Ganz viel gute Laune: David, Fabian, Jonathan und Lukas Hanke (v. li. n. re.) Foto: HB/WP Steinheisser

Die vier Brüder aus Sindelfingen sind das wohl skurrilste Quartett der klassischen Musik. Mit neuen Kompositionen für Blockflöte, Tuba, Bratsche und Klavier erobern die Hanke Brothers spielend neues Publikum: ein Phänomen.

Ein Ehepaar, ein Sofagespräch. „Können Geiger nur geigen und Trompeter nur blasen?“ Loriot hat Evelyn Hamann diese wirklich wichtige Frage schon in den 1980er Jahren in den Mund gelegt, aber erst vier Jahrzehnte später deutet sich endlich eine Antwort an. Sie kommt von einem Ensemble aus Sindelfingen, dessen Mitglieder erstens Brüder sind, zweitens vier sehr unterschiedliche klassische Instrumente studiert und drittens 2017 ein Klavierquartett gegründet haben. Allerdings ein besonderes: David Hanke spielt Blockflöte, Lukas Hanke Bratsche, Fabian Hanke Tuba, Jonathan Hanke Klavier, und zusammen sind sie: die Hanke Brothers. Eine klassische Boygroup mit skurriler Besetzung, einer großen regionalen Fangemeinde und mit dem Ziel, in Konzerten und durch Musikvermittlung neues Publikum für klassische Musik zu begeistern.

 

Klassische Musik? Das ist Definitionssache. Originalwerke für Blockflöte, Bratsche, Tuba und Klavier gibt es nicht. Zunächst haben sich die Brüder mit Arrangements beholfen. Dann hat Jonathan Hanke Noten für sich und die Brüder zu Papier gebracht, und bei anderen Komponisten hat man Werke in Auftrag gegeben. Mittlerweile sind über 30 Stücke für die Hanke Brothers entstanden, mehr als vier Stunden Musik. Allein Aleksey Igudesmans „7 Continents“, ein Werk über die sieben Kontinente, dauert 75 Minuten. Es ist Ende Oktober zu hören, beim „Heimspiel“-Festival in Sindelfingen, das die Brüder selbst gründeten, um ohne Druck Neues ausprobieren zu können. Und um etwas zurückzugeben an ein Publikum, das sie von Anfang an gefördert und gefeiert hat. „Regional ist das neue International“: Für David gilt das spätestens seit der Coronapandemie.

Probensaal und Büros im Elternhaus

Von Anfang an war für die heutige GbR das Zuhause ein zentraler Ort: Dort wuchsen die Musiker als Söhne des Landeskirchenmusikdirektors Matthias Hanke und seiner Frau Theresia, einer Geigerin und engagierten Pädagogin, auf, sangen früh in Kinder- und Jugendchören, waren umgeben von Musik, und es war nie die Frage, ob sie Musiker werden – nur, mit welchem Instrument.

Heute beherbergt das Elternhaus Probensaal und Büros der Hanke Brothers, die mittlerweile auch ein paar Minijobber beschäftigen. Und seitdem die Brüder beschlossen, das gemeinsame Musizieren zu professionalisieren (laut Lukas, „weil wir uns wiedersehen wollten“), hat der eine oder andere von ihnen zeitweilig wieder dort gewohnt. Während der Pandemie waren sie dort sogar alle zusammen coronapositiv.

„Manches groovt anders, wenn wir vier es machen“, sagt Jonathan, der komponierende Pianist, der bei Noam Sivan in Stuttgart klassische Klavierimprovisation studiert. In seinen Stücken lässt er der Musik gerne Spielraum für Spontanes. Ist das dann Neue Musik? Musik müsse Flow haben, eine klare Idee, verständlich sein, dann sei es egal, welches Etikett draufklebe. „Klassik und Neue Musik müssen nicht wehtun“, sagt Jonathan. „Wenn wir Musik nicht fühlen, können wir sie nicht spielen“, sagt David. „Wenn wir keinen Zugang kriegen, kriegt das Publikum ihn auch nicht“, sagt Fabian. Und Lukas? „Wir kommen von der Klassik, wollten aber nicht nur ein Cross-over-Haufen sein, der unter Bach-Nummern Beats setzt.“

Nicht nur Beats unter Bach, sondern ernst zu nehmende Kammermusik

Die Hanke Brothers wollen ernst genommen werden und sich gleichzeitig nicht einschränken lassen. Sie wollen die Musik machen, die sie lieben – in aller Vielfalt (und demnächst komplett auswendig). Daneben stehen zahlreiche Projekte der Musikvermittlung, zuletzt am Staatstheater, beim Schauspiel und im Ballett.

Fehlt noch die Antwort auf Loriots Frage: Können Geiger nur geigen, Trompeter nur blasen? Bei einem Ensemble aus „drei Mobbing-Instrumenten und einem Mainstream-Instrument“ (Jonathan), dessen Tubist als Geiger begann, dessen Bratscher auch Schlagzeug spielt, dessen Flötist auch Posaune spielte und außerdem tanzt, liegt sie auf der Hand. Die Zukunft ist rosig; man erwartet sie gelassen. „Ob wir“, sagt David Hanke, „dieses Jahr in der Elbphilharmonie spielen oder nächstes, ist am Ende auch egal.“

Die Hankes beim Katholikentag in Stuttgart

„re:requiem“
Geistliches Poetry-Konzert rund um Mozarts Requiem mit Timo Brunke und dem Chor Rondo vocale (26. Mai, 15 Uhr, St. Konrad).

Vernissage Musik zur Ausstellung „Vulnerable – Verletzlich“ (27. Mai, 19.30 Uhr, St. Maria).

Tanz Open Air mit Gauthier Dance (28. Mai, 16.30 Uhr, Marktplatz)

Mitmachkonzert
„Hanke Brothers & Friends“ mit Eric Gauthier (Gitarre, Gesang) (28. Mai, 20 Uhr, Stiftskirche)

Informationen unter www.hankebrothers.de ben