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Haigerloch Szenen aus einer entschwundenen Welt

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Das Haag von Sinnen: Beim Happening-artig inszenierten Geschichtsunterricht am Samstagabend im früheren jüdischen Viertel der Stadt faszinierten vor allem die Bildprojektionen an Hauswänden. Schüler und Schülerinnen stellten jüdische Geschichte dar und die Band "NYX" sorgte vor der Synagoge für Musik. Foto: Fechter/Kost

Haigerloch - Ein perfekter Sommerabend. Er lädt dazu ein, sich vor den Häusern auf einen Schwatz mit Nachbarn und Freunden zu treffen. Solche sorglosen Abende haben auch die jüdischen Bewohner im Haag einmal erlebt. Am Samstag wurde deren Zeit wieder lebendig.

Zu verdanken war dies einem Projekt des Hauses der Geschichte mit Realschule und Gymnasium. Rund 40 Schülerinnen und Schüler ließen durch Lieder, ein kleines Schauspiel und vor allem Bildprojektionen an Gebäuden eine versunkene Zeit für einen Abend auferstehen und boten damit den Haigerlochern eine ungewöhnliche Veranstaltung. Und das Angebot dieser "Geschichtsstunde" in einer wunderbaren Sommernacht wurde sehr gut angenommen.

Grit Keller vom Haus der Geschichte stellte das Projekt vor und dankte allen Beteiligten sowie den Haag-Bewohnern, die sich auf die außergewöhnliche Aktion eingelassen haben. Dem Dank schlossen sich Bürgermeister Heinrich Götz, Gymnasiumsdirektor Helmut Opferkuch und Klaus Schubert vom Gesprächskreis Ehemalige Synagoge an.

Nach diesen kurzen Reden wurde der Platz vor der Synagoge zur Freiluft-Bühne. Eine Gruppe Schüler sang eingangs das traditionelle jiddische Wiegenlied "Shlof, mayn feygele" ("Schlaf, mein Vögele"). Ein kleines Schauspiel unter dem Titel "Haigerlocher Heimattage" erzählte die Geschichte der jüdischen Besiedlung im Haag unter Fürst Josef-Friedrich von Hohenzollern (1715 bis 1769). Zwei Schüler hatten das Lied "Leb’ wohl, du kleine Gasse", das der jüdische Liederkranz 1932 zur Verabschiedung des Bürgermeisters Leopold Bausinger sang, in einen Rap umgewandelt. Zur Unterhaltung spielte auch die Band "NYX".

"Hauptdarsteller" des Abends waren aber zweifellos die Bildprojektionen an verschiedenen Hauswänden im Haag. Alltagsszenen, Feste, Ausflüge, Honoratioren und Hausfrauen: Die Bilder entführten in eine Welt, die es schon lange nicht mehr gibt und an die sich auch immer weniger Menschen erinnern können. Wo möglich, wurden die Szenen wurden an die Gebäude projiziert, vor oder in denen sie entstanden sind.

Die Schüler wurden nicht müde und erzählten den zwischen den zwölf Stationen umherwandernden Publikum immer wieder von den früheren Haag-Bewohnern und deren Geschichte: sei es von der Familie von Gustav Spier, dem letzten jüdischen Lehrer in Haigerloch, der ehemaligen Rose-Wirtin Julie Levi oder vom Tauben-Sally Ullmann. Spannend war auch ein Schwarz-Weiß-Film, der in den 20er Jahren in Haigerloch entstanden ist und auf dem früheren Gasthauses "Rose" einen Eindruck von der Stadt zu jener Zeit gab.

Auch als die Schüler ihre Ausführungen beendet hatten, standen noch lange einzelne Gruppe im Haag beieinander und diskutieren rege.

Bleibt zu wünschen, dass dies, wie der in Ruhestand gehende Gymnasiumschef Helmut Opferkuch anregte, nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen dem Haus der Geschichte und den Haigerlocher Schulen war. Klaus Schubert vom Gesprächskreis Ehemalige Synagoge schenkte den Schüler als kleines Dankeschön für ihr Engagement das Büchlein "Jüdisches Haigerloch".

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