Was versteht eigentlich ein Experte unter gesunder Ernährung? Diese und weitere Fragen haben wir Sven Bach gestellt, der auch erzählt, wo er manchmal "sündigt".
Horb - Wenn Sven Bach über das Thema Ernährung spricht, ist er voll in seinem Element. Im Gespräch zeigt er auf, wie viele verschiedene Facetten es dazu gibt. Eine erste sehr prägnante Aussage: "Ernährung ist eine sehr individuelle Geschichte. Was bei dem Einen gut funktioniert, kann bei dem Anderen das Gegenteil sein."
Saisonales Essen wichtig
Nichtsdestotrotz sieht Bach eine Grundlage, die er unter "gesunder Ernährung" fasst. Eine genaue Definition hingegen sei schwierig. "Ich verstehe darunter, sich weitgehend industriefrei zu ernähren. Primär sollte man pflanzliche Produkte zu sich nehmen. Hülsenfrüchte, Gemüse, Nüsse, Samen, Obst. Dies ist für alle wichtig. Ein Sonderfall sind natürlich Allergien oder Unverträglichkeiten."
Laut Bach ebenfalls wichtig: ein moderater Konsum von Sauermilchprodukten. So schlägt er eine Portion Quark oder Joghurt pro Tag vor. "Milch an sich hingegen brauchen wir nicht zwingend", so der Ernährungsberater und Diätassistent.
Oftmals wird auch von "ausgewogener Ernährung" als wichtigem Faktor gesprochen. Bach sagt einerseits: "Kleinkinder ernähren sich im Grunde von zehn Lebensmitteln." Andererseits sagt er: "Für mich bedeutet es, saisonal zu essen. Gerade beim Gemüse geht das sehr gut."
Individualität zu beachten
Innerhalb seiner Beratungen stellt er oft fest, dass die Leute denken sie machen das Richtige, obwohl schlussendlich das Gegenteil der Fall ist. Hier komme wieder der individuelle Faktor ins Spiel. "Man ist in der Betrachtung in so ein ›Schwarz-Weiß-Denken‹ reingekommen, aber so einfach ist das nicht." Es gelte auch den jeweiligen Typ zu betrachten. Bach bringt Beispiele aus der Fußballwelt vor: "Leon Goretzka und Thomas Müller sind in etwa gleich groß, haber aber einen unterschiedlichen Körperbau. Das Selbe gilt für Joshua Kimmich und Mario Götze."
Ebenfalls oft zu hören bekommt Bach Ausreden, wieso es mit der richtigen Ernährung nicht klappt. "Ich verstehe die Leute und habe gewissermaßen auch Verständnis. Aber für mich gilt auch: ›Wer will, sucht Wege. Wer nicht will, sucht Gründe‹. Dass aufgrund von Preissteigerungen beispielsweise weniger Erdbeeren und Spargel gegessen werden, kann er nicht nachvollziehen. "Man braucht das neueste Handy, die Autos werden immer größer und dazu teure Klamotten. Aber beim Essen wird gespart. Das ist für mich oftmals ein Vorwand."
Eltern müssen Vorbilder sein
Gleichwohl weiß Bach das im hektischen Alltag mit Beruf und Familie nicht immer viel Zeit zum Kochen bleibt. Dafür hat einen "Fertigprodukt-Guide" erstellt, in dem erklärt wird, wie man gewisse Fertigprodukte mit wenig Aufwand gesünder machen kann. Wichtig sei als Elternteil mit gutem Gewissen voran zu gehen. "Die Vorbildfunktion der Eltern besteht zu 100 Prozent. Das muss man klar sagen. Bis zum zehnten Lebensjahr kann ein Kind nichts für seine Figur, das steuern auch die Eltern mit der richtigen Ernährung.
Dass man sich auch mal etwas gönnen darf, zeigt Bach an seiner eigenen Person: "Zwei bis drei Mal die Woche esse ich 50 Gramm Chips und 75 Gramm Salzstangen. Das gönne ich mir. Aber ich achte auch darauf, jeden Tag 300 bis 500 Gramm Gemüse und Obst zu mir zu nehmen."
Info: Zur Person Sven Bach
Sven Bach ist seit zwei Jahrzehnten als staatlich geprüfter Diätassistent tätig. 2007 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und führt Praxen in Horb und Stuttgart. Außerdem ist er seit vielen Jahren regelmäßig für verschiedene Funk- und Fernsehsender als Ernährungsexperte tätig und Autor diverser Publikationen sowie Bücher rundum gesunde Ernährung, ernährungsbedingte Erkrankungen und Übergewicht. Mit der Esswert GmbH & Co. KG kümmert er sich mit seiner Kollegin Martina Amon um das Thema "Betriebliche Gesundheitsförderung" und berät zahlreiche Firmen aus dem deutschsprachigem Raum, darunter auch einige aus Landkreis Freudenstadt in Fragen rund um die Ernährung.
Hier noch ein Kochtipp von unserer Volontärin Wiebke Jansen:
"Kartoffelschnitz und Spatz‘n" heißt es bei uns, andere nennen es "Gaisburger Marsch". Wenn meine Großmutter, eine schwäbische Hausfrau, dieses Gericht kochte – dann kochte sie richtig. Da wurden nicht nur meine Großeltern satt, sondern auch der Rest der Familie – meine Eltern, mein Bruder und ich für mehrere Tage.
Heute weiß ich: Das Rezept ist verhältnismäßig aufwendig, grade, wenn man keine Spülmaschine hat. Aber der Aufwand lohnt sich!
Rindersuppenfleisch klein schneiden und in Rinderbrühe gar kochen. Nehmen Sie einen großen Topf – es wird voll! Währenddessen Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden. Das Fleisch aus der Brühe herausnehmen, die Brühe behalten und die Kartoffeln darin kochen. Haltbare Spätzle gleich mitkochen, wenn sie frisch sind, erst gegen Ende dazu geben. Eine Zwiebel entweder in Würfel oder Ringe schneiden und kurz anbraten. Zuletzt das Fleisch, die Zwiebeln und eine geschnittene Knoblauchzehe zu den Kartoffeln geben, köcheln lassen und mit Petersilie, Schnittlauch und Suppengrün verfeinern. Dann genießen – siehe Foto in der Bilgergalerie. Guten Appetit!
Noch ein leckerer Tipp unserer Redaktion – die Joghurtbombe:
Für die Joghurtbombe werden die folgenden Zutaten benötigt: 100 Gramm Zucker, eine Packung Vanillezucker, 500 Gramm Naturjoghurt (1,5 % Fett), zwei Esslöffel Zitronensaft, 60 Gramm Zucker, ein Päckchen Vanillezucker, 400 Gramm Schlagsahne und 250 Gramm frische Beeren.
Und so geht’s: Ein Nudelsieb mit einem sauberen Geschirrhandtuch auskleiden und in eine Schüssel stellen, die als Auffangbehälter dient. Naturjoghurt mit Zitronensaft, Zucker und Vanillezucker verrühren. Schlagsahne steif schlagen und unter den Joghurt heben. Joghurtmasse in das Geschirrtuch geben und mit Frischhaltefolie bedecken. Mit der Schüssel für circa 12 Stunden in den Kühlschrank stellen. Zwischendurch prüfen, ob die Schüssel geleert werden muss. Frischhaltefolie abziehen und die Joghurtbombe auf einen Servierteller stürzen. Mit frischen Beeren servieren – siehe Foto in der Bildergalerie.