Auf großes Interesse stieß die Verinssage zur Fotoausstellung "Horb im Fokus" im Bürgerkulturhaus. Fotos: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Kultur: Häuser, Kirchen, Landleben: Fotoclub Horb zeigt 18 historische Fotografien von Egon Rutsch

Das hat es lange nicht mehr bei einer Ausstellungseröffnung im Bürgerkulturhaus gegeben: Die Stühle reichen einfach nicht! Kein Wunder: Ist doch das Horb der 50er und 60er Jahre im Fokus.

Horb. Der Fotoclub Horb zeigt die Fotografien von Egon Rutsch aus den 1950er und 1960er Jahren. Egal, ob das Stubensche Schlösschen, Nonnen vor der Stiftskirche oder Schafe und Ziegen – die Schwarzweißfotos zeigen ein Horb, das die Besucher der Eröffnung noch in ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben. Oberbürgermeister Peter Rosenberger: "Auf den Bildern sind Schafe und Ziegen zu sehen – daran kann man erkennen, wie sich die Stadt bis heute weiterentwickelt hat. In diesen Fotos erkennt man die eigene Historie noch viel besser."

Und weil viele Besucher – auch vom Fotoclub – an der Wand stehen müssen, scherzt Rosenberger noch: "Ich komme mir vor wie bei einer internationalen Pressekonferenz – so viele Kameras sind hier auf uns gerichtet."

Die Schwarzweiß-Bilder. Gemacht mit der Rolleiflex 3,5 F, die in der Vitrine am Fenster zu sehen ist. Das Lieblingswerkzeug von Eugen Rutsch in der damaligen Zeit. Eine zweiäugige Mittelformatkamera, die Ende der 1950er Jahre gebaut wurde. Herbert Kress: "Rutsch kam noch zu Lebzeiten zu mir und hat mich gebeten, die Negative von damals einzuscannen. Ich habe mit dem Negativ des Ringmauerturms angefangen. Damals musste ich extra meinen alten Windows-XP-Rechner wieder aktivieren, um den Mittelformatscanner betreiben zu können. Als Rutsch das retuschierte Negativ gesehen hat, kamen ihm die Tränen."

Gut, dass er Kress dann weitere Negative überließ. Denn, wie Fotoclub-Vorsitzender Jürgen Kläger berichtet, brannte das Haus von Rutsch. Kläger: "Tausende Negative, Dias und Kunstgegenstände, die Rutsch während seines Lebens gesammelt hatte, fielen den Flammen zum Opfer. Wenigstens konnte Rutsch seinen 80. Geburtstag wieder im sanierten Haus begehen." Zwei Jahre später starb dann das Gründungsmitglied des Fotoclubs Horb.

Und zum 60. Jubiläum des Clubs im vergangenen Jahr kam die Idee auf, die Stadtansichten von Rutsch in einer Ausstellung zu präsentieren. Zuvor mussten jedoch die restlichen Negative eingescannt werden. Kress: "Das hat dann doch länger gedauert als gedacht."

OB Rosenberger bringt es wie folgt auf den Punkt: "Es ist eine unermesslich mühevolle Arbeit, die Bilder zu bearbeiten. Wie mir berichtet wurde, haben Sie pro Bild über zwölf Stunden investiert, um die Schäden auszumerzen. Damit haben Sie einen Schatz gehoben. Und ich verspreche Ihnen, dafür helfe ich Ihnen persönlich auch mal zwölf Stunden." Kress spontan: "Ich muss demnächst tapezieren!" Das Stadtoberhaupt geht auf ihn zu, gibt ihm die Hand und sagt: "Deal. Handschlag drauf. Ich geben Ihnen mein Ehrenwort unter Zeugen."

Offenbar ist auch der Rathauschef ganz begeistert von den Bildern. Rosenberger: "Man muss sich Gedanken machen, wie man diesen Schatz archivieren kann. Im Rathaus wäre sicherlich auch Platz für solche Bilder." Ein Angebot, welches Fotoclub-Vorsitzender Kläger gleich aufnimmt: "Das machen wir gerne. Die Fotos zeigen, dass Horb mit seiner über 900-jährigen Geschichte sehr schön und ein lohnenswertes Ziel für Künstler und Fotografen ist. Sie zeigen, dass jeder Fotograf mit seiner Arbeit auch Zeitzeuge ist. Und die Fotos sind auch Appell, dass die alte Substanz von Horb erhalten bleiben muss. Selbst wenn das eine oder andere Haus bewusst demoliert wird." Anspielung auf das Lotzer-Haus. 

Doch daran will bei der Eröffnung keiner denken. Denn: Die Fotos von Egon Rutsch zeigen, wie schön die Bauten schon in Schwarzweiß sind.

Weitere Informationen: Ausstellung "Horb im Fokus". Bürgerkulturhaus/Marktplatz. Montag, Mittwoch, Freitag, Sonntag 14 bis 17 Uhr. Letzter Tag: 29. Oktober.

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