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Gruppenvergewaltigung in Freiburg Hauptverdächtiger womöglich Wiederholungstäter

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Im Fall der Freiburger Gruppenvergewaltigung wurden neue Details bekannt. Foto: Ralf Deckert

Freiburg/Stuttgart - Der Haftbefehl war da, aber der Täter noch auf freiem Fuß: Der mutmaßliche Hauptverdächtige im Fall der Freiburger Gruppenvergewaltigung hat vermutlich weit mehr auf dem Kerbholz als bisher bekannt war. Er soll beispielsweise im vergangenen Jahr zusammen mit einem weiteren der aktuellen acht Tatverdächtigen und einem dritten, aktuell nicht beteiligten Mann, in seiner eigenen Wohnung an einem ähnlich gelagerten Sexualdelikt an einer 20 Jahre alten Frau beteiligt gewesen sein. Das hat Staatsanwalt Michael Mächtel am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz der Freiburger Ermittlungsbehörden mitgeteilt. Die Beweislage habe aber damals noch nicht für einen Haftbefehl ausgereicht, es habe lediglich ein „einfacher Tatverdacht, nicht aber ein dringender Verdacht“ bestanden.

Der mittlerweile 22-jährige habe dennoch zuletzt längst als Intensivtäter gegolten, gegen den auch wegen Drogenhandels und Körperverletzung in großem Umfang verdeckt ermittelt wurde. Er soll unter anderem im Frühjahr in einem Freiburger Schwimmbad einen Behinderten mit dem Baseballschläger verprügelt haben und bereits in der Vergangenheit mehrere Sexualdelikte begangen haben. Zuletzt habe man alle Verfahren zusammenführen und am 10. Oktober einen Haftbefehl erwirken können, so Kriminaldirektor Bernd Belle vom Freiburger Polizeipräsidium. Eine Hausdurchsuchung und die Verhaftung seien in Vorbereitung gewesen. Verhaftet wurde der Mann unter anderem deshalb nicht, da man nicht wusste, wo er steckte und sich einen Hinweis von seinem Vermieter erhoffte, falls der Mann wieder auftauchen sollte.

So ergab sich für den mittlerweile 22-jährigen die Möglichkeit, in der Nacht zum 14. Oktober einer 18-Jährigen in einer Freiburger Disko Extasy zu verkaufen, ihr vermutlich ein Getränk mit K.O.-Tropfen unterzujubeln und die junge Frau dann zu vergewaltigen. Mittlerweile ist klar: Es gab zusätzlich zu den acht mittlerweile verhafteten Männern mindestens zwei weitere, derzeit noch unbekannte Täter, deren DNA-Spuren am Opfer festgestellt wurden. Seit Freitag weiß die Polizei von diesen Treffern des Landeskriminalamts Stuttgart, wo die Spurensuche auf Hochtouren läuft. Nach wie vor sei es schwer zu sagen, wie viele Täter es in dem Fall tatsächlich gibt, so Belle. Drei der Verdächtigen seien zudem vermutlich mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK beziehungsweise deren Ableger YPG in Syrien in Verbindung gestanden und hätten im Internet mit Schusswaffen für die Kamera posiert.

Der Fall der jungen Frau erregt weiter größte mediale Aufmerksamkeit, selten waren so viele Kamerateams bei einer Pressekonferenz in Freiburg zu sehen wie an diesem Freitag: zur Freiburger Sicherheitslage befragt, musste Polizeipräsident Bernhard Rotzinger einräumen, dass die Zahl der Sexualdelikte in der Stadt anders als in anderen, rückläufigen Deliktfeldern im laufenden Jahr „stark angestiegen“ sei. Dies habe aber vermutlich auch mit dem verschärften Sexualstrafrecht und einer gestiegenen Anzeigebereitschaft seitens der Opfer zu tun, so Rotzinger. Genaue Zahlen erwarte man zum Jahreswechsel mit der Kriminalstatistik. Die Stadt sei nicht „sicher wie eine Vollkaskoversicherung“, die Sicherheitspartnerschaft mit dem Land werde ausgebaut, dazu wolle man kommende Woche weitere Details nennen. Etwa die Hälfte der Tatverdächtigen Sextäter seien übrigens Ausländer, die aber nur rund 17 Prozent der Wohnbevölkerung in der Stadt ausmachen und somit deutlich überrepräsentiert seien unter den Tatverdächtigen.

Deutlich spürbar war bei der Pressekonferenz, dass die Ermittler sauer sind über eine mögliche undichte Stelle, die Ermittlungsakten an die Boulevardpresse „geleakt“ haben muss. Er hoffe, dass dadurch keinem Tatverdächtigen die Möglichkeit zur Flucht gegeben worden sei, so Michael Mächtel. Der Frage, wo die undichte Stelle zu finden ist, wichen er und Bernhard Rotzinger aber aus. Unterdessen hat die Opposition im Landtag jedoch den Druck auf Innenminister Thomas Strobl (CDU) erhöht: Während die Freiburger SPD-Landtagsabgeordnete von dem Minister „eine lückenlose Aufklärung“ des Falls forderte, mahnte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke Strobls Rücktritt an, da dieser mit der Situation in Freiburg offenbar „vollkommen überfordert“ sei. Strobl hatte zuletzt eine weitere Stärkung der Freiburger Polizei angedeutet und betont, man werde „Freiburg nicht allein lassen“. Am Freitag konkretisierte er, dass fünf zusätzliche Ermittler nach Freiburg geschickt werden sollen und die Reiterstaffeln in der Stadt ausgebaut werden sollen. Er hoffe zudem die Stadt ihren Vollzugsdienst ausweiten werde, so der Minister, der auch “Fahndungs- und Sicherheitstage” mit zusätzlichen Razzien und Präventionskonzepten für die Stadt in Aussicht stellte. Das Land plane zudem, in Freiburg eine erste Außenstelle des “Sonderstabs gefährliche Ausländer” am Regierungspräsidium einzurichten. Die Freiburger Grünen im Gemeinderat haben zudem gefordert, das Frauennachttaxi in Freiburg auszubauen.

Zum Tathergang berichtete Bernd Belle am Freitag noch, dass das Opfer „nach und nach“ über Stunden von mindestens acht Männern vergewaltigt und misshandelt worden sei. Der genau Tathergang sei immer noch Gegenstand der Ermittlungen. Am Tag nach der Tat habe das Opfer in Begleitung einer Freundin bei der Polizei in Waldkirch/Kreis Emmendingen Anzeige erstattet. Die junge Frau werde betreut und sei „stabil“, so Belle weiter. Den großen Medienrummel um die Tat empfinde sie aber als zunehmende Belastung. Fünf Tage nach der Anzeigeerstattung habe man einen ersten DNA-Treffer gehabt, am Tag darauf habe man den 22-jährigen Hauptverdächtigen verhaftet und in den fünf Folgetagen dann auch seine sieben bisher bekannten mutmaßlichen Mittäter: sechs Syrer im Alter zwischen 19 und 29 Jahren und einen 25-jährigen Deutschen. Lediglich zwei der Männer seien nicht vorbestraft, so Mächtel am Freitag. Alle anderen seien durch Gewalt-, Drogen- und teilweise auch Sexualtaten schon vorher aufgefallen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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