Am 25. Januar wird der Gemeinderat den Gemeindehaushalt 2024 verabschieden – aber noch steht nicht endgültig fest, welches Gesicht er haben wird. Zudem dürften so manche Posten und Abschreibungen für schlaflose Nächte sorgen.
Jahrelang hat die Gemeinde Nusplingen hohe Summen investiert, fiskalisch auf großem Fuß gelebt und – wenngleich mit Hilfe beträchtlicher Zuschüsse – investive Kraftakte hart an der Leistungsgrenze gewuppt: Ortsdurchfahrt, Sanierung der Festhalle, den Abriss der Samtfabrik, den Backboneausbau der Breitbandversorgung und die Erschließung des Baugebiets Hirtenwiese.
2024 hoffen Verwaltung und Gemeinderat, einmal „aufatmen“ und „durchschnaufen“ zu können – so formulierte den Sachverhalt Gemeinderat Peter Reiser in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, in der der Haushaltsplan eingebracht wurde. Kämmerer Thomas Kech rechnet mit einer gewissen „Entspannung“.
Entspannung? Der Begriff ist relativ!
Allerdings scheint die Entspannung eine relative zu sein: Noch stehen Bauabschnitt drei der Ortsdurchfahrtsanierung, sowie die Schlussabrechnungen für Bauabschnitt zwei und für die Festhalle aus; dafür wird auch 2024 der größte Teil der investiven Mittel verwendet werden. Die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst geht auch ins Geld, und die Einnahmen aus der Gewerbesteuer setzt der Kämmerer lieber vorsichtig mit 400 000 Euro an. Auch die Abschreibungen sind geeignet, schlaflose Nächte zu bereiten – allerdings gab Bürgermeister Jörg Alisch zu bedenken, dass die Nusplinger sich mit diesem Problem in guter und keineswegs kleiner Gesellschaft befänden.
Was wollen sich die Nusplingen wirklich leisten?
Unter diesen Umständen müssen sich die Nusplinger gut überlegen, wie viel sie sich darüber hinaus leisten wollen. Bei der Einbringung des Haushalts ist das noch nicht so recht klar geworden. Kann die Felssicherung bei der Mariengrotte bereits in diesem Jahr begonnen und abgeschlossen werden – oder wird sich die Maßnahme bis 2025 hinziehen? Die Kosten werden mit 300 000 Euro veranschlagt; Alisch vertrat im Dezember den Standpunkt, dass diese Summe die Möglichkeiten der Gemeinde überfordere – er hätte gerne auch die katholische Kirche im Boot. Die Hälfte der Kosten könnte sie seiner Meinung nach schon übernehmen.
Dafür gibt man gerne Geld aus – denn es kommt wieder rein
Ein weiterer potenzieller Posten im Finanzhaushalt sind die Solaranlagen. Eigentlich eine Sache, für die man gerne Geld ausgibt, weil es über die verringerte Stromrechnung wieder in die Kasse hereinkommt. Aber auch rentierliche Ausgaben wollen finanziert sein; mithin stellt sich die Frage, ob und falls ja in was für Tranchen investiert wird. Davon, wie die Antwort ausfällt, hängt es ab, ob der Finanzierungsmittelbedarf über vier Millionen Euro beträgt oder ob er eine halbe Million niedriger liegen wird.
Man darf gespannt sein, welche Lösung die Nusplinger Gemeinderäte am 25. Januar für diese Probleme finden. Für 2023 hatte der Gemeinderat der Verwaltung die Aufnahme eines Kassenkredits von zwei Millionen Euro bewilligt; sie hat von dieser Lizenz keinen Gebrauch gemacht. Ob sie das 2024 auch schafft, erscheint eher fraglich; der Bürgermeister hat schon angemerkt, dass die derzeitige Nusplinger Schuldenfreiheit eine „Momentaufnahme“ und nicht für die Ewigkeit gemacht sei.
Sollte sich der Gemeinderat am 25. Januar für eine offensivere Linie und gegen das „Durchschnaufen“ entscheiden, könnte diese Momentaufnahme schnell Geschichte sein.