dieses Jahr gestrichen, um Zeitreserven zu haben."

Im kommenden Jahr, so Wünsche, soll es dann auch wieder Abendturniere geben – mit sicherer Pyrotechnik, mit der auch die Feuerwehr dann leben kann. Und OB Peter Rosenberger hofft, dass die neuen, kompakten Ritterspiele vielleicht dazu führen, dass Aktive des ehemaligen Rittervereins wieder dabei sind. Beispielsweise im Lager.