Nicole Hoffmeister-Krauts Riesen-Grundstück in Balingen wird neu bewertet. Auch mehr als 100 weitere Grundstücke im Raum Balingen sind neu eingestuft worden.
Jetzt gibt’s Klarheit: Landes-Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut (CDU) muss deutlich mehr Grundsteuer für ihr Villen-Wald-Grundstück in Balingens Engelestäle bezahlen. Das bestätigte Günter Braun, der Leiter des Gemeinsamen Gutachterausschusses für den Mittelbereich Balingen gegenüber unserer Redaktion. „Ja, das Grundstück wurde wie geplant neu bewertet und in zwei Hälften aufgeteilt“, erklärte er.
Großer Wirbel um das Video mit dem Villengrundstück
Das Grundstück hatte die vergangenen Tage mächtig Wirbel ausgelöst und für heftige Debatten in der Gartenschau-Stadt gesorgt. Ein YouTube-Filmer aus Balingen hatte aufgedeckt, dass das Riesen-Areal der Politikerin (8000 Quadratmeter) nach der neuen Grundsteuerreform quasi zu einem Spottpreis besteuert werden sollte. Zumindest nach den offiziellen Angaben auf dem Landes-Portal BorisBW, bei dem Bürger ihr Grundstück einsehen können und erfahren, welche Bodenrichtwerte dort gelten.
Wirklich nur 24 Euro Grundsteuer für das Grundstück?
Im Video war vorgerechnet worden, dass Hoffmeister-Kraut für die Riesenfläche rund um die Villa von ihr und ihrem Mann nur rund 24 Euro Grundsteuer pro Jahr bezahlen müsse. Dies, weil das Areal beim Bodenrichtwert nur mit 60 Cent pro Quadratmeter eingestuft werde, statt mit 305 Euro, wie die Nachbargrundstücke im Engelestäle.
Duckmäuser bei der Stadt Balingen?
Der YouTuber Simon Prestel hatte auch spekuliert und behauptet, dass die Stadt Balingen offenbar „bei großen Namen“ nicht so genau hinschaue. „Vorauseilender Gehorsam gegenüber Lokalprominenz“ unterstellte er der Stadtverwaltung. Diese wiederum reagierte stocksauer und wies die Behauptung gegenüber unserer Redaktion deutlich und scharf von sich. In Balingens Rathaus gebe es „kein Duckmäusertum“.
Debatte schwappt auch in die überregionale Presse
Die Debatte in Balingen erreichte schließlich auch die überregionalen Medien. Klar, wenn eine Landesministerin örtlich in die Schusslinie gerät. Zum Beispiel „Bild“ und „Focus“ berichteten und stützten sich dabei auf die Berichterstattung unserer Redaktion.
Weniger Steuern? „Das wäre nicht fair“, sagt die Ministerin
Die Ministerin selbst hatte sich auf Nachfrage unserer Redaktion schriftlich zu dem Fall und dem kursierenden Video geäußert: „In ganz Deutschland wird gerade die Grundsteuer neu berechnet. Das ist auch bei uns so. Auf die Bewertung haben wir, wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger, keinen Einfluss. Sollten mein Mann und ich durch die Neubewertung in Zukunft weniger Grundsteuer zahlen als bisher, empfinden wir das als nicht fair.“
Genaue neue Summe ist noch unklar
Wie viel sie nun bezahlen müssen, ist noch nicht ganz klar. „Das Grundstück ist nun geteilt worden, in zwei Hälften“, erklärt Günter Braun vom Gutachterausschuss. Der obere Bereich (Wald) bleibe beim Bodenrichtwert von 0,60 Euro pro Quadratmeter, der untere (Villa und Garten) sei bei 305 Euro pro Quadratmeter eingestuft. Das sieht man auch beim Landesportal BorisBW.
Exakte Größe bald für jeden einsehbar
Wäre das ganze 800-Quadratmeter-Grundstück zum Bodenwert von 305 Euro berechnet worden, müssten Hoffmeister-Krauts jährlich rund 8500 Euro Grundsteuer bezahlen. Da der Villa/Garten-Bereich mehr als die Hälfte des neu festgesetzten Bereichs ausmacht, dürfte die Grundsteuer grob geschätzt bei etwa 4500 – 5000 Euro liegen. Deutlich mehr als der im Video angeprangerte Satz von 24 Euro. Die genaue Größe der beiden Grundstückshälften werde in den nächsten Tagen im BorisBW-Portal einsehbar sein, sagt Gutachterausschuss-Leiter Günter Braun.
Mehr als 100 Grundstücke werden neu bewertet
Hoffmeister-Krauts sind nicht die Einzigen, die eine Neubewertung ihres Grundstücks erwartet. Mehr als 100 Grundstücke mit bislang nicht ganz eindeutigen Zuordnungen seien ebenfalls bei der Änderung berücksichtigt worden, sagt Günter Braun. Sie alle liegen im Wirkungsbereich des Ausschusses, der neben Balingen auch für Geislingen, Rosenfeld, Schömberg und viele weitere Gemeinden zuständig ist.