Hans Stollsteimer war im Nagolder Gemeinderat nie der große Lautsprecher. Foto: Thomas Fritsch

Er ist kein Lautsprecher im Nagolder Gemeinderat – und war es nie. Hans Stollsteimer steht nach 25 Jahren im Gremium für unauffällige Kontinuität. Doch nach dieser Wahlperiode macht der Landwirt vom Lindenhof Platz für den Nachwuchs.

Hans Stollsteimer macht keine Staatsaffäre aus seinem Ausscheiden aus dem Nagolder Gemeinderat. Ruhig und gelassen erzählt er im Gespräch, davon, dass die Entscheidung zunächst einmal bei ihm selbst reifen musste. „Das habe ich zunächst einmal ganz mit mir alleine ausgemacht“, berichtet er. Erst dann habe er seine Fraktion der Freien Wähler davon in Kenntnis gesetzt.

 

Für sich selbst hat er seine Mission Gemeinderat jetzt erfüllt: „Ich bleibe nicht, bis jemand fragt: Wann hört der alte Dackel endlich auf“, sagt er und lächelt verschmitzt. „Und wenn ich jetzt noch eine Runde machen würde, wäre ich am Ende 80 Jahre alt.“ Es sei jetzt der Punkt da, an dem junge Nachwuchskräfte nachrücken dürfen und können, denn aktuell seien in der Faktion schon ziemlich viele Ältere im Gremium vertreten.

„Das ist jetzt schon ein Schnitt“

„Jetzt müssen die Jungen neue Ideen reinbringen“, blickt er in die politische Zukunft seiner Fraktion – muss aber eines schon zugeben: „Das ist jetzt schon ein Schnitt. Ohne Gemeinderat wird mir schon was fehlen“, sagt er und spricht von dem „einen weinenden Auge“, das seine Entscheidung mit sich bringe. Doch bange ist ihm für die künftige Wahlperiode für seine Fraktion nicht – da gebe es genug geeignete Leute. Wie eigentlich in jeder Fraktion.

Über die 25 Jahre seiner Tätigkeit im Gemeinderat hätten sich schon Freundschaften und Kameradschaften gebildet, erinnert er sich. Und auch die Zusammenarbeit im Gremium sei eine besondere gewesen, so Stollsteimer, der in diesem Satz vom fast schon sprichwörtlichen „Nagolder Geist“ spricht, den er in einem Satz zusammenfasst: „Weil es für die Stadt gut ist.“ Das habe dann die Freude an dem Ganzen gebracht.

Prägende Persönlichkeiten habe er in dieser Zeit kennengelernt und nennt Namen wie Hansgeorg Schaible, Rainer Schmid, Helmut Raaf, Wolfgang Schäfer sowie Rainer Prewo und Sigrun Vögele.

„Weil es für die Stadt gut ist“

Allerdings, so gibt er zu bedenken, sei dieser „Nagolder Geist“ in der jüngsten Zeit nicht mehr ganz so ausgeprägt gewesen wie zuvor. Es sei schade, wenn es bei der Arbeit im Rat um Wählerstimmen gehe und: „ Es ist nicht meine Art mich zu profilieren, indem man andere schlecht macht“, sagt er, ohne ins Detail zu gehen. Trotzdem herrsche im Rat über die Fraktionen hinweg ein „gutes und befruchtendes Miteinander“, das unter anderem in den gemeinsamen „Nachsitzungen“ nach den eigentlichen Sitzung von Rat und Ausschüssen seinen Ausdruck finde.

Stadt und Teilorte haben beide ihre Berechtigung

Und gibt es für ihn in den fast 25 Jahren seiner Tätigkeit die eine, die wichtigste Entscheidung? Damit tut sich Hans Stollsteimer schwer. Natürlich seien die Entscheidungen um Gartenschau, rund um die Marktstraße und den Eisberg wichtig gewesen, aber man dürfe da auch nicht die Entwicklung der Teilorte vergessen. „Wenn die Stadt das Wohnzimmer ist, dann sind die Teilorte die Kinderzimmer, beide haben ihre Berechtigung“, so Stollsteimer, der in diesem Zusammenhang explizit auch die Entscheidungen für die Arbeit der Vereine in der Stadt nennt.

Als schwierigsten Punkt seiner Karriere im Rat nennt Stollsteimer die Entscheidung zum Gertrud-Teufel-Heim. Diese Entscheidung, die vor Weihnachten und vor der Wahl getroffen wurde, sei wahrlich nicht leicht gewesen. Aber: „Wir stehen dazu und wir stehen die Sache durch“, habe man sich damals gesagt – trotz aller Kritik, die in diesem Geschäft eben auch dazu gehöre.