Ausreichend Trinkwasser ist auch in den kommenden Jahren noch in St. Georgen vorhanden, erfuhren die Gemeinderäte. Foto: Hyrma – stock.adobe.com

Ganz einfach: Wenn man den Wasserhahn öffnet, sprudelt frisches Trinkwasser daraus hervor. Dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt und es in St. Georgen nicht zu Problemen kommt, soll ein Strukturgutachten zur Trinkwasserversorgung sorgen. Das sind die zentralen Punkte.

St. Georgen - Wasserverluste minimieren, die Versorgung derzeitiger und potenzieller künftiger Wasserabnehmer sicherstellen und das Trinkwassernetz ständig an neue gesetzliche und technische Regelwerke anpassen – die Trinkwasserversorgung einer Stadt aufrecht zu erhalten, ist keine triviale Aufgabe. Um das Trinkwassernetz von St. Georgen zu analysieren – insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklungen, die in den kommenden Jahren zu erwarten sind –, hat die Stadt St. Georgen ein Strukturgutachten zur Trinkwasserversorgung in Auftrag gegeben, das mittlerweile fertiggestellt ist. Dominik Bordt von BIT Ingenieure, dem Unternehmen, das die Analyse durchführte, und Patrick Gaus von der Aquavilla präsentierten es den Gemeinderäten in deren jüngster Sitzung am Mittwochabend. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

Wie ist der Zustand des St. Georgener Trinkwassernetzes aktuell?

Von den rund 115 Kilometern Trinkwassernetz in St. Georgen bestehen gut 45 Kilometer aus dem Kunststoff Polyethylen und sind damit laut Gaus auf dem neusten Stand der Technik. Gut 44 weitere Kilometer bestehen zwar nicht aus Kunststoff, sind aber maximal 50 Jahre alt. Neben einigen weiteren Materialien, die nur in geringen Mengen auftreten, sind lediglich gut elf Kilometer des Rohrnetzes aus Grauguss gefertigt und damit mindestens 50 Jahre alt. Allerdings wird das Trinkwassernetz von St. Georgen laufend saniert, wobei solche alten Leitungen erneuert werden.

Wieso geht in St. Georgen so viel Wasser verloren?

Zwischen 16 und 17 Prozent des Trinkwassers, das durch das St. Georgener Netz fließt, kam im Jahr 2020 nie bei den Abnehmern an, weil es unterwegs verloren ging – etwa durch Lecks. Dieser Wert ist zwar besser als in den Vorjahren und kann Gaus zufolge 2021 voraussichtlich noch einmal unterboten werden, im Vergleich zum Zielwert von rund zehn Prozent Wasserverlust ist er aber dennoch recht hoch. Das Problem, erklärt Gaus, seien hierbei nicht die großen Rohrbrüche, sondern eher kleine Lecks, die schwer bis gar nicht aufzuspüren seien, durch die aber stetig Wasser verloren gehe. Zudem werden in St. Georgen sogenannte unechte Verluste, die etwa beim Spülen von Hydranten entstehen, nicht separat erfasst. Bordt empfiehlt, dass man dies in Zukunft tun solle. Etwa um zwei bis drei Prozent, schätzt Gaus, sänken die Wasserverluste dann noch.

Wie ist die Wasserqualität in St. Georgen?

Das St. Georgener Quellwasser ist sehr weiches Schwarzwaldwasser mit einem hohen Kohlensäureanteil, der aber im Zuge der Aufbereitung vermindert wird und daher Bordt zufolge nicht weiter problematisch ist. Allerdings wurde bei der Erstellung des Strukturgutachtens auch das Wasser direkt an den Quellen getestet. Dabei hat man an allen Quellen eine mikrobiologische Belastung festgestellt – "besonders wenn es stark regnet", wie Bordt den Räten erklärte. Die gute Nachricht: "Im Reinwasser hat noch nie etwas durchgeschlagen." Dennoch müsse man das Wasser in Zukunft mittels Ultrafiltration zusätzlich aufbereiten.

Müssten die Quellen noch besser geschützt werden?

Angesichts der mikrobiologischen Belastungen stellte Bordt die Frage in den Raum, ob man die Trinkwasserquellen in St. Georgen besser schützen müsste. Doch aus Sicht des Gutachters sind die derzeitigen Schutzgebiete ausreichend groß. Eine Erweiterung würde Bordt also nicht für sinnvoll erachten.

Wie viel Wasser wird ­aktuell verbraucht?

Derzeit liegt der Wasserverbrauch in ganz St. Georgen im Durchschnitt bei etwa 64 500 Liter pro Stunde. Zu Spitzenzeiten steigt er auf durchschnittlich 299 000 Liter pro Stunde. Damit reicht das Wasserangebot aus den St. Georgener Quellen zusammen mit dem Wasser, das über die Bodensee Wasserversorgung bezogen wird, aus, um den Bedarf zu decken.

Reicht das Trinkwasser auch künftig noch aus?

Ja, auch in Zukunft dürfte das Wasserangebot noch ausreichen, um den Trinkwasserbedarf in St. Georgen zu decken. Das rechnete Bordt den Gemeinderäten in seiner Prognose für das Jahr 2040 vor. In Zeiten, in denen durchschnittlich viel Wasser verbraucht wird, wäre sogar allein die Menge, die vom Bodensee her bezogen wird, genug. Lediglich zu Spitzenzeiten "kommen wir in einen Bereich, wo nicht mehr viel Spielraum ist", erläuterte Bordt. Dramatisch sei das aber noch nicht.

Was bringen Verbundlösungen mit anderen Kommunen?

Um die Wasserversorgung zu stabilisieren, sollte man über Verbunde mit umliegenden Kommunen nachdenken, riet Bordt und stellte eine Reihe möglicher Varianten vor. Für St. Georgen wäre demnach ein Verbund mit Triberg und dem Furtwanger Stadtteil Rohrbach sowie ein Verbund mit Königsfeld interessant. Ein interner Verbund könnte zudem die Wasserversorgung in Peterzell zusätzlich absichern.

Macht es Sinn, neue Quellen zu suchen oder alte zu reaktivieren, um in Zukunft mehr Wasser zur Verfügung zu haben?

Diese Frage stellte Gemeinderat Peter Fichter (SPD). Bisher sei das nicht notwendig, da die Wasserversorgung sichergestellt sei, entgegnete Gaus. Natürlich habe man aber einige Quellen im Blick, die man bei Bedarf an das Trinkwassernetz anschließen könnte und folglich auch regelmäßig überwache.

Wie sieht es mit der Anbindung der Eigenwasserversorger in den Außenbereichen aus?

In St. Georgen gibt es 371 Außenanlieger, die bislang nicht an das Trinkwassernetz angeschlossen sind, sondern sich selbst versorgen. In trockenen Jahren können diese allerdings in Bedrängnis kommen. Teilweise liegen schon jetzt Leitungen ganz in der Nähe, teilweise ist der Anschluss – etwa aus topographischen Gründen – gar nicht möglich. Bordt hat einen Katalog von etwa 30 Maßnahmen erarbeitet, mit denen 321 der Außenanlieger an das Trinkwassernetz angeschlossen werden könnten. Aber: Dazu müsste man fast 66 Kilometer an Leitungen verlegen – die Gesamtlänge des Netzes würde damit um die Hälfte steigen – und die Kosten betrügen knapp 16 Millionen Euro. Die Maßnahmen sollen deshalb nun priorisiert und noch einmal gesondert im Gemeinderat diskutiert werden.

Welche Investitionen stehen außerdem in den kommenden Jahren an?

Neben dem Einbau der Ultrafiltrationsanlagen, den Verbundleitungen, dem Anschluss der Außenanlieger und laufenden Sanierungen im Leitungsnetz muss der Hochbehälter Rupertsberg neu gebaut und der Hochbehälter Mühledobel saniert werden. Außerdem warten in den kommenden Jahren Sanierungsarbeiten an den Quellen sowie im Wasserwerk Brudermoos.