Braumeister und Geschäftsführer Martin Schimpf zeigt den Eisgalgen. Foto: Straub

Brauerei Schimpf kühlt mit Eis. Großer Aufwand und viel Handarbeit. Rohstoffe für das Bier kommen aus der Nähe.

Das sechs Meter hohe, abgesperrte Gerüst im Hof der Brauerei Schimpf in Remmingsheim ist mit großen Eiszapfen behangen. Der jüngste Frost hat das von oben gesprühte Wasser zu massiven Zapfen anwachsen lassen. Beim jetzigen Tauwetter tropfen sie auch im Schatten leicht. Die Brauerei lässt zu ihrem 150. Geburtstag eine Tradition wieder aufleben.

Neustetten-Remmingsheim - Vor der Erfindung von Kühlanlagen Ende des 19. Jahrhunderts wurde beim Brauen mit Eis gekühlt. "Das ist eine komplett ökologische Methode", erklärt Braumeister und Geschäftsführer Martin Schimpf. Mit der Schubkarre wird das Eis in den Braukeller gebracht. "Je größer der Brocken, desto länger hält er", sagt Schimpf. Mit der Aktion will er vor allem zeigen, wie aufwendig vieles früher war. Doch die Eiszapfen dienen allerdings nicht nur der Show: In einem der Keller wird beispielsweise das Brauwasser gerade mit dem Eis von draußen vorgekühlt. Das Wasser fließt nach dem Schmelzen über einen Kanal in den untersten Keller und von dort in den alten Brunnen ab.

Mordernisierter Vorgang

Am Galgen wird bei Temperaturen unter drei Grad Minus nach und nach Wasser von oben aufgetragen, das an den Zapfen hängen bleibt. Diesen Vorgang hat Schimpf etwas modernisiert: Zwei Düsen oben am Gerüst besprenkeln es mit feinem Sprühregen. Was von einem Zapfen tropft, bleibt am nächsten haften. "Das Wasser im Schlauch muss immer fließen", sagt Schimpf. Ansonsten müssen sie leer sein, damit sie nicht einfrieren.

Die Idee, einen Eisgalgen aufzubauen, hat sich Schimpf bei einem Kollegen in Ulm-Söflingen abgeschaut. "Das ist aber fast der einzige in Deutschland, der einen größeren aufbaut", sagt Schimpf. Eigentlich hätte seiner schon vergangenes Jahr in Betrieb sein sollen, doch da war es zu warm. "Vor zehn Jahren habe ich schonmal einen selbst gebaut, aber der ist dann unter der Last zusammengebrochen", erzählt Schimpf schmunzelnd. Nun sei ein Zimmermann mit Tannen aus dem Neustetter Wald am Werk gewesen und habe ein stabiles Gerüst gebaut.

Ob das Eis in Remmingsheim früher tatsächlich mit einem Galgen produziert wurde, sei nicht sicher überliefert. Bis etwa 1900 sei es aber wahrscheinlich, dass seine Vorfahren ihr Eis zumindest teilweise so gewannen, sagt Schimpf. Zusätzliches Eis sei von Eisweihern und vom Neckar geholt worden. "In einigen Rottenburger Eiskellern wurden massive Eisblöcke fürs ganze Jahr gelagert", sagt Schimpf. In einem milden Winter mussten die Brauer wohl einmal sogar bis nach Salzburg fahren, um sich das gefrorene Wasser zu besorgen. "Früher wurden natürliche Ressourcen besser genutzt", befindet Schimpf.

Rohstoffe für das Bier kommen aus der Nähe

Allerdings sei die Kühlung mit Eis ein großer Aufwand und viel Handarbeit gewesen. Seine heutigen Kühlanlagen arbeiten zwar mit Strom, aber energieeffizient. Sie werden mit Ökostrom der Stadtwerke Rottenburg und einer Solaranlage auf dem Dach betrieben. "Die Rohstoffe für unser Bier kommen ebenfalls aus der Nähe", betont Schimpf. Er verwende Hopfen aus Tettnang am Bodensee und nicht die billige Alternative aus Tschechien. Die Gerste komme überwiegend von zwei Landwirten aus Neustetten.

Doch gerade erlebt der Familienbetrieb in der fünften Generation mit der Corona-Krise eine schwierige Zeit. "Gerade fehlt uns vor allem die Gastronomie beim Absatz", sagt Schimpf. Deren Schließung belaste das Geschäft ebenso wie das Ausbleiben von Festen und die allgemeine Kontaktsperre – ganz zu schweigen vom Umsatzbringer Fasnet. "Bier und unsere Erfrischungsgetränke nehmen die Leute in Geselligkeit zu sich, wenn es ihnen gut geht", sagt Schimpf. Im November beispielsweise belief sich der Umsatzrückgang für die Brauerei auf etwa 50 Prozent. Zu wenig für eine große Staatshilfe und doch ein erheblicher Einbruch.

Und in den kommenden Monaten ist keine Besserung in Sicht. Die Mitarbeiter sind seit dem vergangenen Frühjahr in Kurzarbeit. Einige halfen über den Sommer beim Hopfenbauer Bentele in Tettnang aus, zwei weitere sind vorübergehend in einem Supermarkt in Gomaringen in der Getränkeabteilung beschäftigt. "Die Existenz von kleineren und mittleren Betrieben in unserer Branche ist gefährdet", sagt Schimpf.

Das Fest und einen Tag der offenen Tür zum 150-jährigen Bestehen der Brauerei will Schimpf dieses Jahr nach Möglichkeit im September nachholen. "Wir wissen allerdings nicht, wie die Regeln bis dahin sind und ob die Leute kommen", sagt Schimpf. Die derzeitige Unsicherheit mache jede Planung schwierig. Das für den Eisgalgen verwendete Gerüst soll jedenfalls erneut zum Einsatz kommen. Es soll mit Hopfen dekoriert werden und als "Hopfengarten" zum gemütlichen Zusammensitzen bei kühlen Getränken einladen.

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