Der Hof Sonnenwald in Schernbach versorgt mehr als 100 Menschen in der Region ganzjährig mit Gemüse. Die regionale Verwertung ist aber längst nicht das Einzige, was den Anbau dort so besonders macht.
Die Gemeinschaft Sonnenwald und den zugehörigen Hof bezeichnet Oliver Christ als einen „Lern- und Lebensort“, an dem so einiges anders gemacht wird als bei „normalen“ Landwirtschaftsbetrieben. „Es gibt bei uns keine hierarchische Struktur. Wir treffen Entscheidungen gemeinsam“, sagt Christ über die Gruppe, die sich 2019 gegründet hat und seitdem in Schernbach gemeinschaftlich lebt und wirtschaftet. Jeder in der Gemeinschaft trage die Entscheidungen verantwortlich mit, da der Hofbetrieb genossenschaftlich organisiert sei.
Das gilt auch für den Betriebszweig Gemüsebau, um den sich Christ als Gärtner kümmert. Die Gemeinschaft unterhält einen sogenannten „Market Garden“, in dem ganzjährig Gemüse- und Kräuterkulturen kleinformatig angebaut werden – auf eine besondere Art und Weise.
Anbau auf Bedarf der Pflanze ausgerichtet
Der Anbau ist auf den Bedarf der Pflanze und die Ergonomie des Menschen ausgerichtet“, erklärt Christ. Die 115 Beete auf dem Hof sind alle 24 Meter lang, aber lediglich 80 Zentimeter breit, so dass man bei der Bewirtschaftung breitbeinig darüberstehen kann. Das ist wichtig, weil in dem Garten nur wenige Maschinen zum Einsatz kommen, im Mittelpunkt steht die Handarbeit.
Die Beete werden auch nicht einfach umgegraben, sondern bleiben in ihrer Form stets erhalten. Mit dieser schonenden Bewirtschaftung könne der Boden besser aufgebaut werden, sagt Christ. Und damit der Boden in seiner Beschaffenheit erhalten bleibt, wird er immer geschützt – mit einer Gründüngung oder einer Mulchschicht. Die Qualität des Bodens hat für Christ höchste Priorität: „Je gesünder der Boden, desto gesünder das Gemüse.“
Mehr als 100 Menschen in der Region bekommen die Ernte zu schmecken. Der Hof versorgt sie mit Salaten und Kräutern, aber auch Fruchtgemüse wie Paprikas, Auberginen und Gurken sowie allerlei Kohlsorten. Und das nicht nur in den Sommermonaten, wenn der Garten voll mit reifem Gemüse ist. In den Foliengewächshäusern können die Beete das ganze Jahr über bewirtschaftet werden.
Konzept der Solidarischen Landwirtschaft
Der Anbau wird von den Abnehmern aber nicht nur konsumiert, sondern auch finanziert. Denn der Hof setzt auf das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft. „Unser Betrieb wird durch die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft finanziert und unterstützt“, erklärt Christ die Idee. Heißt konkret: Die Kosten für den Hofbetrieb werden am Ende des Jahres summiert, woraus sich ein monatlicher Richtwert für die Abnehmer ergibt. Aus den 100 Mitgliedern sollen künftig noch mehr werden: „Wir möchten weiter wachsen“, betont Christ.
Tipps für den Gemüseanbau im eigenen Garten
Bodenqualität
Die Qualität des Bodens ist für Oliver Christ das A und O beim Gemüseanbau im „Market Garden“ des Hofs Sonnenwald. Kein Wunder also, dass er auch Hobbygärtnern nahelegt, den Boden ausreichend zu schützen. Getan ist es damit aber noch nicht, wie der Gärtner beim Hof Sonnenwald erklärt.
Schutz
Der Boden sollte nicht zu lange unbedeckt sein, sondern mit einer Mulchschicht geschützt werden, rät Christ. Hier würden sich Wiesenschnitt, Heu oder auch Silage anbieten. Vor allem bei größeren Kulturen, die länger stehen, sollte der Boden gut geschützt werden, erklärt er.
Saatgut
Laut Christ ist es wichtig, gesundes Saatgut zu verwenden, das eine hohe Qualität aufweist. Hier rät der Gärtner zu Anbietern von rein biologischem Saatgut.
Dünger
Sparen sollten Hobbygärtner laut Christ auch nicht beim Dünger. Die Zugabe von Dünger sei ratsam, auch wenn der Boden nicht besonders gut aufgebaut sei. Christ rät dazu, Schafwollpellets einzusetzen. Dieser organische Dünger sei ökologisch gut verträglich.
Jungpflanzen
Um später eine gute Ernte einzufahren, sei es wichtig, gesunde und robuste Jungpflanzen einzusetzen. Diese müssten nicht unbedingt selbst gezogen werden, sondern könnten auch gut eingekauft werden, meint Christ.
Ausprobieren
Zu guter Letzt rät Christ Hobbygärtnern dazu, viel auszuprobieren. Es sei nicht schlimm, wenn mal etwas schief gehe. „Wir probieren auch die ganze Zeit aus“, unterstreicht Christ.