Das Hotel Eden: Der mächtige bis zu neun Geschoss hohe Gebäudekomplex verkommt zusehends. Foto: Kuhnert

Das Hotel Eden im Freudenstädter Nickentäle rückt wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses. Gibt es für das in den frühen Siebzigern eröffnete ehemalige Hotel eine Zukunft?

Seit fast 15 Jahren wird das Hotel Eden nicht mehr oder kaum mehr genutzt. Der mächtige bis zu neun Geschosse hohe Gebäudekomplex verkommt zusehends. Es besteht Handlungsbedarf.

 

Das Haus ist durch mehrere Eigentümerhände und Beteiligungsmodelle gegangen und ist seit einigen Jahren im Besitz einer chinesischen Investoren-Familie. Sie wollte es durchaus nutzen und wiederbeleben. Doch diese Pläne haben sich schon vor Jahren offensichtlich zerschlagen.

Dach ist an mehreren Stellen schadhaft

Jetzt aber wird es Zeit, will man den Komplex noch retten. Das Dach ist an mehreren Stellen schadhaft, Wasser ist eingedrungen und hat bereits darunterliegende Geschosse beschädigt. Dazu gesellen sich ungebetene Besucher. Nachbarn beobachteten, wie Kinder wiederholt durch eine offene Hintertür in das Hotel gelangten und dort verweilten. Nicht nur sie entdeckten die Bleibe. Auch offensichtliche Wohnsitzlose schlugen im Hotel ihr Quartier auf, übernachteten, trafen sich mit mehreren Personen, kochten sich Essen, rauchten und tranken Alkohol. Das lässt sich aus ihren Hinterlassenschaften unschwer schließen.

Unerklärlich ist die Zerstörungswut mancher Besucher. Wandlampen in allen Stockwerken sind eingeschlagen, Glastüren zersplittert, Möbel wurden über Treppenstufen geworfen, es wurde geschmiert und gesprayt.

Ein Blick in die Küche Foto: Kuhnert

Ein Nachbar hat sich jetzt der Sache angenommen, die Rolle eines Art Hausmeisters für das Eden übernommen. Nach seiner Rücksprache mit dem Eigentümer sah sich die Polizei den Schaden an und hat nun sowohl nachts als auch am Tag ein Auge auf den Komplex. Alle Türen und Einstiegsmöglichkeiten sind jetzt fest verschlossen und werden regelmäßig überprüft. Derzeit scheint das Hotel keine ungebetenen Gäste mehr zu haben.

Ein Fachmann hat inzwischen das Dach untersucht. Nach seiner Meinung helfen da Provisorien nicht mehr weiter. Das Dach, so der Profi, müsse rundum erneuert werden. Auch viele Balkone, inzwischen zum Teil von meterhohen Pflanzen bewachsen, müssen dringend saniert werden.

Die Räume über neun Geschosse sind nicht durchweg unbewohnbar. Die meisten sind in einem ordentlichen, freilich verwohnten, Zustand. So wirken die Eingangshalle oder die ehemalige Eden-Bar so, als müssten sie nur gelüftet und gesäubert werden, selbst die zeitlose Bestuhlung ist noch intakt. Andere Räume, wie die Küche und Vorratsräume, haben schwer gelitten.

Nachdem der Hotelbetrieb im Eden mangels Nachfrage aufgegeben worden war, diente das Gebäude zeitweise als Mutter-Kind-Klinik, dann wurden einzelne Stockwerke für Bürozwecke oder für einzelne Wohnungen vermietet. Dort finden sich noch heute Aktenordner mit Firmenunterlagen oder ganze Wohnungseinrichtungen einschließlich Kühlschrank.

Am Bedarf für Wohnraum fehlt es nicht

Was wird nun aus dem Eden? Die Frage treibt in diesem Frühjahr Menschen und Behörden in Freudenstadt um. Wird auch dieses Hotel zu einem Fall für die Abrissbirne? Oder ist es noch zu retten? Vielleicht erneut für Wohnungen? Am Bedarf für Wohnraum fehlt es nicht. Wohl aber noch immer an einem Signal des Eigentümers.