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Horb a. N. Dealer fliegen durch Messerstecherei auf

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Der Prozess gegen die beiden Brüder wird fortgesetzt. (Symbolbild) Foto: dpa

Rottweil/Horb/Sulz - Der Haugenstein – offenbar auch ein Drogenumschlagplatz. Jetzt stehen zwei Brüder (20, 24) als Dealer vor Gericht. Aufgeflogen sind sie durch eine fast tödliche Messerattacke in Sulz.

Karsten (20, Name geändert) sagt nicht viel. Meistens "Nee". Und maximal Fünf-Wort-Sätze.

Der Oberstaatsanwalt ist überzeugt: Karsten und sein Bruder Rainer (24) sollen 25-mal Marihuana in "nicht geringer Menge" auf dem Haugenstein verkauft haben. Sein Bruder Karsten wurde in einem mannshohen Marihuana-Feld fotografiert. Auf dessen Smartphone sind auch Fotos aus der Stadionstraße auf dem Hohenberg. Zu sehen: Zwei geöffnete Handflächen mit Marihuana-Blüten.

Auf dem Smartphone wurden ebenfalls Videos aus einem Keller auf dem Haugenstein gefunden. Geldbündel sind zu sehen, eine Stimme sagt: "Umsatz, Umsatz, Drogen!", so der Kripo-Beamte. Weiter zu sehen: Weißes Pulver, was mit einer AOK-Karte in kleine Streifen (Lines) portioniert wird. Außerdem sind verpackte Tüten mit Haschisch zu sehen. Ein weiterer Film zeigt, wie eine von vier Personen sogar einen ­50-Euro-Schein zerreißt.

Die Drogenbande vom Haugenstein – sie muss sich ziemlich sicher gefühlt haben. "Wir haben in einem Keller den Tisch gefunden, der auch auf den Videos zu sehen ist. Von Drogen war natürlich keine Spur mehr", sagt ein Kripo-Beamter. Er sagt aber auch: "Bei den Garagen des Haugensteins finden öfter Drogengeschäfte statt."

Fakt ist: Vor der Schwurgerichtskammer Rottweil sind in diesem Verfahren nur die Brüder Karsten und Rainer angeklagt. Das Verfahren gegen die anderen läuft wohl separat.

Aufgeflogen sind die Dealer-Brüder vom Haugenstein durch eine Messerstecherei in Sulz. Das berichtet der Kripo-Beamte aus Freudenstadt: "Mitte Januar hat es eine Messerstecherei in Sulz gegeben. Der eine hat dem anderen ein Messer in den Bauch gerammt. Das Opfer wäre fast gestorben, konnte nur durch eine Not-OP gerettet werden."

Der Kripo-Beamte sollte den Täter vernehmen. Dabei kam raus: Der Streit war ein Konkurrenzkampf unter Dealern. Die Kunden des Opfers waren immer mehr zum Täter gewechselt. Deshalb gab es Streit. Denn die Haugensteiner Drogenbande belieferte die beiden Dealer in Sulz mit Marihuana in "sehr guter Qualität", so der Kripo-Beamte.

Der Ermittler: "Wir haben auf einem Smartphone Hinweise auf die Deals mit Karsten gefunden. Damit konfrontiert, gab der Täter aus Sulz alles zu. Den Kontakt zu den Horbern hat er über sein Opfer bekommen."

Der Messerstecher gestand. Sagte, dass er ungefähr 100 Abnehmer in Sulz, Oberndorf und Rottweil hat. Das wurde inzwischen von dessen Kunden weitestgehend eingeräumt, so der Ermittler. Und der Dealer aus Sulz willigte ein, beim nächsten Drogenhandel mit Horb einen verdeckten Ermittler der Polizei mit einzuschleusen.

Der Ermittler: "Dabei ging es um 500 Gramm Haschisch für einen Einkaufspreis von 3500 Euro. Die schickten sich ein Telegramm, was innerhalb einer Stunde automatisch gelöscht wird. So kann die Polizei dann nicht mehr nachvollziehen."

Am 6. Februar kam dann die Nachricht von der Drogenbande aus dem Haugenstein: "Das Hasch ist da." Der Dealer aus Sulz fuhr mit dem verdeckten Ermittler zum Real-Parkplatz in Horb zur Übergabe. Gegen 16.30 Uhr klickten die Handschellen bei Karsten und Rainer.

In der Wohnung gefunden: Unter anderem ein Schreckschussrevolver. Und – in einer Affenfigur versteckt – ein Tütchen mit Speed.

Was sagen die beiden Brüder vom Haugenstein zu der Tat? Nichts. Der Grund: Vor der Verhandlung hatte es ein Verständigungsgespräch zwischen Verteidigung und Staatsanwalt gegeben. Der vorgeschlagene "Deal": Geständnis gegen Bewährungsstrafen.

Dagegen hat die Schwurgerichtskammer allerdings rechtliche Bedenken. Unter anderem, weil nicht geklärt ist, ob Rainer unter das Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht fällt. Dann schlägt der Richter vor, dass sich die Angeklagten zunächst persönlich einlassen. Münzer: "Dann haben wir mehr Grundlagen." Staatsanwaltschaft und Verteidigung signalisieren grundsätzlich weitere Gesprächsbereitschaft.

Was kam raus bei den persönlichen Umständen? Karsten fing mit 14 an zu kiffen. Dann Schule schwänzen. Keine Berufsausbildung, kein Schulabschluss. Die Berufsschul-Spezialklasse –­ auch abgebrochen. Lieber arbeiten für wenig Geld bei einem Krankenfahrdienst als Beifahrer. Dort landete dann schließlich auch sein jüngerer Bruder – als Disponent. Im Oktober beschlossen beide, diese Jobs hinzuschmeißen. Rainer: "Im Frühjahr wollten wir dann bei einer Fahrbahn-Markierungsfirma anfangen. Dort kann man sich die Zeit besser einteilen, verdient auch mehr Geld."

Rainer fing mit 18 oder 19 Jahren mit dem Rauchen von Marihuana an. Als er seinen Führerschein verloren hatte, schaffte er es, ein Jahr lang ohne Drogen zu bleiben, bestand den "Idiotentest" –­ die MPU. Als er dann den Job beim Krankenfahrdienst gekündigt hat, fing er an mit Kokain. Sagt: "Vorher hast du von morgens 8 Uhr bis abends gearbeitet. Auf einmal hast Du viel Zeit!" Im Oktober letzten Jahres, so die Anklage, soll der Drogenhandel der beiden vom Haugenstein aus gestartet sein.

Der Prozess wird am Dienstag, 13. August, fortgesetzt.

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