Der Klosterweiher ist derzeit gesperrt, weil darin Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde. Foto: Helen Moser

Nach wie vor ist der St. Georgener Klosterweiher gesperrt, weil sich allem Anschein nach noch Weltkriegsmunition darin befindet. Bald sollen Spezialtaucher die restlichen Granaten aus dem See bergen. Doch wie viel Munition dort noch liegt, weiß keiner so genau.

Eigentlich sollte es für die Einsatztaucher der Ortsgruppe St. Georgen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eine ganz normale Nachtübung werden, als sie sich am vergangenen Mittwoch nach Einbruch der Dunkelheit in den Klosterweiher wagten. Doch nach 40 Minuten – früher als geplant – war die Übung vorbei. Stattdessen riefen die Taucher die Polizei. Denn sie hatten Granaten im Klosterweiher entdeckt. Torben Engesser erinnert sich gut an die Vorkommnisse. Er leitete die Übung, bei der die Munition zutage gefördert wurde.

 

Zunächst, sagt Engesser im Gespräch mit unserer Redaktion, habe man sich nichts Böses gedacht: Am Grund des Weihers hatten zwei Taucher Gegenstände aus Metall ertastet. Dass es sich dabei um Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg handelte, war zu diesem Zeitpunkt noch keinem klar. Denn im vergleichsweise trüben Wasser des Weihers und bei Dunkelheit konnten die Einsatztaucher kaum etwas sehen und die Rohre lediglich ertasten. „Es war etwas aus Metall, das spitz ist und einem Schwimmer gefährlich werden könnte“, schildert Engesser. Daher wurden die etwa 40 Zentimeter langen Metallrohre geborgen und an Land gebracht.

Schreck kommt auf den zweiten Blick

Doch auch dort war den Anwesenden nicht sofort klar, was sie da vor sich hatten, wie Engesser erzählt: „Das erste Teil war so verschlammt und verdreckt, dass man gar nicht erkennen konnte, was es ist.“ Erst beim Anblick der zweiten Granate realisierten die Einsatztaucher der DLRG, welchen Fund sie gemacht hatten.

Zwei Weltkriegsgranaten haben Taucher der DLRG-Ortsgruppe St. Georgen bei einer Nachtübung im Klosterweiher gefunden. Foto: DLRG-Ortsgruppe

„Wir haben sie dann im Rasen abgelegt, die restlichen Taucher aus dem See geholt und uns hinter das Gebäude zurückgezogen – für alle Fälle“, erinnert sich Engesser, für den der Fund „schon erst mal ein Schreck“ war. Für Panik blieb allerdings keine Zeit – immerhin hatte Engesser als Übungsleiter die Verantwortung für die neun Personen der DLRG-Ortsgruppe, die vor Ort waren. „Wie sagt man? Puls und Blutdruck waren vorhaben“, scherzt er im Nachhinein.

„Keine Details zur Menge der Munition“

Neben den beiden Sprenggranaten, welche die Einsatztaucher aus dem Klosterweiher geborgen haben, liegen wohl noch weitere auf dem Grund des Sees. Wie viele? Das ist bislang unklar. Dem Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD), welcher die beiden gefundenen Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg am vergangenen Donnerstag mitgenommen hat, seien „keine Details zur Menge der Munition“ bekannt, teilt Andrea Panitz, Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, dem der KMBD zugeordnet ist, auf Anfrage mit.

Auch Engesser von der DLRG-Ortsgruppe meint im Gespräch: Wie viel Munition noch im Weiher liege, „können wir schlecht einschätzen“. Die beiden Taucher, die den Fund machten, „meinten, dass sie jeweils noch mal mindestens ein Metallrohr ertastet haben“, schildert er.

Klosterweiher bleibt weiterhin gesperrt

Wie viele Granaten noch im Klosterweiher liegen, wird sich daher wohl erst klären, wenn die Spezialtaucher des KMBD nach St. Georgen kommen. Dieser Einsatz ist aktuell in Planung. Wie Bürgermeister Michael Rieger am vergangenen Donnerstag sagte, ist damit frühestens 14 Tage nach dem Fund zu rechnen. Mindestens bis dahin bleibt auch der Klosterweiher auf jeden Fall noch gesperrt.

Was man sich für den Ernstfall merken sollte

Verhaltensregeln
Weil von Munition, die in Baden-Württemberg immer wieder auf Privatgrundstücken oder an öffentlich zugänglichen Orten gefunden wird, eine Gefahr ausgeht, hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart Verhaltensregeln für den Ernstfall aufgestellt: Zunächst sollten die betreffenden Gegenstände, wie es in einer Handreichung heißt, „niemals bewegt, aufgenommen oder angefasst werden“. Gegebenenfalls ist ein Sicherheitsabstand empfehlenswert. Die Identifizierung und weitere Behandlung der gefundenen Munition muss dem KMBD überlassen werden. Wer eine Entdeckung macht, sollte sie daher unverzüglich der Kommune als zuständiger Ortspolizeibehörde oder der nächstliegenden Polizeidienststelle melden. Diese wiederum wenden sich an den KMBD. „Verdächtige Gegenstände dürfen – da sie auf keinen Fall bewegt werden dürfen – nicht zur Ortspolizeibehörde oder auf die Polizeidienststelle gebracht werden“, heißt es vonseiten des KMBD. Der Fundort muss so abgesichert werden, „dass es Unbefugten nicht möglich ist, an den verdächtigen Gegenstand heranzukommen“.