Das „Judenbad“, einst CVJM-Heim, ist ein Stück Stadtgeschichte inmitten der Wildberger Kernstadt. In diesem Keller in der Badgasse verstecken sich Inschriften und fesselnde Erkenntnisse über die Vergangenheit. Erst vor kurzem konnte die Historie noch einmal neu beleuchtet werden.
Bereits vor einigen Jahren erwarb die Stadt Wildberg das sogenannte „Judenbad“. Sie räumte den „einzigartigen Keller“ leer und erst dadurch konnte die Inschrift „Judenbad“ erstmals komplett freigelegt werden. Herbert Bantle, Sprecher des Arbeitskreises Museum und Heimatgeschichte, hatte diese Maßnahme angeregt.
Auf Initiative von Timo Roller und Ulrich Romberg wurde die Inschrift mit Hilfe von Jan Ilas Bartusch von der Forschungsstelle Deutsche Inschriften in Heidelberg genau unter die Lupe genommen und neu gedeutet.
Und sie erlangten spannende Erkenntnisse: Die bisherige Deutung der Inschrift mit „J 6015“ als Jahreszahl 1366 nach jüdischem Kalender sei nicht korrekt. Ausführungen von Schriftexperten, Bauart und Zustand des Hauses deuten auf die Jahreszahl 1615 hin – da waren die Juden allerdings längst aus Wildberg vertrieben (1498 durch Württembergs Herzog Eberhard I.).
Keine Rückschlüsse auf „Judenbad“
Der Besitzer, der Bader Martin Löblin (Leble), sowie die beiden Maurer Hans Bach und Yacob Brechhammer werden in der Inschrift ebenfalls genannt. Zu allen drei Personen gibt es Zeugnisse in alten Dokumenten. Die Inschrift im beginnenden 17. Jahrhundert und der Hinweis auf die Erbauer sei sehr selten, das Haus selbst lasse aber nach neuesten Erkenntnissen keine Rückschlüsse auf einen jüdischen Besitzer und ein „Judenbad“ zu.
Keine weiteren Ausgrabungen geplant
Bislang war man davon ausgegangen, dass 1383 „Jakob der Jud von Alzey“ der Besitzer des Gebäudes gewesen sein soll. Aus dieser Zeit sei die Existenz eines jüdischen Ritualbades im Untergeschoss überliefert, einer Mikwe. Eine Säule mit Würfelkapitell weise auf die tiefere Lage der Mikwe hin, die „lebendes Wasser“ benötigt – das heißt Wasser des nahe gelegenen Flusses Nagold. Der Trog, der in einer Nische noch zu sehen ist, deute auf die spätere Verwendung des Hauses als Gerberei hin – innerhalb der Zusammenarbeit mit der Calwer Compagnie.
Im Außenbereich gibt es noch Steine, die die Vermutung nahelegen, dass dort das Wasser der Nagold eingeleitet wurde. Die Säulen und der Boden lassen darauf schließen, dass der ursprüngliche Raum um etwa einen Meter tiefer lag. „Hier sind momentan keine weiteren Ausgrabungen geplant“, betont Maximilian Ormos, Kulturbeauftragter der Stadt Wildberg.
Neuer Haltepunkt der Stadtführungen
Ob es sich nun um ein Judenbad, eine Gerberei oder etwas anderes handelte – der Keller in der Badgasse ist in jedem Fall einen Besuch wert. Das dachte sich auch Michaela Leven, Tourismusbeauftragte der Stadt Wildberg. Deshalb schauten sich Wildbergs Gästeführer den Keller vor Kurzem genauer an. Sie werden die Geschichte des „Judenbads“ und die Erkenntnisse künftig in ihre Stadtführungen einbinden.
Das „Judenbad“ war eines der zentralen Themen, die beim Gästeführertreffen besprochen wurden. Zum ersten Mal seit der Pandemie traf sich die historisch interessierte Gruppe wieder in Präsenz. Zuerst ging es zur Besichtigung in das „Judenbad“ als neues Element der Führungen.
Nach der Diskussion der neuen Erkenntnisse versammelten sich die Stadtführer, um Marketingaktivitäten der Stadt, Erkenntnisse der vergangenen Jahre, neue Führungsideen und neue Termine zu besprechen. Dabei wurde auch überlegt, wie man die monatlichen Führungen interessant und abwechslungsreich gestalten kann und das „Judenbad“ der Öffentlichkeit zugänglich machen kann.
Juden im Nordschwarzwald
Jüdisches Leben
Interessierte können sich über das jüdische Leben im Nordschwarzwald auch näher in folgender Publikation informieren: www.papierblatt.de/edition/trautwein-juedisches-leben-im-nordschwarzwald.html.