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Geislingen Anwohner für dauerhaft Tempo 30 in Ortsdurchfahrt

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Eine Armlänge von August Joos entfernt braust ein schwerer Laster vorbei. Der Geislinger steht an der am stärksten von Lärm belasteten Stelle der Brückenstraße und ist einer jener Bürger, die sich dafür aussprechen, dass innerorts auf Dauer nur noch 30 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf. Foto: Schnurr

Geislingen - Im verkehrsgeplagten Geislingen hat seit 4. August eine zeitweise Tempo-30-Begrenzung gegolten. Anwohner berichten, dass dadurch der Lärm zurückgegangen sei. Sie wollen eine dauerhafte Geschwindigkeitsreduzierung. Mehr darüber lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Seit 4. August galt in Geislingen Tempo 30. Diese Beschränkung hatte Bürgermeister Oliver Schmid beim Kreisverkehrsamt erbeten, nachdem pünktlich zu Ferienbeginn wieder deutlich mehr Verkehr durch die Stadt zu rollen begann: Wegen der Fahrbahnerneuerung auf der B 463 zwischen Gruol und Stetten hatte das Regierungspräsidium Tübingen eine Umleitung von der Anschlussstelle der Autobahn 81 bei Sulz nach Balingen über die Landesstraße 415 eingerichtet, unter der besonders Anwohner der Geislinger Ortsdurchfahrt litten.

Nachdem die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wurde die Umleitung am Dienstagmittag aufgehoben. Das bedeutete auch das Ende der Tempobegrenzung – in Geislingen wurden die Schilder gegen 14 Uhr abgebaut.

Mehr als 10.000 Autos pro Tag

Tempo 30 hat sich aus der Sicht vieler Geislinger bewährt, beispielsweise der von August Joos. Er hat bis vor kurzem direkt in der Brückenstraße gewohnt, ist viel zu Fuß im Ort unterwegs und berichtet aus Erfahrung erster Hand: "Die Maßnahme halbiert die Geräusche glatt", sagt er.

Mehr als 10.000 Autos pro Tag und hunderte Laster verursachen in Geislingen gesundheitsgefährdenden Lärm. Nicht die Motoren, sondern vor allem die Fahrwerke sind aus Joos’ Sicht das Hauptproblem: Aufbauten, Planen, lose Metallteile und ungefederte Anhänger verursachten schon bei kleinen Straßenunebenheiten laute Geräusche.

Davon gibt es auf der sanierungsbedürftigen Brücken- und Vorstadtstraße jede Menge. Zudem ungenau eingepasste Schachtdeckel, die laut rumpeln und klirren, wann immer jemand darüberfährt.

"Wohnqualität hat sich erhöht"

Vor Tempo 30 hätten die Häuser bei vorbeifahrendem Schwerlastverkehr gebebt, beschreibt August Joos, was aus seiner Sicht im August besser geworden ist: "Jetzt können Sie wieder die Fenster aufmache. Die Wohnqualität hat sich erhöht." Auch könne man nun in Geislingen wieder spazierengehen, ohne die Sorge, dass man als Fußgänger oder Radfahrer vom Luftsog eines vorbeidonnernden Lasters umgerissen wird.

Tempo 30 sei sicherer für alle: für Schüler beim Aussteigen aus dem Bus, für Senioren, die ungefährdeter über die Straße kämen, und auch für Autofahrer, die sich leichter in den langsamer fließenden Verkehr einfädeln könnten. "Es läuft alles ruhiger, mit weniger Hektik."

Er würde den Vorschlag unterstützen, dauerhaft Tempo 30 in Geislingen zu beantragen, sagt Joos. Bei dieser Geschwindigkeit seien die Autos ohnehin nur etwa 40 Sekunden länger innerhalb des Orts unterwegs.

Vorschlag: Nutzen erneut prüfen

Peter Schlecht, dessen Fahrradgeschäft an der am stärksten mit Lärm belasteten Stelle Geislingens steht, hat bemerkt, dass es ruhiger geworden ist, solange der Verkehr läuft. "Aber wir haben unwahrscheinlich viele Staus gehabt", verweist er auf den Nachteil der Umleitung von der A 81 her. Beim Anfahren und Bremsen seien die Laster noch lauter.

Der tatsächliche Nutzen der Tempobeschränkung sei daher schwer zu beurteilen, sagt Schlecht. Auch seien ja Ferien gewesen – es gebe also mehrere "Aspekte, die wir in drei Wochen nicht mehr haben". Er fände es daher sinnvoll, den Nutzen einer Tempobegrenzung erneut zu prüfen, wenn die Umleitung aufgehoben ist und die Schule wieder begonnen hat.

Eindeutig für dauerhaft Tempo 30 ist eine andere Anwohnerin der Brückenstraße, die nicht namentlich genannt werden möchte: "Es ist deutlich ruhiger geworden. Das merkt man. Ich hatte das vorher nicht geglaubt."

Eine dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung "von Ortsschild zu Ortsschild" wäre aus ihrer Sicht sinnvoll, und sie würde den Geislinger Bürgermeister in diesem Ansinnen unterstützen. Sie fände es auch gut, wenn darüber im Gemeinderat öffentlich abgestimmt würde.

Am Ortsausgang Richtung Balingen würden aber noch immer viele Autofahrer hochbeschleunigen, so ihre Beobachtung. Und seit etwa einer Woche werde auch innerorts wieder schneller gefahren.

Messanhänger des Kreises nicht eingesetzt

Das versprochene Messgerät des Landkreises sei leider nicht zum Einsatz gekommen. Das könnte man ihrer Meinung nach jedoch auch jetzt noch aufstellen, da wieder Tempo 50 gilt.

Die Einschätzungen von Anwohnern der Ortsdurchfahrt sind Wasser auf die Mühlen des Bürgermeisters: Er hatte vorab die Augustwochen als Versuchsphase dafür angesehen, wie sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Verkehr sowie die Lärm- und Abgasbelastung auswirkt. Gemeinsam mit dem Lärmaktionsplan soll diesen Monat auch Tempo 30 auf der Tagesordnung des Gemeinderats stehen.

Hoffentlich, sagen mehrere befragte Geislinger, seien dessen Mitglieder sich ihrer Verantwortung vor allem für Kinder und ältere Mitbürger bewusst. Denn kaum dass am Dienstag die Schilder weg waren, donnerte auch schon wieder der Verkehr mit neuer Wucht durch die Stadt.

"Die Stadtverwaltung haben während der Umleitung der B 463 und der daraus folgenden Zunahme des Verkehrs deutlich weniger Beschwerden über den Lärm erreicht als in früheren Jahren", berichtet Bürgermeister Schmid auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Zwar sei es vor allem zu Beginn der Umleitung zu den Stoßzeiten gegen 7 und 17 Uhr zu "Stop-and-go-Verkehr" in der Ortsdurchfahrt gekommen. "Dies geschah nach unserer Beobachtung unabhängig von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit aufgrund der Überlastung der Strecke."

Im Verlauf der Sommerferien sei das Verkehrsaufkommen dann wieder zurückgegangen. Die Stadtverwaltung hofft jetzt auf Rückmeldungen von Anwohnern, Anliegern und Verkehrsteilnehmern über deren Erfahrungen während der Tempobeschränkung.

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