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Horb a. N. Meldekette gerissen – Zeit verloren

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Wertvolle Zeit ging verloren, weil die Nachricht vom rasant ansteigenden Hochwasser in Horb nicht ankam – mit ein Grund, warum die Sandsäcke verspätet nach Mühringen kamen. Foto: Hopp

Horb - Die Aufregung der Mühringer über das langsame Anlaufen der Rettungsaktion beim Hochwasser war groß. Jetzt kommt heraus: Es gab Fehler in der Meldekette, die dazu führten, dass die Feuerwehr in Horb und Mühringen unnötig 32 Minuten im Dunkeln tappten.

Sabine Geiser vom Landratsamt in Balingen (Zollernalbkreis) erklärt: "Am Samstagabend gegen 19.15 Uhr wurden von Seiten des Landratsamtes Zollernalbkreis nochmals zusätzlich alle Leitstellen (Tübingen, Freudenstadt, Rottweil, Tuttlingen) darüber informiert, dass aus dem Zollernalbkreis sehr hohe Wasserabflüsse an den Gewässern auftreten und in die Nachbarlandkreise fließen."

Die Leitstelle Freudenstadt nahm diese Info zum Anlass, erklärt Leitstellendisponent Frank Gaiser, einen Katastrophenschutz-Zug – auch mit Feuerwehrleuten aus Horb – anzufordern, um im Zollernalbkreis mit einzugreifen. Gaiser sagt: "Wir haben lediglich die Leute angefordert. Die Information an sich wurde den Horbern nicht übermittelt." Das bestätigt auch Horbs Feuerwehrkommandant Markus Megerle: "Von sehr hohen Wasserabflüssen aus dem Landkreis Zollernalb war mir nichts bekannt."

So kam es dazu, dass Mühringens Abteilungskommandant Michael Kramer erst um 19.47 Uhr vom extrem schnell steigenden Eyachpegel erfuhr und den Alarm auslöste. Horbs Kommandant Megerle stellte dann sofort einen Führungsstab zusammen, doch die Fluten hatten sozusagen schon 32 Minuten Vorsprung.

In Horb gibt es – anders als in Haigerloch – keinen Krisenplan, der etwa besagen könnte, ab welchem Pegelstand Sandsäcke bereitgestellt werden müssen. Vorstellbar wäre, dass in so einem Fall ein Bauhof-Lkw mit Sandsäcken bereit steht.

Das war in Horb nicht der Fall. Die Horber Feuerwehr startete erst ab 20.15 Uhr, ihren Schlauchwagen abzuladen und ihn mit Sandsäcken zu befüllen.

Ziemlich verwunderlich: Laut der Hochwassermeldeordnung (S. 36, Titel: "B. Neckarnebenflüsse, 1. Eyach, Pegel Balingen­) ist das Ziel der Meldekette in Horb das Bürgermeisteramt. Dort dürfte am Samstagabend aber niemand gewesen sein, der den Pegelhöchststand der Eyach von 283 Zentimetern um 18.30 Uhr gelesen hat. Horbs Feuerwehrkommandant Megerle: "Von einer Meldung an das Bürgermeisteramt Horb ist mir auch nicht bekannt, dies hätte ich mitbekommen."

Die Meldekette im einzelnen: Die Pegelmeldungen der Eyach müssen von Balingen an die Feuerwehrleitstelle in Freudenstadt weitergemeldet werden. Von dort muss in der Folge das Landratsamt Freudenstadt sowie die Bürgermeisterämter in Horb und in Eutingen weiter gemeldet werden.

Zusammenarbeit der Feuerwehren überprüfen

Horbs Bürgermeister Jan Zeitler hat nun eine Überprüfung der Meldekette gefordert: "Nach dem Hochwasser sollte dies auch auf Landkreisebene besprochen werden." Zudem wollen Zeitler und Haigerlochs Bürgermeister Heinrich Götz (in seiner Stadt kamen die Eyach-Fluten vor Mühringen an) jetzt die Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren im Hochwasserfall überprüfen.

Und auch die Überarbeitung der Meldekette ist im Gespräch. Bürgermeister Götz meint, dass die Kommunikation nicht an Kreisgrenzen scheitern dürfte.

Gegenstand der Gespräche soll auch der Krisenplan der Stadt Haigerloch sein. Die Haigerlocher Feuerwehr agiert nach Angaben des Kommandanten Michael Weißhaar anhand eines fünfstufigen Krisenplans. Ab bestimmten Pegeln der Eyach, beginnend ab 1,50 Metern, werden zum Beispiel Sandsäcke bereit gestellt.

Zeitler: "Bei allen Krisenplänen ist immer auch die Frage, welchen Aufwand ein präventiver Ansatz verursacht. Das, was wir als Stadt Horb leisten können, werden wir auch in Zukunft leisten." Horbs Stadtkommandant Megerle sagt: "Wir lernen aus dem jetzigen Hochwasser in Mühringen, dass wir vielleicht schneller präventive Maßnahmen treffen müssen."

Problem aber: Was davon legt man alles in die Verantwortung der Feuerwehr? Laut Megerle gehören Hochwassereinsätze nicht zu den Pflichtaufgaben der Retter.

Laut der Freudenstädter Landkreissprecherin Sabine Eisele ist die untere Katastrophenschutzbehörde, die im Landratsamt angesiedelt ist, im Hochwasserfall zuständig. Doch die sah offenbar keinen Grund, die Feuerwehr in Horb über den rasch ansteigenden Pegelstand zu informieren.

Eisele: "Der Leiter der unteren Katastrophenschutzbehörde war informiert. Nach Rücksprache mit dem Kreisbrandmeister des Zollernalbkreises und der Leitstelle bestand für ihn kein Anlass, etwas zu veranlassen, vor allem auch weil bekannt war, dass die Feuerwehr vor Ort bereits im Einsatz war."

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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