Entlang der Europaallee im Schilterhäusle soll das neue Stadtviertel Lämmlisgrund entstehen. Die Pläne im Zentralbereich der Doppelstadt müssen nun aber deutlich angepasst werden. Foto: Marc Eich

Als ein wichtiges Zukunftsprojekt war das neue Wohngebiet Lämmlisgrund gestartet. Nun muss die Stadt die großen Pläne im VS-Zentralbereich deutlich rasieren. Das liegt auch an den Grundstückseigentümern, die sich quer stellen.

Vor fünf Jahren stellte die Stadt die großen Pläne vor: Ein neues Wohngebiet zwischen Villingen und Schwenningen soll eine der zentralen Maßnahmen für das Zusammenwachsen der beiden Stadtteile werden und dabei auch für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Bis zu 3000 Menschen sollten dort auf rund 27 Hektar ihre neue Heimat finden.

 

Doch nun kehrt Ernüchterung in die Amtsstube ein. Der Lämmlisgrund muss deutlich rasiert werden. Dies geht aus den Unterlagen für die Stadträte hervor. Die Stadtverwaltung hatte bereits im vergangenen Sommer angedeutet, dass die Umsetzung des Projekts stockt. Grund dafür sind die fehlenden Flächen.

Zentrale Gebiete in privater Hand

Denn ein Teil des Areals, insgesamt umfasst das ursprüngliche Gebiet die Größe von 38 Fußballfeldern, entlang der Europaallee im Schilterhäusle ist nicht gänzlich in Besitz der Stadt. Angaben der zuständigen Ämter zufolge, wollte drei Eigentümer von favorisierten Bebauungsflächen diese nicht verkaufen. Zumindest nicht für den Preis, der von einem Gutachtern hierfür bestimmt worden sein soll.

Im Mittelpunkt der Verhandlungen mit den Eigentümern standen demnach rund fünf Hektar. Darunter waren auch „zentralen Grundstücke für die Umsetzung des Gesamtgebietes“. In Betracht kam deshalb, so hatte die Stadt im August erklärt, ein „Instrument der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme zum Grunderwerb“ – was nichts anderes als eine Enteignung gewesen wäre.

Verhandlungen nicht zu Ende gebracht

Bei einem öffentlichen Interesse werde dann „die Durchführung komplexer städtebaulicher Maßnahmen ermöglicht“, um „damit zur Beschleunigung der Baulandmobilisierung oder zur Umnutzung städtebaulicher bedeutsamer Flächen“ beizutragen. Doch obwohl die Deadline bereits im Oktober ausgelaufen ist, kommt es nicht so weit.

Die Verwaltung erklärt in der Vorlage für die Stadträte, warum: Im vergangenen Sommer schien ein Abschluss der Verhandlungen zunächst „in greifbarer Nähe“, aber aufgrund „weiterer Forderungen der Grundstückseigentümer“ hätten diese dann doch nicht zum Ende gebracht werden können.

Wohl keine Gründe mehr für Enteignung

Dass eine Enteignung trotzdem nicht mehr in Erwägung gezogen wird, liegt an den „veränderten Rahmenbedingungen des Bausektors“ – die Kosten sind explodiert, Neubauvorhaben liegen vielerorts deshalb auf Eis. Die Stadt vermutet daher, dass nicht mit einer zügigen Entwicklung der Gesamtmaßnahme zu rechnen ist. Dies wäre nach Angaben der Stadt aus rechtlicher Sicht aber ein wesentliches Kriterium, um Enteignungen zu rechtfertigen.

Hinter den Kulissen können sich die Grundstückseigentümer im Zentralbereich die Schadenfreude wohl nicht verkneifen. An unsere Redaktion wurden Informationen herangetragen, wonach die Verhandlungsführung durch die Verwaltung keinesfalls von Wertschätzung geprägt gewesen sein – „von oben herab“ habe man versucht, die Eigentümer zum Kauf zu drängen. Und das mit Angeboten, die keine Verhandlungsgrundlage gewesen sein sollen. Eine Meinung, die im Gegensatz zu den Angaben der Verwaltung steht.

Statt 27 sind es jetzt nur noch 10,5 Hektar

Die Schlussfolgerung aus dem städtischen Dilemma damit ist jedenfalls klar: Keine Enteignungen, dafür soll der Lämmlisgrund deutlich rasiert werden. Statt der bislang 27 Hektar soll das Wohngebiet nur noch 10,5 Hektar umfassen. Das hat auch Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Wohngebiets.

Eigentlich sollte das große Areal wie ein eigener Stadtteil mit einer Fußgängerzone als Zentrum gestaltet werden. Angedacht war – zumindest in der Ursprungsplanung – ein Gemeindezentrum mit Bürgertreff, medizinischer Versorgung, Seniorenwohnen, Gastronomie, Büros, Hotel und auch ein Vollsortimenter- sowie ein Discountmarkt. Also Infrastruktur, die dem Zentralbereich bislang noch fehlt.

Eine Grundschule soll trotzdem kommen

Mit dem Verlust der Fläche ist nach Angaben der Stadtverwaltung die Schaffung von Wohnraum – für verschiedene Nutzergruppen vom Einfamilienhaus bis hin zum Geschosswohnungsbau –, die Umsetzung einer Grundschule sowie die Schaffung einer zentralen Fläche als Quartierstreffpunkt möglich. Von den zunächst anvisierten 1300 Wohneinheiten dürfte aber nur noch ein Bruchteil über bleiben.

Die Stadträte werden nun zunächst im Technischen Ausschuss am Dienstag darüber entscheiden, wie es mit dem Lämmlisgrund weiter geht.