Der Holzbaupreis 2023 geht an das siebenstöckige Holzhochhaus Buggi 52 in Freiburg. Auch ein Hochhausprojekt Studierender der Universität Stuttgart konnte überzeugen.
Der alle zwei Jahre vergebene Holzbaupreis geht an das Wohn- und Geschäftshaus Buggi 52 in Freiburg im Breisgau, entworfen von Weissenrieder Architekten aus Freiburg im Breisgau. Im Freiburger Stadtteil Weingarten sei es gelungen, eine städtebaulich sensible Situation zu verbessern, indem stark verdichtet kostengünstiger Wohnraum, ein Kindergarten und im Sockelgeschoss ein Supermarkt geschaffen wurden.
Die eigentliche Innovation, so die Jury, bilden die komplett in Holzbauweise errichteten Obergeschosse eins bis sieben, inklusive der Treppenhäuser und des Aufzugschachts. Für die Gebäudeklasse 5 ist das bisher einmalig. Hier entstanden überwiegend barrierefreie und sozialhilfefähige Wohnungen unterschiedlicher Größe. Das ‚Buggi‘ ist deutschlandweit der erste FSC (Forest Stewardship Council)-zertifizierte Holzbau, da das verbaute Holz aus heimischer und nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.
Lob für Umbau
Ebenfalls gewonnen hat der Rathaus-Bau im hessischen Hainburg von Dannheimer & Joos Architekten. „Alle am Bau Beteiligten schufen hier einen Baukörper von großer Leichtigkeit mit herausragender Aufenthaltsqualität“, befand die Jury.
„In diesem Sinne ist der Holzbau nicht nur Bestandteil der Konstruktion, sondern auch gestaltendes Element im Innenraum. Die vertikal strukturierte Fassade erhielt eine Verkleidung aus bronzierten Blechen. Das darauf fallende Tageslicht macht das neue Rathaus endgültig zu einem Holzbau-Schmuckstück von hoher architektonischer Qualität und Preiswürdigkeit.“
Ein Umbau im Bestand zählt außerdem zu den Gewinnern: die Jury unter Leitung von Annette Hafner war beeindruckt von der Aufstockung und Erweiterung der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Alpenvereins (DAV) in München durch Element A Architekten (Heidelberg / München). Das Projekt hatte es auch unter die Finalisten des DAM-Preises 2023 geschafft.
Den Planern sei es gelungen, „ein hochmodernes Bürogebäude mit einer intelligenten, nachhaltigen Low-Tech-Lösung für die Lüftung zu schaffen.“ Gebäude dieser Art aus den 1960er bis 1980er Jahren sind in unseren Städten zahlreich anzutreffen und verlangen dringend nach energetischer und funktioneller Ertüchtigung, so die Jury, die in dem Projekt ein sehr gelungenes Beispiel mit hohem Potenzial für den Einsatz des Holzbaus sieht.
149 Projekteinreichungen hatte die Jury zu bewerten. Geehrt wurden gleichermaßen Bauherren, Architekten, Tragwerksplaner und Holzbaubetriebe als Urheber der ausgezeichneten Beiträge.
Stuttgarter Studierende unter den Gewinnern
Stuttgart ist bei dem ebenfalls vergebenen Studierendenpreis Hochschulpreis Holzbau mit dem zweiten Platz vertreten: „Over The Top“von der Universität Stuttgart. Das Projekt zeichne sich dadurch aus, dass es die Potenziale der Holz-Hybrid-Bauweise im Hochhausbau aufzeige, so die Jury.
Den erste Preis ging an die Werk- und Forschungshalle Diemerstein der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Vergeben wurde die Auszeichnung auch für die „Rückbaubarkeit sowie den Nachweis eines variablen Nutzungskonzeptes.“
Tiny House in Karlsruhe
Auf Rang drei schaffte es der Holzinnovationszentrum Illmenau der Fachhochschule Erfurt. Der Bau präsentiere selbstbewusst die Stärken des Holzbaus und überzeuge durch die gekonnte städtebauliche Anordnung der Baukörper.
Zwei Anerkennungen gingen an das Reallabor Tiny House vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Projekt „Highway to Hellabrunn“ – eine Holzbrücke am Harlachinger Berg entworfen samt Aussichtsplattform und Tiny-Haus – der Technischen Universität München (TUM).
Insgesamt 75 eingereichte Arbeiten von 31 Lehrstühlen an deutschen Universitäten hatte die achtköpfige Jury unter Leitung von Axel Teichert zu begutachten.
Bauministerin lobt Holzbau
Bundesbauministerin Klara Geywitz betonte in ihrem Grußwort zur Preisverleihung: „Der Holzbau ist in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Optionen beim Bauen für Architekten geworden. Er vereint viele Vorzüge in sich: Er ist überwiegend optisch sehr ansprechend, klimaschonend und oft in der Bauzeit schneller umsetzbar, was Kosten spart. Zudem ist er häufig das einzige gangbare Material, wenn es um Aufstockung bei Bestandsgebäuden geht. Damit ist Holz eine der Ressourcen, um Nachverdichtung bei knappem Wohnraum zu ermöglichen, Fläche zu sparen und damit die Umwelt zu schützen.“
Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen verlieh Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister am 16. Mai 2023 den Deutschen Holzbaupreis 2023. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Weltleitmesse für die internationale holzbe- und -verarbeitende Industrie, LIGNA, in Hannover statt.
„Das Bewusstsein für effizientes und umweltschonendes Wohnen nimmt stetig zu“, sagte Karl Hoffmeister, Vorstandsmitglied Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Dabei beweist der Baustoff Holz seine Vielseitigkeit und Wirtschaftlichkeit, ob bei Großprojekten oder im Ein- und Zweifamilienhaus. Der Deutsche Holzbaupreis 2023 zeigt eine ausdrucksstarke Auswahl dieser Vielfalt.“
Info
20-Jahr-Jubiläum
Der Deutsche Holzbaupreis wird seit 2003 alle zwei Jahre von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmerermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in Zusammenarbeit mit Organisationen der Holzwirtschaft ausgelobt.