Die Firma Holcim will weiterhin Regenwasser am Plettenberg in Dotternhausen nutzen. Das stößt in der Gemeinde nicht nur auf Zustimmung.
Zum Ende des Jahres endet die 2008 erteilte wasserrechtliche Erlaubnis der Firma Holcim, Niederschlagswasser aus dem Kalksteinbruch Plettenberg in einem Becken zu sammeln, um es zu nutzen. Deshalb hat das Unternehmen einen Antrag gestellt, die Genehmigung bis 2029 zu verlängern.
Der von der Gemeinde Dotternhausen dazu beauftragte Rechtsanwalt Thomas Burmeister und der Geotechniker Professor Johannes Giere stellten in der jüngsten Gemeinderatssitzung ihre Bewertung der Auswirkungen dieses Antrags auf die Stadt vor – und die seien nicht positiv.
NUZ warnt vor Hochwasser
Der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb (NUZ) hat beim Landratsamt formell Widerspruch gegen die Verlängerung der Genehmigung eingelegt. Er sieht die Gefahr von Hochwasser und mahnt an, Wasser zu sparen. Außerdem fordert er unabhängige Gutachten.
Laut Burmeister sei nicht nur die bloße Verlängerung Gegenstand des Antrags, sondern seit 2008 seien auch zusätzliche Bestandteile mitreingekommen. Künftig soll Dotternhausen deshalb noch mehr als bisher den Fokus auf den Schutz der eigenen Quellen legen.
Mehrkosten für Dotternhausen
Gegebenenfalls müssten auch seitens der Stadt neue mit Kosten einhergehende Schutzvorkehrungen, wie beispielsweise der Kauf von Gittern, getroffen werden, denn es könnte unter Umständen eine erhöhte Steinschlaggefahr, die mit einer erhöhten Verkehrssicherungspflicht einhergehen wurde, drohen. Neue Straßen seien mittlerweile ebenfalls eingezeichnet worden.
„Auf Dotternhausen könnten Mehrkosten von rund zwei Millionen zukommen, das ist kein Pappenstiel. Von daher ist der Schutz der städtischen Quellfassung wichtig“, erörterte Burmeister. Er sieht es als unabdingbar an, dass die Umsetzung der Maßnahmen durch Holcim „Gegenstand eines Monitoring-Verfahrens werden sollen, weil nur dadurch geprüft werden kann, ob die Vorgaben in der Praxis auch eingehalten werden“.
Möglicherweise ist eine Leitung undicht
Zudem gehe laut Giere aus der Datenlage die genaue Grenzziehung zwischen dem Kalksteinbruch und dem städtischen Gelände nicht hervor. „Das Rückhaltebecken dient dazu die Wassermengen zu bündeln und zu kontrollieren, denn der Abfluss sammelt sich schnell in diesem Rückhaltebecken“, erläuterte Giere.
„Die Firma Holcim hat bei der letzten Erlaubnis die Auflage bekommen, nicht mehr als 20 Meter pro Sekunde Wasser abzuleiten. Es kommt allerdings mehr Wasser unten an, was unter Umständen an einer undichten Leitung liegen könnte, was aber auch eventuell absichtlich von Holcim herbeigeführt worden sein könnte“, mutmaßte Giere.
Anwalt weist Konfrontation von sich
Der NUZ argumentiert in seinem Widerspruch gegen die Verlängerung der Genehmigung, dass die gravierende Veränderung der natürlichen Beschaffenheit des Plettenbergs und die weitere Nutzung des Wassers eine allgemeine Gefährdung der Bevölkerung darstelle. Der Verein verweist darauf, dass es in den vergangenen 50 Jahren im Schlichemtal und rund um den Plettenberg bereits mehrere verheerende Hochwasser gegeben habe, so 1975, 2015 und im Mai dieses Jahres, als mehrere Eyachtalgemeinden betroffen gewesen seien.
NUZ kreidet immensen Wasserverbrauch an
Und die Naturschützer verweisen auf den Umwelt- und Klimaschutz: „Es kann nicht angehen, dass sich die Firma Holcim pro Jahr 1 000 000 Liter Wasser zur Reinigung von Fahrzeugen genehmigen lässt, wenn gleichzeitig bei Wasserknappheit sinnvollerweise das Befüllen von privaten Pools, der Verbrauch von Wasser zum Reinigen von privaten Fahrzeugen oder das Gießen von Zierpflanzen bei der Bevölkerung eingeschränkt wird,“ heißt es in dem Einspruch.
„Es geht bei dieser Angelegenheit nicht darum, dass wir mit der Firma Holcim in Konfrontation treten, sondern dass einzig und allein die Interessen von Dotternhausen vertreten werden“, stellte Rechtsanwalt Burmeister klar, der im Verbund mit Giere vom Gemeinderat die Erlaubnis bekam, die Stadt Dotternhausen auch zukünftig zu beraten und zu unterstützen.